"Wir müssen die Kartelle ausbremsen"

Interview
7. November 2011, 17:40

Der neue Präsident Molina war zu Zeiten des Bürgerkriegs ob seiner Methoden umstritten - Sein wichtigstes Ziel ist es, für mehr Sicherheit zu sorgen

Als ranghoher Militär griff Otto Pérez Molina im guatemaltekischen Bürgerkrieg zu umstrittenen Methoden. Nun, als neu gewählter Präsident, will er eine "Strategie der Demokratischen Sicherheit" verfolgen, sagt er im Gespräch mit Sandra Weiss.

***

Standard: Ihr Programm ist recht umfangreich, von Korruptions- bis Armuts- und Gewaltbekämpfung. Alles schreit nach Veränderungen. Was ist das vorrangige Problem, das Sie als erstes angehen werden?

Pérez Molina: Zuerst will ich die Sicherheitslage verbessern. Nötig dafür ist eine ganze Palette von Maßnahmen, damit die Guatemalteken bereits in den nächsten drei Monaten Veränderungen spüren.

Standard: Guatemala wird von manchen als "Mafia-" oder "Narco-Staat" bezeichnet. "Mehr Sicherheit" bedeutet also einen Drogenkrieg wie in Mexiko?

Pérez Molina: Nicht unbedingt. Unsere Länder sind unterschiedlich. Ich gehe davon aus, dass man das anders machen kann. Hier stecken die Kartelle noch in den Kinderschuhen. Aber wenn wir sie nicht ausbremsen, werden wir bald Zustände haben wie in Mexiko - denn in den letzten Jahren haben die Narcos Ländereien gekauft, sind wichtiger geworden und haben ihren Einfluss generell ausgedehnt. Aber wir wissen ziemlich genau, wo sie sind und wie sie operieren. Daher brauchen wir keinen frontalen Krieg, sondern eine gute Aufklärung, um die wichtigsten Köpfe festzunehmen und die Mörderbanden dingfest zu machen, die für die Massaker verantwortlich sind.

Standard: Sie nennen das eine "Politik der harten Hand". Nun sind Sie Militär und hatten im Bürgerkrieg bereits Führungspositionen inne. Damals arbeiteten die Streitkräfte mit Terrormethoden und mit Todesschwadronen. Von Menschenrechtsorganisationen gibt es Vorwürfe gegen Sie und Befürchtungen ob der Methoden, die Sie in Ihrem Kampf gegen das Verbrechen einsetzen werden.

Pérez Molina: Man hat mir oft meine Vergangenheit vorgeworfen, aber nie etwas nachweisen können. Die jetzige Regierung hat verzweifelt versucht, auf diese Art meine Kandidatur zu verhindern - es ist ihr aber nicht gelungen. In jedem Krieg gibt es Exzesse. Auf beiden Seiten. Da ist Guatemala keine Ausnahme.

Standard: Und welche Garantien geben Sie, dass sich so etwas nicht wiederholt?

Pérez Molina: Ich werde eine "Strategie der Demokratischen Sicherheit" verfolgen, in der die Stärkung von Demokratie und Institutionen einen großen Raum einnehmen wird. Meine Idee ist die Einrichtung einer institutionenübergreifenden Taskforce, in der Polizei, Militär, Staatsanwälte und Geheimdienste vertreten sind. Und damit die Menschenrechte auch offiziell garantiert sind, wollen wir darin auch den Staatsanwalt für Menschenrechte miteinschließen.(DER STANDARD Printausgabe, 8.11.2011)


Otto Pérez MOLINA (60) unterzeichnete 1996 als einziger guatemaltekischer Offizier die Friedensverträge mit den Guerilleros. Er kandidierte bereits 2007 für das Amt des Präsidenten.

Share if you care
4 Postings
hmmm, mal sehen ...

... wie otto das alles in 4 jahren hin bekommt?

Oder ob sich in 4 Jahren etwas ändert.

In Mexiko sieht man das die "Politiker" Politik im Sinne der Kartelle machen. Wer gibt es dazu nicht zu sagen als das was sie sind - Verräter die persönlich von den Geschäften profitieren.

Die Mexikaner sollten die aktuellen "Politiker" durch den Protest der Strasse zum Rücktritt zwingen.

wäre ich Politiker würde ich denk ich auch versuchen den Kartellen nicht ungut aufzufallen

die produzieren ja auch genug Abschreckungsmaterial, ich bin jetzt nicht zart beseitet, aber da bleibt mir teilweise die Luft weg

die Kartelle haben das ganze Land in Geiselhaft, aber klar, in Österreich vor dem PC sitzend lässt es sich leicht groß reden

ich spars mir hier irgendwelche derartigen Videos zu posten weil man mir dann höchstwahrscheinlich und berechtigt den Account sperren/löschen würde

Das kann ja was werden:

Ein Ex-General mit einer institutionsübergreifenden Taskforce in der Hand. Das klingt doch ziemlich nach Diktatur.
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob für Guatemala eine Weiterführung des jetzigen Zustands besser ist.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.