Politische Plakatkunst

7. November 2011, 17:44
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Der Kulturverein aus Goldegg zeigt noch bis Ende des Jahres eine Auswahl von vierzig Arbeiten von Klaus Staeck bei freiem Eintritt

Durch Störung, Demaskierung und Delegitimierung der herrschenden Interessen entstehen oppositionelle Meinungen im Bewusstsein der Menschen. So definierte die 68er-Bewegung den Begriff "Gegenöffentlichkeit" , dem auch Klaus Staeck verpflichtet ist. Im ominösen Jahr 1968 arbeitete er erstmals mit Joseph Beuys zusammen, beide Künstler gestalteten Postkarten, der Heidelberger Staeck vor allem, um damit seine Plakataktionen im öffentlichen Raum zu finanzieren.

Getreu seinen Mottos: Kunst und Politik sind nicht zu trennen; Kunst für alle muss auf die Straße. Genau dort jedoch verteilt er Postkarten und affichiert Plakate, deren gesellschaftskritische Botschaften mittels Ironie, Satire, schwarzem Humor, Polemik und Verfremdung transportiert werden. Die Herrschenden, vor allem aus der konservativen und rechten Reichshälfte, fanden das weniger lustig, sie versuchten dem lästigen Straßenpolitkünstler mit insgesamt 41 Klagen die Schneid abzukaufen. Was aber nicht gelang, Staeck gewann alle Verfahren - übrigens indem er sich nicht auf die Freiheit der Kunst, sondern auf die Meinungsfreiheit berief.

Seit 1960 versucht der gelernte Jurist Kunst und Politik zu verschmelzen, sein großes Vorbild ist John Heartfield. Der Dadaist nutzte ab 1920 die Fotomontage und Collage zur Demontage einer ungerechten Klassengesellschaft, der Glaube an die Macht der Aufklärung eint beide Künstler. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, besser noch, wenn beide Ebenen zusammenwirken, sich ironisch konterkarieren.

Dabei gibt Staeck - seit 2006 Präsident der Akademie der Künste in Berlin - auch alten Meistern wie Albrecht Dürer neuen Sinn: Dessen Mutter-Bildnis aktualisierte er mit dem Text: "Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?" - Titel des Plakates von 1971: Sozialfall. Auf den Punkt stimmig ist auch die Kritik an den Rüstungskonzernen: "Alle reden vom Frieden. Wir nicht" .

In Krisenzeiten wie diesen bleiben Staecks "Einmischungen" (sein Lieblingswort) so aktuell wie vor 50, 40 oder 30 Jahren, der Kulturverein aus Goldegg zeigt noch bis Ende des Jahres eine Auswahl von vierzig Arbeiten bei freiem Eintritt. Empfehlung. (dog, DER STANDARD - Printausgabe, 8. November 2011)

5622 Goldegg, Schloss Goldegg, Hofmark 1, 06415/ 82 34, 19.00

  • Satirisches Plakat zu den Bundestagswahlen 1972 von Klaus Staeck.
    foto: stiftung haus der geschichte der bundesrepublik deutschland

    Satirisches Plakat zu den Bundestagswahlen 1972 von Klaus Staeck.

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