Reform

Industrie will Änderung der Rahmenbedingungen für Lehrlingsausbildung

7. November 2011, 16:08

Jährlich fehlen bis zu 10.000 Fachkräfte - Anforderungen entsprechen nicht Qualifikationen der Lehrlinge

Wien - Der heimischen Industrie fehlen jährlich 10.000 Fachkräfte von gut ausgebildeten Facharbeitern bis zu Uni-Absolventen. Besonders akut ist der Bedarf dabei in Technischen Berufen. Eng wird es auch bei der Ausbildung von Lehrlingen. Die Industrie könnte derzeit 4.000 bis 5.000 Lehrlinge aufnehmen, so der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) Christoph Neumayer am Montag bei einer Pressekonferenz.

Schere zwischen Anforderungen und Qualifikationen

Die Lehrlingssituation werde sich in den kommenden Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung noch verschlimmern, denn bereits 2015 wird es in Österreich um 45.000 weniger 10 bis 14-Jährige geben. Dazu komme der allgemeine Trend zur höheren Schule und die schwierige Positionierung der Lehrlingsausbildung. Denn: Die Schere zwischen den Anforderungen der Unternehmen und den Qualifikationen, die die Jugendlichen mitbringen, klaffen immer weiter auseinander.

Auch wenn die Konjunktur zurückgehe, werden Fachkräfte gesucht werden, so Neumayer. Die Konjunktur werde sich in den kommenden beiden Quartalen abkühlen, Rezession werde es aber keine geben. Nach den beiden schwächeren Quartalen erwarte er, dass es wieder aufwärts gehen werde. Wenn den Unternehmen nicht ausreichendes Fachpersonal zur Verfügung stehe, können verschiedene Aufträge nicht mehr in Österreich ausgeführt werden und müssen ins Ausland verlagert werden. Dies bedeute Verlust von Wohlstand und von Arbeitsplätzen.

Bildungsvolksbegehren "wichtiger Impuls"

Das Industrieland Österreich brauche daher die besten Hände und Köpfe, um dauerhaft Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Wohlstand sichern zu können, so Neumayer. Das laufende Bildungsvolksbegehren sei daher ein "wichtiger Impuls".

"Nachwuchspool trocknet aus"

Werden die aktuellen Rahmenbedingungen für die Lehrlingsausbildung nicht verändert, drohe bereits jetzt ein massiver Einbruch bei Quantität und Qualität im Bereich der Berufsausbildung. Der "Nachwuchspool" trocknet aus, der Lehrstellenmarkt drohe zu kippen, fürchtet Neumayer. Schon jetzt sei der Fachkräftemangel in der Industrie deutlich zu spüren. Denn: "3 von 4 Leitbetrieben haben Probleme, qualifiziertes Personal in Produktion, Technik, Forschung, Innovation und Entwicklung zu finden. Insgesamt haben 86 Prozent der Unternehmen Probleme, ihren Fachkräftebedarf zu decken.

Mehr technische Fächer gefordert

Die Industrie hat in ihrem Arbeitskreis "Fachkräfte 2020" einige zentrale Punkte herausgearbeitet, die helfen sollen, den zukünftigen Fachkräftenachwuchs zu sichern. Notwendig sei eine Reform im Schulsystem und eine Verbesserung bei der Bildungs- und Berufsinformation, so der Leiter des Arbeitskreises, Alexander Bouvier. Die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sollten im gesamten Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Uni verankert werden. Große Chancen, Facharbeitermangel entgegenzuwirken, sieht IV-Bildungsexperte Gerhard Riemer bei den Migranten.

Migration biete die Chance, die demografische Entwicklung auszugleichen. Die duale Berufsausbildung sollte nicht als eine Einbahnstraße gesehen werden. Nach der Berufsreifeprüfung, die Jugendliche mit einem Lehrabschluss absolvieren, sei auch ein Hochschulstudium möglich. So haben von 1997 bis 2007 17.000 Personen erfolgreich eine Berufsreifeprüfung abgelegt. Rund 60 Prozent davon haben im Anschluss eine weiterführende Ausbildung begonnen.

Reform des Polys

Für die 9. Schulstufe in Polytechnischen Schulen fordert Neumayer dringend eine Reform. Dieses Bildungsangebot werde von den 15-Jährigen aus unterschiedlichsten Gründen umgangen. Vertretbare Reformalternativen seien hier die mittlere Reife als Abschluss für alle nach der 9. Schulstufe. (APA)

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11 Postings
living reef
00
28.11.2011, 10:39
es gibt auch ein potential

erwachsener frauen und männer, die einen neuen facharbeiterInnenabschluss (=lehrabschluss) anstreben könnten. warum müssen es immer junge menschen sein. am 2. bildungsweg sollte es möglich sein die berufsschulen als "wissensquelle" theoretischen grundlagen der außerordentlichen facharbeiterInnenprüfung zu aquirieren. dies würde natürlich eine völlige generationenübergreifende neuausrichtung und modulare ausbildungen in den berufsschulen erfordern. ein radikales revolutionäres neues und modernes berufsschulkonzept wäre dringend angesagt. dies könnte die facharbeiterInnenmisere durchaus abmildern. hoffnung darauf gibt es aber kaum, werden doch hier sicherlich massive widerstände der "neugebauergewerkschaftler" zu erwarten sein

Sonata
01
8.11.2011, 12:33
Wenn die Industrie Lehrlinge braucht dann hat sie diese gefälligst auszubilden...

denn sie profitiert ja auch in erster Linie. Die ewig jammernden österreichischen Manager sind offensichtlich beruflich total überfordert wenn sie nicht einmal dieses Thema lösen können. Wir sollten eher für die Migration guter ausländischer Manager sorgen und unsere eigenen davonjagen.

naihoit
00
8.11.2011, 11:41
Lehrlingsausbildung - ein dreischneidiges Schwert

Berufe, die üblicherweise in Form einer Lehre erlernt werden, kann man auch in einer BMS oder BHS erlernen, und das zahlt dann die Allgemeinheit.
Lehrlinge bezahlen die Ausbildner.
Und das sind zumeist Gewerbebetriebe, weil die Industrie, die bis vor gar nicht so langer Zeit wirklich gute Lehrwerkstätten hatte, diese Kosten ein spart.
Dafür kann sie dann für Fachkräfte mehr zahlen, tut das auch und saugt somit die besten Kräfte ab.
Den Gewerbebetrieben bleiben die Kosten und die weniger guten Kräfte.
Blöd, wer trotzdem weiter macht.
Ein Problem, das nur politisch lösbar ist.
Aber unsere Politiker erkennen es nicht oder können es nicht lösen.

pick up artist - experte für genderfragen
00
8.11.2011, 11:10
3-2-1

DAAANKEE Liesl Gehrer!

Fritz Meyer
03
8.11.2011, 10:17
Ist es nicht herrlich...

wenn man anderen die Schuld an der Misere geben kann, die man selber massgeblich herbeigeführt hat.

naihoit
01
8.11.2011, 11:33
Meinen Sie die geschlossenen Lehrwerkstätten der Industriebetriebe

oder gibt es da noch ähnliche Fehler?

Errorrrrrr
00
8.11.2011, 08:40
Die Schere zwischen den Anforderungen der Unternehmen und den Qualifikationen

wenn man sich um eine lehrstelle im technischen bereich bewirbt hat man bei manchen firmen keine chance wenn man nicht überall in der ersten leistungsgruppe war und bekommt dann dafür einen "beinahe fließband job".
wer macht mit solchen qualifikationen macht da nicht lieber eine HTL?

und fehlen lehrlinge, lassen die firmen lieber lehrstellen unbesetzt, als von ihren überzogenen anforderungen abzuweichen.

Der Steiner
02
7.11.2011, 23:31

Ja dann soll die liebe Industrie Geld in die Hand nehmen und selbst für den Nachwuchs sorgen. Schreibt anständige Stipendien für die MINT-Studien aus und finanziert die Studienplätze. Denn sogar in den MINT-Fächern ist zu wenig Personal und Platz vorhanden. Dreimal so viel wiss. Personal wäre jetzt schon nötig, und wenn ihr dann noch mehr wollt, bitte gerne.

Fritz Meyer
00
8.11.2011, 10:16
Exakt auf den Punkt gebracht!

V995
00
7.11.2011, 21:54
jetzt schreien sie nach fachkräften

vor noch nicht allzu langer zeithaben sie lehrlinge als billigarbeitskräfte benutzt recht geschieht euch zahlt anständig

Management Quatscher
07
7.11.2011, 20:30

Jährlich 10.000.
Das heisst in 100 Jahren fehlen eine Million Fachkräfte.

Das ist das Ende der Wirtschaft. Schluchz.

Es bedarf keines Beweises mehr. Wer jetzt nicht mit den Händen ringt, dem ist nicht mehr helfen.

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