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Zurück auf der Straße: Britische Studenten rüsten sich für Großdemo

7. November 2011, 15:46
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    Erstes Aufbegehren der Studenten im Oktober.

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    Besonders die Geistewissenschaften sind von den Kürzungen betroffen.

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    Am 9. November soll eine Großdemonstration stattfinden, für 30. November ist ein Streik in ganz Großbritannien geplant.

Studenten protestieren am Mittwoch gegen hohe Studiengebühren und Zweiklassensystem an Unis

London (APA) - "Was wir bisher gesehen haben, ist nichts im Gegensatz dazu, was noch kommt", sagt Mark Bergfeld. Der Wahl-Londoner gehört der National Union of Students (NUS) an und war als Sprecher des Education Activist Network eines der medialen Gesichter jener Studenten-Demo im November 2010, die eine Welle an Protesten in ganz Großbritannien nach sich gezogen hat. Ein Jahr später ruft er die Studenten erneut auf die Straßen - und er denkt "in noch größeren Dimensionen", denn die Situation für britische Studenten hat sich weiter verschärft.

Verdreifachung der Studiengebühren

Zusätzlich zur drastischen Kürzung des Hochschulbudgets, der Streichung der "Education Maintenance Allowance" (ähnlich der Familienbeihilfe) und der Verdreifachung der Studiengebühren von rund 3.000 auf 9.000 Pfund drohen 2012 mit dem von der Regierung geplanten "Higher Education White Paper" zahlreiche Kürzungen "nicht rentabler" Kurse.

Studenten fühlen sich verhöhnt

"Die Studenten in das Herz des Systems" stellen, heißt es in dem Papier der Koalition aus Konservativen und Liberaldemokraten - für die Protestler und deren Sympathisanten eine Verhöhnung. "Widerstand in das Herz des Universitätssystem stellen" ist Bergfelds Motto für die kommenden Proteste, die am Mittwoch (9. November) mit einer Großdemo in London ihren vorläufigen Höhepunkt finden sollen. Ein erstes Aufbegehren in dem von Studenten angestrebten "Winter of discontent" spielte sich am 2. Oktober in Manchester ab. 30.000 Gewerkschafter und Studenten "begrüßten" lautstark die konservativen Tories zu Beginn ihrer Parteikonferenz.

"Aufstände haben Atmosphäre verschoben"

"We won't pay for their crisis" stand auf den Transparenten der Studenten, "Unite and Fight" war der Kanon ihrer Sprechchöre. "Mit der heutigen Demo zeigen wir, dass die Studenten wieder zurück im Geschehen sind", sagte damals Rick Lighten, Gewerkschaftssprecher an der Manchester Metropolitan University, der APA. Die Stimmung in Manchester wirkte jedoch zeitweise gedrückt, unüblich leise war es für "englische Verhältnisse". Das eine oder andere bengalische Feuer hier, Rufe gegen Polizisten da, einzelne Vermummte, die den Albert Square okkupierten. Die gewaltsamen Aufstände Jugendlicher in Teilen Großbritanniens im August "haben die Atmosphäre ein wenig verschoben", meinte Lighten. "Aber die waren einfach nur eine weitere Folge unserer nicht gleichwertigen Gesellschaft und einer Jugend, die die Hoffnung verliert."

Cristina, eine spanische Erasmus-Studentin, sieht einen "globalen Widerstand" gegen die Auswirkungen auf Studenten und Arbeiter durch den von Spekulanten verursachten Finanz-Crash 2008 - aber auch Unterschiede zwischen Demos in ihrem Heimat- und Gastland, wie sie der APA beim Gewerkschaftsmarsch erzählte. "Die Sprache hier ist sehr aggressiv, die Großdemo in Barcelona war wie eine Familienfeier", und weiter: "Die Art, wie Leute in Spanien auf das Ganze reagieren, ist viel passiver, obwohl ihre Situation drastischer ist."

Bilder der Gewalt

Bis heute sind von Gewalt getragene Bilder der berüchtigten Londoner Demo in den Köpfen der Briten: Von dem vom Dach der Tories-Parteizentrale Millbank auf die Straße geworfenen Feuerlöscher durch einen 23-Jährigen bis zur riesigen Mengen an Aktivisten, die von der Polizei stundenlang in der Kälte eingekesselt wurde. Während sich die britische Bevölkerung aufgrund solcher Bilder teilweise von den Protesten distanziert, halten die Studenten mehr zusammen denn je - und erhalten Unterstützung von ihren Professoren, die durch die Kürzungen auch ihre eigenen Jobs in Gefahr sehen. 

77 Prozent der Vorlesungen gestrichen

Besonders deutlich bekommt die Kürzungen die London Metropolitan University (Met) zu spüren: 77 Prozent der Vorlesungen wurden gestrichen, 160 von 577 Kursen sind übrig, besonders die Geisteswissenschaften sind - so der allgemeine Trend an den britischen Universitäten - betroffen. "Die meisten Kurse gehen fortan Richtung Berufsausbildung", kritisiert Claire Locke, Präsident der Met-Studentenvertretung am Rande der Willkommensmesse für Erstsemestrige, gegenüber der APA. "Statt Theater und Philosophie wird hier - wie überall sonst - dann nur noch Wirtschaft unterrichtet."

Dabei verbuchten die geisteswissenschaftlichen Fächer laut Umfragen die höchste Studentenzufriedenheit, so Locke. "Es ist absurd und spricht gegen das Konzept von höherer Bildung, genau diese Kurse zu streichen." Etwa 1.500 Studenten seien betroffen - viele von ihnen können aufgrund gestrichener Module ihr Wunschstudium nicht beenden. Spricht man mit den Entscheidungsträgern, klingt das wahrlich anders. Vizerektor Malcolm Gillies nennt die Kürzungen gegenüber der APA eine "Neubelebung des Kurs-Portfolios", eine Notwendigkeit "in Zeiten der Rezession". Man müsse sich eben neu orientieren.

Als Universität mit dem höchsten Anteil an Studenten aus der Arbeiterklasse in England sowie der höchsten ethnischen Diversität steht die Met als Symbol für all das, was derzeit schief läuft. "Wir sind eine stolze Arbeiterklasse-Universität", sagt Mark Campbell von der Organisation "Save London Met". "Die Regierung sagt uns damit: Die Geisteswissenschaften sind nichts für euch." Die Lücke soll etwa der Philosoph A.C. Grayling mit seinem New College of Humanities füllen - mit 18.000 Pfund Studiengebühren jährlich und damit doppelt so viel wie an staatlichen Unis in England.

Schulden durch Studiengebühren

Genau dieser finanzielle Aspekt ist es, der Studenten die größten Sorgen bereitet, wie eine Studie von "Eurodoc" kürzlich zeigte. Sorgen, die ab kommendem Jahr vor allem in England größer werden dürften: Während Unis in Schottland, Nordirland und Wales nur für Studenten von außerhalb des Landes Studiengebühren von bis zu 9.000 Pfund verlangen, wird die Erhöhung für alle englischen Studenten im eigenen Land wirksam. Die Gebühren müssen entweder vorab bezahlt oder bei Krediten ab einem Gehalt von 21.000 Pfund zurückgezahlt werden - laut Wissenschaftsmagazin "Science" führt ein Studium inklusive Lebenserhaltungskosten dadurch zu durchschnittlich 43.000 Pfund Schulden.

Zweiklassensystem an der Universität

Der britische Soziologe John Holmwood befürchtet mit dem Inkrafttreten des "Higher Education White Paper" eine noch dramatischere Entwicklung in diese Richtung und ein zunehmendes Zweiklassensystem im staatlichen Universitätssektor. Während in Österreich über die Wiedereinführung von Studiengebühren diskutiert wird, soll in Großbritannien künftig ein Teil des staatlichen Uni-Budgets durch Studiengebühren ersetzt werden - "der Student als Konsument", so der Ansatz. Während einzelne Institute durch Investitionen von Unternehmen privatisiert werden, sterben andere aus, meint Holmwood zur APA.

Der Soziologe ist Gründer der "Campaign for the Public University" und Co-Autor des von zahlreichen Professoren und Wissenschaftern unterzeichneten, alternativen "White Paper", das der Regierung einen anderen Weg aufzeigen soll. "Die Regierung will es ermöglichen, Profit aus dem tertiären Sektor schlagen zu können", kritisiert Holmwood die "Privatisierung" des öffentlichen Bildungssektors. "Dann wird es weniger Auswahl, Vielfalt und Effizienz geben." Das Prinzip von höherer, staatlicher Bildung werde zerstört, "Bildung ist dann für Märkte und private Unternehmen, nicht für die Gesellschaft".

"Spirit" für den 9. November

Bildung als Recht, nicht als Privileg wollen Protestbewegungen nun erneut auf den Straßen einfordern. Wenige Tage nach dem Marsch in Manchester lud das Education Activist Network in einen kleinen, unterirdisch gelegenen Raum im riesigen Komplex der London School of Economics - zum ersten von vielen "Mobilisierungstreffen". "Wir werden danach beurteilt werden, wie viele Leute am 9. November auftauchen", sagte Bergfeld vor knapp 70 Zuhörern. Dass die Gewerkschafter in Manchester die Parolen der Studenten übernahmen, ist für ihn "der Spirit, den wir brauchen".

Mit der Großdemo ist es deshalb nicht getan. Am 30. November schließen sich Studenten Gewerkschaftern an, wenn "ganz Großbritannien stillsteht", - laut Unison, der größten britischen Gewerkschaft öffentlich Bediensteter, werden Streiks von drei bis vier Millionen Arbeitern erwartet. Sie lassen im Protest gegen Pensionskürzungen, niedrige Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen ihre Arbeit ruhen. Werden die Erwartungen erfüllt, wird es die größte Streikmobilisierung in Großbritannien seit 1926. (Angelika Prawda, APA, 7.11.2011)

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Poldi Fesch
01
15.11.2011, 17:01
wir fassen

zusammen, zukuenftige akademische Szialfaelle beklagen sich, nicht schon jetzt Sozialhilfe zu beziehen. Na, ja

Lectrice
01
15.11.2011, 17:22

Ich fasse zusammen:

hätte es dies schon in den 70er+80ern gegeben, hätte ich keine so gute Ausbildung machen können, meinem Kind auch keine so gute bieten und könnte auch nicht das System so gut füttern.

So schaut's aus, werter Poldi-bürgerlich

Poldi Fesch
01
15.11.2011, 17:29
eine

Theaterwissenschterin haett ich nicht vermutet

Lectrice
01
16.11.2011, 15:19
Ich nehme mal an, dass auch Sie eine gewisse humanistische Ausbildung genossen haben oder sind's ohne Literatur-,Philosophie- usw.Unterricht durchs Schulleben gesaust?

Nur mit furztrockenen Technokratennerds kommt die Welt auf Dauer auch nicht weiter. Das wäre genauso, als würde man seinen Körper zwar füttern u. pflegen, aber den Geist völlig vernachlässigen und verkommen lassen.

Also bitte nicht immer auf die schönen Dinge des Lebens hinhauen. Und Platz ist für beides. Es gibt nichts schlimmeres als so sauertöpfisch ernst Rechthaber, die den schönen Künsten usw. des Lebens nicht aufgeschlossen sind.

Im Raucher- und Radlfahrerforum können Sie sich ja ein schönes Bild davon machen wie's ausschauen würde, wenn es nur die humor- und teilbildungslosen Technokraten regieren gäbe.

Poldi Fesch
00
16.11.2011, 16:30
ja, natuerlich

habe ich, ich haette mich auch lieber die Etruskische Schrift u. Sprache entschluesselt, dafuer braucht man aber reiche Eltern
Italien hat ja dieses Problem, eine enorme Jungakademikerabrbeitslosigkeit, aber 2/3 studieren froehlich irgendetwas "Geisteswissenschaftliches".

Lectrice
11
16.11.2011, 16:44
Lieber gute gebildet in einem mittelmässigen Job als randalierend auf der Strasse.

Genau diese Schieflage in Menschen nur das wirtschaftliche Potential zu sehen, ist gerade dabei unsere Gesellschaft zu zerfetzen. Künste, die Geist u. Seele nähren mildern auch Eigenschaften wie Gier u. ähnliches, die sonst als Ersatznahrung herhalten muss.

Kann sowohl das Individuum als auch die Gesellschaft keine Balance zwischen Körper u. Geist finden, dann kippt das irgendwann. Nur werden heute diverse pathologische Ausformungen als "nötig für den Erfolg" gesehen. Kurzfristig kann man mit Raubbau was ausgleichen. Als Dauereinstellung führt er allerdings zu nichts.

Ich nehme an, dass sie die Überlegungen, denen die Menschheit ja schon seit langem nachgeht auch als humanistische Bildung mitbekommen haben.

Poldi Fesch
00
16.11.2011, 16:55
die haben aber

gar keine Jobs, das ist ja das Problem. Wobei hier sicher 2mal Ignoranz zusammenkommen. Zum einem nimmt dich H&M o. IKEA nicht als Verkaeufer, wenns promovierte Philosoph bist, zum anderen sagen die aber auch oft "ja, wer binn ich denn"

Lectrice
00
16.11.2011, 19:59

Das fragt sich so manch Manager in Konzernen auch zeitenweise. Nicht alle sind der Yuppie-Religion in den 80ern verfallen.

Poldi Fesch
00
16.11.2011, 20:11
aber die sind

nicht hackenstaad

Lectrice
00
16.11.2011, 20:19

Aber auch nur ein Radl im System und manche würden gerne einiges "menschlicher" machen.

Der Mensch ist schon ein interessantes Tier und schafft es immer wieder sich in extrem sinnlose Situationen zu bringen, weil manche glauben Egozentrik hilft weiter - wie gesagt, Egozentrik ist das Negativsystem ohne Rücksicht auf die Umgebung.

Poldi Fesch
00
17.11.2011, 00:07
ja, wuerden

bis sie ploetzlich Verantwortung haben. Das Problem dieser "menschlichen", sie rechnen meist ihre eigene Ethik hoch

Lectrice
01
16.11.2011, 10:53

Auch wenn sie falsch liegen lebt die Welt nicht nur von Brot alleine.

Poldi Fesch
11
16.11.2011, 11:55
dies ist

unbstritten, aber erst einmal musz das Brot her. Die Butter ist dann "Luxus"

baroli
01
15.11.2011, 18:17

Was peckens denn dauernd auf den Geisteswissenschaften herum?
Nur weil Sie was nicht interessiert, ist es nicht unnütz.

Eine Welt voller Juristen, Wirtschaftsgurus und Technikern wäre mir jedenfalls ein Gräuel.

VoK
00
16.11.2011, 07:29

Ach deswegen peckens dauernd auf mir rum...

baroli
02
16.11.2011, 12:57

Ich denke nicht, daß Sie eines von den Dreien sind, höchstens Rechtspfleger beim Heiteren Bezirksgericht.

VoK
00
16.11.2011, 15:57

Da Sie mich immer behandeln als wäre ich Ihnen ein Gräuel würde es doch prima passen!

baroli
00
16.11.2011, 18:46

...was heißt wäre...

VoK
00
17.11.2011, 07:21

Übrigens haben Sie mit Ihrer Auswahl voll ins Schwarze getroffen - bestätigt Sie das jetzt?

baroli
00
17.11.2011, 12:29

Das wußte ich immer schon, das sind die ärgsten Wichtigmacher von allen, die halbgebildeten Möchtegernjuristen.

VoK
00
17.11.2011, 14:34

Bei einer 3er Chance dürfens aber nicht 3x raten!

baroli
00
15.11.2011, 15:43

Na endlich, Zeit wirds.
Mit denen werden sie es nicht so leicht haben, wie mit den Kindern von ein paar Monaten.

Fritz Meyer
01
8.11.2011, 10:14
Die britische Regierung rüstet schon auf.

Überwachung von der Wiege bis zur Bahre:

http://www.heise.de/tp/artike... 807/1.html

Inkl. sozialer Diskriminierung und Stigmatisierung.

Und die Stossrichtung ist auch mehr als offensichtlich:

http://www.heise.de/tp/artike... 811/1.html

Wer wird dieses Land eines Tages von seinem Faschismus befreien? V For Vendetta?

petrarca
03
7.11.2011, 22:19
Und das System wollen die Schwarzen bei uns einführen.

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