Streit um "Schwarzbau" auf Salzburger Residenzplatz beendet

7. November 2011, 14:05
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Baustadträtin und Landeskonservator wollen Projekt gemeinsam vorantreiben - Verzicht auf rechtliche Schritte

Salzburg - Das "Kriegsbeil" zwischen der Salzburger Baustadträtin Claudia Schmidt und Landeskonservator Ronald Gobiet ist begraben. Die beiden einigten sich am Montag bei einem Vieraugengespräch auf eine einheitliche Vorgangsweise im seit Wochen schwelenden Streit um die Austestung von Steinen für die zukünftige Pflasterung des Residenzplatzes.

Direkt neben der Probefläche aus Betonpflastersteinen, die im September den Zorn des Landeskonservators erregt hatte, weil sie "nicht genehmigt" war, wird im Frühjahr eine Probefläche mit Natursteinen aufgetragen. "Rechtliche Schritte wird es nicht geben", sagte Gobiet im APA-Gespräch.

Schmidt und Gobiet fanden sich nach der Beilegung des Streits zu einem Lokalaugenschein auf den Residenzplatz ein. "Wir haben sehr konstruktiv die Vergangenheit aufgearbeitet", nahm die Baustadträtin Bezug auf die eiszeitliche Stimmung der vergangenen Wochen. Und auch Gobiet reichte die Hand: "Wichtig ist, dass wir den unwürdigen Zustand, in dem sich der Residenzplatz und auch die anliegenden Plätze befinden, so schnell wie möglich ändern."

"Nicht angemessen für Weltkulturerbe"

Die Probefläche mit Betonpflastersteinen war dem Landeskonservator im Spätsommer ein Dorn im Auge, weil seiner Ansicht nach eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung erforderlich gewesen wäre, noch dazu bei Aushubarbeiten an dem archäologischen Kulturerbe aus der Römerzeit im Unterboden ein "irreversibler Schaden" entstanden sei und Schmidts Betonpflastersteine nur ein Granitimitationsmaterial seien, "das nicht angemessen ist für ein Weltkulturerbe".

Gobiet setzte der Stadträtin am 15. September eine drei Wochen lange Frist zur Herstellung des "vorherigen Zustandes". Schmidt hielt ihre Vorgangsweise für rechtens und ließ die 60 Quadratmeter große Probefläche nicht entfernen. Gobiet sah sich damals gezwungen, wie er betonte, die Rechtsabteilung des Bundesdenkmalamtes mit einem Wiederherstellungsantrag zu betrauen. "Es gibt ein Schreiben unserer Rechtsabteilung, dass der Zustand wiederhergestellt werden soll, aber keine Terminisierung", sagte Gobiet heute. "Auch hier gibt es eine einheitliche Vorgangsweise." Das heiße, die Probefläche dürfe über den Winter bleiben.

Im Frühjahr 2012 kommt auf Gobiets Vorschlag und unter Einbeziehung eines Archäologen des Bundesdenkmalamtes eine zweite Probefläche aus Granitsteinen dazu - "in einer Farbgebung, die den Bachsteinen um den Residenzbrunnen nahe kommt", wie er erklärte. Nach der Testphase werde man sich im nächsten Jahr wieder zusammensetzen und die weiteren Schritte besprechen, auch mit der Altstadtkommission, erläuterte Schmidt. Angedacht ist, den Asphalt und die Gehsteige auf dem Residenzplatz zu entfernen und das Pflaster bis an den Rand der Bürgerhäuser zu verlegen.

Für eine neue Pflasterung ist in den nächsten zwei Jahren aber kein Budget vorhanden. Danach könne man darüber reden, das Projekt in Etappen zu realisieren, sagte die Baustadträtin. Geplant ist, vorerst jene rund 4.000 Quadratmeter des 10.630 Quadratmeter großen Altstadtplatzes neu zu pflastern, auf dem sich die Verkehrsfläche befindet. Der Schotterbereich bis zum Residenzbrunnen soll vorerst erhalten bleiben.

Die Betonsteinvariante ist mit 40 Euro pro Quadratmeter wesentlich günstiger als der Granitstein, der rund 150 Euro kostet. In die Kosten noch nicht einbezogen sind die Einbringung des Frostkoffers und die Verlegung der Steine. Die Bauwerkskosten für die Auslegung von Granitplatten im Fahrbahnbereich des Residenzplatzes betragen laut Schmidt 2,3 Millionen Euro brutto, was um rund 500.000 Euro teurer sei als die Variante mit Betonpflastersteinen (1,8 Mio. Euro). (APA)

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