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Aus zwei triftigen Gründen dürfte ein Einlenken der offiziellen Kirchenführung auf die Ansinnen der Pfarrerinitiative unmöglich sein. Erstens, weil Rom in den anstehenden Konflikten nicht nachgeben kann und zweitens, weil auch in Österreich genügend Rom treue Kleriker das Sagen haben.
Für die Pfarrerinitiative andererseits geht es offenbar um Substantielles, zuallererst wohl um Ehrlichkeit den Menschen und dem Gewissen gegenüber, also um ein Ende der auf mehreren Ebenen stattfindenden Heucheleien: offizielle Gebote bezüglich Zölibat oder Kommunion-Spendung - inoffiziell aber "systematisches" Tolerieren von ähnlich "systematischen" Verstößen; offiziell ständig Vertröstungen und Abwiegeleien bezüglich der Anliegen des Kirchenvolksbegehrens - realistischerweise aber keinerlei Aussicht auf Veränderungen innerhalb der katholischen Amtskirche.
Ende des Blockierens möglich?
Wenn sich Schüller und Mitstreiter nun aber (auf welchem Weg auch immer) mit einer offiziellen Abspaltung von ihrer "Mutterkirche" anfreunden könnten oder müssten - wohin könnte das führen?
Es hätte das Potential, in überraschend viele bisher blockierte Bereiche unserer Gesellschaft Bewegung zu bringen.
Vor dem Spekulieren darüber jedoch noch einige grundsätzliche Überlegungen. Bei umwälzenden Entwicklungen ist es sicher gut, auf die Tragfähigkeit der Fundamente zu achten. Insbesondere betrifft das hier
a) den Zugang zu Erkenntnis überhaupt und
b) die soziale Verträglichkeit.
Ad a) Katholische (Rom treue) Theologie fußt auf dogmatisierten Erkenntnisgrundsätzen, mit denen reformorientierte, denkende Christen kaum einverstanden sein können: Genereller Vorrang des Glaubens vor der Vernunft, Glaube als Quelle und Garant größter Gewissheit. Speziell in vatikanischer Hand erweisen sich diese Grundsätze immer wieder als ein Instrument um beliebige Vorurteile aufrecht zu erhalten und missliebige Kritik oder gar Änderungswünsche abzublocken. Sie sind konträr sowohl zu heutiger Wissenschaftsauffassung wie auch zu schlichtem Hausverstand und sind als geistige Basis noch am ehesten für fundamentalistische Selbstmordattentäter tragfähig (Insofern ist der heuchlerische Umgang der Kirche mit den eigenen Dogmen gar nicht verwunderlich.)
Gerade Forderungen wie Zölibatsaufhebung, Frauenpriestertum oder liberalere Kommunionspendung sind dagegen ja Ergebnisse vernunft- und realitätsbezogenen Nachdenkens und nicht konservativer Gläubigkeit und Kadavergehorsams.
Ad b) Es ist signifikant, mit welcher Überheblichkeit der Vatikan sozusagen dem Rest der Welt seine Sexualmoral aufprägen will. Oder wie etwa den Evangelischen abgesprochen wird, Kirche zu sein. Und aus eigener Betroffenheit: Die Antwort des Pressesprechers Kardinal Schönborns auf meinen "Offenen Brief" vom 30.9. ist wie erwartet ausgefallen und durch zahlreiche Postings kommentiert. Auch hier ist die starre kirchliche Haltung Ursache für viel Unmut, was dann z.B. mit der Bezeichnung "Krawall-Atheismus" zusätzlich herab gewürdigt wird. All das beeinträchtigt den sozialen Frieden.
Zeitgemäßere Positionierungen
Ich habe nun die Frage dieses "Offenen Briefes" persönlich auch an die Pfarrerinitiative gestellt und noch keine Antwort erhalten. Aus einem früheren langen Gespräch mit Helmut Schüller weiß ich aber, dass er hierzu eine völlig andere, nämlich "Ungläubigen" gegenüber nicht nur tolerantere sondern sogar respektvolle Sicht hat. Auch in den Fragen der Ökumene oder der Sexualmoral kann man bei ihm von einer wesentlich liberaleren Haltung ausgehen.
Solche zeitgemäßeren Positionierungen der Pfarrerinitiative machen sie also zu einer sowohl philosophisch wie auch dem sozialen Frieden zuträglicheren Institution als die Amtskirche. Nicht nur ihre populären praktischen Forderungen (die bei Abspaltung wohl umgehend legalisiert würden) macht sie einem Großteil der Bevölkerung sympathisch, sondern eben auch eine realistischere Grundhaltung zum vernünftigen Denken, was gerade aus aufklärerischer Sicht als wichtiger Fortschritt erscheint. Viele Kirchenmitarbeiter (bis hin zu ReligionslehrerInnen) würden sich erfreut dieser Gruppe zugehörig fühlen. Und über kurz oder lang würde sich dann auch politisch eine Mehrheit finden, die als kompetenten Ansprechpartner für den Staat statt der Amtskirche die aus der Pfarrerinitiative hervorgegangene Glaubensgemeinschaft sieht. Logischerweise wäre das Konkordat mit dem Vatikan sodann aufzukündigen und die Kultusagenden im Unterrichts-Ministerium neu zu ordnen. Möglicherweise würde es in der Folge Blockaden im Bildungsbereich sogar abseits religiöser Thematik zu lockern imstande sein.
Offenes Nebeneinander ermöglichen
Ein gleichberechtigtes (gewichtet durch die Mitgliederzahl) Nebeneinander verschiedener religiöser und weltanschaulich engagierter nichtreligiöser Gruppen wäre erreichbar. Die Romt reue Kirche wäre entsprechend ihrer verbliebenen Anhängerschaft weiter präsent und würde sich wohl mehr auf Klöster und Ordenshochschulen konzentrieren, während sich katholische Fakultäten auf den Universitäten voraussichtlich eher der Reformbewegung anschließen würden.
Es könnte also eine Abtrennung nicht nur befreiend für die Pfarrerinitiative und ihre Anhänger innerhalb der Kirche(n) sein, sondern auch für die große Gruppe der Konfessionslosen (in allen religiösen und nichtreligiösen Schattierungen).
Ist die Wahrheit ist "eine Tochter der Zeit?"
Grundsätzlich nicht einverstanden mit dieser Entwicklung wären nur die eingefleischten Anhänger der romtreuen Kirche, die einem Vorrang des Glaubens vor der Vernunft und einer aus dem Glauben geschöpften Gewissheit tatsächlich etwas abgewinnen können und sich auch nicht mit einem Satz wie "die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit" (Andreas Khol) trösten könnten. Das können aber nicht besonders viele, jedenfalls nur nicht besonders gern denkende Menschen sein - wenn man von jenen absieht, die dieses System aus Repressionsgründen aufrechterhalten wollen (was aber dann auch nur mehr gedämpfte Erfolgsaussichten hätte).
Kirchen- und Religionskritiker hätten dann also ein adäquates Mitspracherecht, das sie weniger zu Protest und Ablehnung sondern mehr zu Dialog und Mitgestaltung motivieren könnte.
Vorbildwirkung über Österreich hinaus
Eine Ausstrahlung solcher Synergieeffekte über den engeren religiös-weltanschaulichen Bereich hinaus auf die Parteienlandschaft wäre zu erwarten. Bisher fürs Blockieren aufgewendete Energien würden für Nützlicheres verfügbar. Weil gerade die Jungen skeptisch gegenüber den althergebrachten und starr institutionalisierten Religionen sind, wäre folglich sogar ein Abnehmen der Politik(er)verdrossenheit und ein Vertrauensgewinn gut möglich. Eine Vorbildwirkung über Österreichs Grenzen hinaus ebenso.
Und teurer als das bisherige System würde es für den Staat bei entsprechender Gestaltung auf Dauer ganz sicher nicht. (Leser-Kommentar, Hermann Geyer, derStandard.at, 8.11.2011)
Autor
Dipl.-Ing. Dr. Hermann Geyer, Jahrgang 1951, ist Systemanalytiker.
mag sehr konservative Ansichten haben, aber bei seiner Afrika-Reise ging es eigentlich um andere Themen als die leidige Kondom-Frage! Selbstverständlich akzeptiert auch der Vatikan die Verwendung von Kondomen, wenn es um den Schutz vor Ansteckung mit HIV geht. Es ist jedoch tatsächlich ein ethisches Problem, wenn Menschen ihre Partner nicht über die eigene Infektion informieren und durch ungeschützten Geschlechtsverkehr anstecken. Deshalb ist es völlig korrekt, wenn der Papst betont, dass Enthaltsamkeit und Treue den wirksamsten Schutz vor AIDS bedeuten.
Schade, dass hier nicht erwähnt wird wie sich der Papst für Gerechtigkeit, Freiheit, Menschenwürde und gegen die Ausbeutung Afrikas durch die Gier scheinheiliger Industriestaaten einsetzt!
Herr Dr. Geyer, bitte, tun Sie mir einen riesigen Gefallen: machen Sie mitsamt dem Herrn Schüller, "Wir sind Kirche" et. al. einen eigenen Verein auf und lassen Sie uns Katholiken bitte in Frieden.
Ihre Auslassungen machen es überdeutlich, dass Sie sich von unserem Glauben dermassen weit entfernt haben, dass Hopfen und Malz verloren sind. Da hilft auch kein Dialog mehr.
Wieso bitte, wenn Sie mit dem Katholizismus NICHTS, aber auch GAR NICHTS mehr am Hut haben, gehen Sie uns noch auf die Nerven und nehmen nicht einfach den Hut und gehen?
Lust am Opponieren? Abarbeiten des anti-autoritären Reflexes an der letzten Autorität, die noch nicht zerstört ist?
Bitte: einfach gehen und uns in Ruhe lassen, ja?
Sie schreiben hier "lassen Sie uns Katholiken bitte in Frieden" und verwenden den Namen eines Menschen, der von katholiken zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt wurde?!? Vielleicht sollte ich mich von nun an Christoph Schönborn nennen? Machen Sie ruhig was Sie wollen, aber erwarten Sie dann bitte nicht, dass man _ihre_ katholische Kirche nicht kritisiert.
Das ist jetzt nochmal wer? Sprechen Sie für mich auch, oder darf ich diese Zeitung nicht mehr lesen?
Nicht falsch verstehen, auch ich würde euch Katholiken gerne in Ruhe lassen, wenn ihr nur nicht so verdammt lebensfeindlich und wissensverhindernd wärt. Aber das habt ihr nicht drauf, wie auch, wenn ein Überwesen Regeln vorgibt, die nicht hinterfragt werden dürfen. Ihr habt das einfach nicht gelernt...
streitet nicht in der katholischen Kirche
als Kaiser Augustus die Menschen in Steuerlisten eintragen ließ - es war das erste mal -, machte Sich Josef mit seiner Verlobten Maria auf, um Sich in Bethlehem der Stadt seines Vaters David eintragen zu lassen;
es waren aber viele Juden in Bethlehem zu der Zeit und das Paar fand keinen anderen Ort um zu nächtgen als einen Stall
was sagt diese Geschichte ?
Gott führte Josef und Maria mit diesem Wunsch als Unterworfene unter dem Kaiser noch etwas besonderes zu sein zur Wahrheit
die Unterworfenen sind Tieren gleich im Stall
so habt keine Angst auszutreten
diese Familie war vielen Menschen gleich die Tieren gleich gemacht werden, macht selbst aber nicht Tieren gleich (Erlösung)
Eines der eigenartigen Vorurteile, das ich wohl nie verstehen werde. Was, bitte, ist am Katholizismus lebensfeindlich?
Ich meine die Frage ernst, ich verstehe es wirklich nicht! Sie meinen vermutlich nicht die Tatsache, dass wir gegen Abtreibung und Euthanasie sind, oder? Oder, dass wir Leben so sehr lieben, dass wir darauf hoffen, es möge ein ewiges Leben geben? Oder dass gerade konservative christliche Familien tendenziell deutlich kinderreicher sind als der Schnitt?
Woher kommt dieses hartnäckige und so grundfalsche Klischee der "Lebensfeindlichkeit"?
Ebenso, dass nicht hinterfragt werden darf? Woher haben Sie denn das?
Vielleicht sollten Sie "lebensfeindlich" im Kontext von "wissensverhindernd" lesen, ergo gemeint war wahrscheinlich, dass die katholiken sich zB die Erbsünde aufladen, Sexualität verteufeln und ihren Glauben an Einhörner und einen ach so guten Gott (der aber gerne hinundiweieder das eine oder andere Volk schlachtet und seinen anhängern erlaubt ihre besiegten feinde zu misbrauchen) missionieren und ihren Kindern aufzwingen (wer nicht will muss ja nicht, wird aber dann halt verstoßen). Ist vielleicht ein bissl überspitzt formuliert, aber es ging definitiv nicht um die Ehaltung von Zellhaufen.
- genauso wie die Vorstellung "die Kirche ist für AIDS in Afrika verantwortlich", obwohl (um nur eine Tatsache anzuführen) nur 1/6 der Afrikaner katholisch ist.
Allerdings verständlich angesichts der massiven antikirchlichen Propaganda.
Hätten Sie sich eines unter dialogfähigen Menschen üblichen Tons bedient, hätte ich Ihnen gerne erläutert, wie genau ich zu diesem Nick gekommen bin.
Unter den gegeben Umständen werde ich aber darauf verzichten und wünsche Ihnen noch viel Freude und Zufriedenheit dabei, Menschen, die eine andere Lebensauffassung als Sie haben, zu beschimpfen.
In der Tat.
Vgl. etwa DH 3001-3020
oder:
http://www.peter-knauer.de/02.html
Signor,
auch wenn manche (wie es die irrwitzige www.atheistische-religionsgesellschaft.at oder das erschütternde Volksbegehren gegen www.kirchenprivilegien.at vielleicht nicht gerade unbedingt mit allen ihren Kräften verhindern wollen) noch so subtil versuchen, die authentische Lehre der Heiligen Katholischen Kirche verfälscht darzustellen: wir alle sind eingeladen (und als Katholiken auch kirchenrechtlich verpflichtet!), uns im Rahmen unserer Möglichkeiten darum zu bemühen, den Glauben der Heiligen Katholischen Kirche immer besser zu verstehen!
Lesen Sie selbst (KKK Nr. 159): http://www.vatican.va/archive/c... us%20fidei (leider ist die autorisierte deutsche Übersetzung derzeit nicht online!)
Bruder in Christo! Ist es nicht die urchristlistche Pflicht der Hl. Kath. Kirche und ein Gebot der Menschenliebe ihren pecuniären Beitrag in schweren Zeiten wie diesen entsprechend dem Markus Evangelium 12,17 zu leisten?
Wichtig ist m.M.n (aus dem Englisch frei übersetzt):
"155 Im Glauben, *kooperieren* die menschliche _Vernunft_ und der menschliche Wille mit der göttlichen Gnade"
(s. http://www.vatican.va/archive/E... /__PX.HTM)
Mir gings aber in erster Linie um den inflationären Umgang der "Kritiker" mit dem Dogma-Begriff um den falschen Eindruck zu vermitteln, dass die r.k. Kirche "dogmatisch" sei
Die wenigen Dogmen, die es gibt (Dreifaltigkeit, usw.), sind außerdem von eher abstrakter Natur und schränken niemanden in seinen Alltag ein.
... sehe ich, dass es ihn seit 45 Jahren nicht mehr gibt.
Mich beschleicht oft das Gefühl, dass die Kritiker der katholischen Kirche diese so sehen möchten, wie sie bis zum 2. Vatikanischen Konzil größtenteils (es gab auch damals schon genug Kritiker - schlagen Sie mal Karl Rahner nach, als Kurzeinstieg) auch tatsächlich war.
Aber so gewaltige Umwälzungen in der ältesten und größten Institution dieses Globus, wie es das 2. Vatikanische Konzil nun mal ist, einfach zu ignorieren, zeugt von keinem sehr wissenschaftlich-kritischen Herangehen an die Themati.
Sondern vielmehr von billiger Polemik und (wissentlicher?) Falschinformation, wie es das gesamte Anti-Privilegien-Volksbegehren im übrigen auch durchzieht.
http://www.vatican.va/archive/E... 5/__PX.HTM
?
Da ist keine Rede von *Dogmen*, oder?
Wissen Sie? Das ist das schöne - wenn man unvoreingenommen herangeht, sieht man dass Glaube und Vernuft ganz schön zu einander passen.
Ansonsten lesen Sie bitte meine Antwort an "la chiesa pontifica amen".
A. Die Forderungen haben wenig mit nachdenken, sondern mehr mit anbiedern zu tun
B. Natürlich hoffen die Kirchengegner auf eine schwache Kirche
Anspruch der Kirche muss aber sein sich nicht dem Zeitgeist anzudienen, sondern diesen zu formen.
C. Freut Euch nicht zu früh, die Kirche hat schon andere Zeiten und Gegner überstanden
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