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"The Butterfly and me have been through some ups and downs and there have been lots of emotions, many of them bad. But I have forgiven him. I had to. You cannot hold out for ever. There were bruises in my heart because of the words he used. I spent years dreaming about him and wanting to hurt him. But you have got to throw that stick out of the window. Do not forget that we needed each other, to produce some of the greatest fights of all time."
Joe Frazier
"I always bring out the best in men I fight, but Joe Frazier, I'll tell the world right now, brings out the best in me. I'm gonna tell ya, that's one helluva man, and God bless him."
Muhammad Ali nach dem "Thrilla in Manila"
Sieg gegen Muhammad Ali 1971 in New York.
Niederlage gegen George Foreman 1972 in Kingston.
Niederlage gegen Muhammad Ali 1975 in Manila.
vergrößern 645x633Eine Linke für Muhammad Ali.
vergrößern 645x441Ein Blick für George Foreman (rechts).
vergrößern 645x427Boxers Idylle.
Muhammad Ali, dem Pathos bekanntlich nie sonderlich abhold, beschrieb seinen dritten und letzten Kampf gegen Joe Frazier als eine Art Nahtod-Erfahrung. "Knapper am Sterben, als alles das ich kenne." Frazier dagegen meinte: "Wir haben einfach unseren Job gemacht."
Bescheiden und geradlinig, so war der am 12. Jänner 1944 in Laurel Bay im US-Bundesstaat South Carolina geborene Joseph William Frazier. Als Mensch wie als Boxer.
Das jüngste von elf Kindern wuchs in den einfachsten Verhältnissen einer kleinen Farm auf, Vater Rubin besserte das Familien-Einkommen durch illegales Schnapsbrennen ein bisschen auf. Mit 15 ging Joe nach New York, wo sein älterer Bruder Tommy lebte. Er fand keine Arbeit und musste sich als Autoknacker durchschlagen, seine Beute schlug er billigst an einen Schrottplatzbesitzer los.
Die Abhängigkeit von seinem Bruder wurde Joe unerträglich und so verließ er die Stadt, um in Philadelphia einen Neuanfang zu versuchen. Es war im dortigen Schlachthof, wo sich die später von Sylvester Stallone für "Rocky" geborgte Szene abgespielt hat: Frazier hämmert im Kühlhaus auf Rinderhälften ein.
Smokin' Joe
Der Trainer Yancey "Yank" Durham nahm sich des Anfang der 1960er Jahre in einer Amateurliga boxenden Teenagers an, schulte seine Technik und formte ihn so zum Champion. Der linke Haken war der Dampfwalze schwerste Waffe, 73 Prozent seiner Kämpfe gewann er durch Knockout. "Wenn du ihn getroffen hast, hat er das gemocht. Schlugst du ihn zu Boden, hast du ihn bloß böse gemacht", sagte George Foreman über den Mann, den er zwei Mal besiegen konnte.
Taktik war Fraziers Sache nicht, er kannte im Ring nur eine Richtung: nach vorne. Frazier tanzte nicht. Er marschierte. Den Kopf zwischen den Schultern. In den Gegner hinein. Unaufhörlich. Vom Anfang bis zum Ende, auch wenn er manchmal ein paar Runden brauchte, um so richtig auf Betriebstemperatur zu kommen. Frazier war Smokin' Joe, Volldampf-Joe. Und die Leute liebten ihn dafür.
1964 wurde der mit einer Größe von 1,82 Metern ziemlich kompakt dimensionierte Newcomer in Tokio Olympiasieger im Schwergewicht. Das Finale der US-Trials hatte er zwar gegen Buster Mathis verloren, doch der verletzte sich beim Sparring an der Hand und Frazier sprang ein. Trotz eines gebrochenen Daumens an seiner linken Hand bezwang er ihm Finale einen gewissen Hans Huber aus Deutschland nach Punkten. Er war 19 Jahre alt und seine Zeit als Amateur ging zu Ende.
Auch bei den Profis erwies sich Frazier als kaum zu stoppen. In nur einem Jahr schraubte er seinen Kampfrekord auf 11:0, jeder Sieg war ein Knockout. Ende der 1960er Jahre kam Unruhe in die Schwergewichts-Szene. Muhammad Ali hatte den Kriegsdienst in Vietnam verweigert und der Boxverband WBA entzog seinem regierenden Champion 1967 Lizenz und Titel. An einem Achter-Turnier, in dem ein neuer Weltmeister ermittelt werden sollte, nahm Frazier - auch aus Protest gegen das schäbige Vorgehen gegen Ali - nicht teil.
Stattdessen kürte er sich 1968 unter der Ägide der New York State Athletic Commission, einem Dachverband für Kampfsportarten im Staat New York mit der Hybris von Weltgeltung, durch ein K.o. gegen den alten Konkurrenten Mathis zu einer Art Gegen-Weltmeister. Das Nebeneinander kam zwei Jahre später zu einem, als Frazier in einem Vereinigungskampf den WBA-Champ Jimmy Ellis abfertigte.
Trilogie des Schmerzes
1970 war auch das Jahr, in dem Ali nach seiner Sperre ein Comeback begann. Es war unvermeidlich, dass die beiden Besten ihres Faches früher oder später aufeinandertreffen würden. Am 8. März 1971 war es soweit, zum ersten Mal in der Geschichte standen sich zwei ungeschlagene Schwergewichtsweltmeister gegenüber. Der "Kampf des Jahrhunderts" im Madison Square Garden sollte der Beginn einer Trilogie des Schmerzes werden, den die zwei so unterschiedlichen Charaktäre ausfochten. Für Frazier, der zwei dieser längst in den Rang der Legende erhobenen Kämpfe verlor, war es auch der Beginn einer Feindschaft, einer Bitterkeit, die ihn sein Leben lang nicht mehr losließ.
Denn Ali verhöhnte seinen Gegner, der sich ihm Gegensatz zu ihm selbst nicht in der Bürgerrechtsbewegung, dem Kampf der farbigen US-Amerikaner um Gleichberechtigung, hervorgetan hatte, als naiven Simpel. Frazier musste sich als "Onkel Tom" beschimpfen lassen. "Er nannte sich DER Größte", schrieb der gläubige Christ später in seiner Autobiografie Smokin' Joe (1996). "Nun, er war nicht 'Der Größte' und ganz sicher nicht 'DER Größte'. (...) Es wurde zu meiner Mission, ihm den Irrtum dieses törichten Stolzes klar zu machen. Es ihm hineinzuprügeln."
In den 15 beinharten Runden im Garden gelang das eindrücklich. Der konditionell überlegene Frazier brachte Ali dessen erste Niederlage bei und hatte ihn dabei sogar einmal kurz auf dem Boden. Die größten Stars des Showbusiness am Ring (Frank Sinatra trat als Pressefotograf auf, um möglichst nah ans Geschehen zu kommen) und ein Millionenpublikum vor den Fernsehgeräten der Welt waren Zeugen.
Nach zwei weiteren erfolgreichen Titelverteidigungen erlebte Frazier 1972 in Kingston/Jamaika gegen George Foreman ein Desaster. Viel zu offen ging er dem hart schlagenden Herausforderer entgegen, den er offensichtlich unterschätzt hatte. In den ersten beiden Runden musste er nicht weniger als sechsmal zu Boden. Frazier verlor den Titel und auch seine bis dahin makellose Bilanz wurde im 30. Profi-Kampf erstmals befleckt.
"It will be a Killa"
Nach einem zweiten Match mit Ali, das mit einer unspektakulären Punktniederlage endete, trafen sich die beiden am 1. Oktober 1975 ein drittes Mal. Jener "Thrilla", der eigentlich gar nicht in Manila stattfand, sondern in Quezon City, das bis 1976 die offizielle Hauptstadt der Philippinen war, sollte zum berühmtesten Kampf Fraziers werden. Er verankerte ihn endgültig im kollektiven Gedächtnis einer Generation und sicherte ihm, paradoxerweise trotz einer erneuten Niederlage, einen Platz im Pantheon des Boxsports.
Die Wahl des Schauplatzes erklärte sich aus dem Wunsch nach etwas Glamour, den der seit 1972 diktatorisch regierende philippinische Präsident Ferdinand Marcos verspürte. Unschöne Seiten seines Regimes sollten so mit Glanz überstrahlt werden. Finanzielle Mittel waren reichlich vorhanden und Promoter Don King nicht für übertriebene Berührungsängste mit potentiellen Geschäftspartnern bekannt.
Die Animositäten zwischen den Protagonisten hatten in der Zwischenzeit nicht nachgelassen. Im Gegenteil. "It will be a killa and a chilla and a thrilla, when I get the gorilla in Manila", reimte Ali und drosch dabei auf einen Gummiaffen ein. Die Gorilla-Sache tat er später als Promotion-Gag ab, Provokation und Verletzung blieben. Als der von Parkinson geschüttelte Ali 1996 in Atlanta das Olympische Feuer entzündete und dabei die Welt rührte, meinte Frazier: Am liebsten hätte ich ihn hineingeschubst.
In der schweißtreibenden Schwüle des Araneta Coliseum jedenfalls prügelten sich die beiden 14 Runden lang bis zur absoluten Erschöpfung windelweich. In der 12. Runde wankte Frazier, in der 13. segelte sein Mundschutz nach einem Schlag des Weltmeisters ins Publikum. Trotzdem stand der Kampf auf Messers Schneide, als Fraziers Coach vor der letzten Runde das Handtuch warf. Gegen den Willen seines Schützlings, dessen linkes Auge in der Zwischenzeit vollständig geschlossen war. Beide Kämpen, die der epischen Auseinandersetzung zum Trotz wohl bereits über ihren boxerischen Zenit hinaus waren, mussten im Hospital zusammengeflickt werden.
Nach dem Ring
1976 bekam Frazier die von ihm gewünschte Chance auf einen Revanchekampfe gegen Foreman. Er zeigte eine gute Leistung, erlitt aber erneut eine K.o-Niederlage. Frazier trat zurück, ein Comeback 1981 blieb Episode. Von 37 Profikämpfen hatte er 32 gewonnen, dreimal war er von der Fachzeitschrift Ring-Magazine zum Boxer des Jahres gewählt worden (1967, 1970, 1971).
Nach seiner Karriere trainierte er junge Boxer in seinem schlichten Gym in Philadelphia, das er 1973 erworben hatte und über dem er auch ein kleines Appartment bewohnte. Das Interesse am Profibetrieb ging dem Champion jedoch zunehmend verloren.
Ebenso wie sein Vermögen, das in schiefgegangenen Immobiliengeschäften verschwand. Große Summen hat der generöse Mann und elffache Vater, dem das Talent zur Selbstvermarktung nicht gegeben war, auch einfach verschenkt. Vor einigen Jahren drohte die Stadt Philadelphia wegen ausständiger Steuern mit Klage. 2002 musste Ex-Weltmeister Larry Holmes finanziell aushelfen, da Frazier nach einem Autounfall die notwendig gewordenen Operationen nicht bezahlen konnte.
Um seine Gesundheit stand es auch sonst nicht zum Besten, Anfang November wurde bekannt, dass Joe Frazier an Leberkrebs in fortgeschrittenem Stadium leidet. Daran ist er nun im Alter von 67 Jahren in einem Hospiz in Philadelphia verstorben. (Michael Robausch, 8. November 2011)
Kondolenzbuch
TV-Tipp
Der TV-Sender ORF Sport + zeigt am Dienstagabend in memoriam Joe Frazier von 20:15 bis 20:55 Uhr die Höhepunkte vom "Kampf des Jahrhunderts". Als Kommentator des legendären Duells zwischen Frazier und Ali fungiert Sigi Bergmann.
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