Karenzanrechnung

7. November 2011, 11:38
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In typischen Männerdomänen bereits durchgesetzt: Gewerkschaft der Privatangestellten will Erfolg auch in Frauenbrachen Handel, Gesundheits- und Sozialbereich erzielen

Wien - Die Anrechnung der Karenzjahre als geleistete Berufszeit ist nicht nur eine zentrale Forderung bei den diesjährigen Kollektivvertragsverhandlungen im Handel, sondern für alle noch ausständigen Verhandlungen, betonte Karl Proyer, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp). Im Handel lassen sich derzeit für die Karenzzeit maximal zehn Monate für das erste Kind geltend machen. Allerdings nur für die sechste Urlaubswoche, die Kündigungsfrist und die Entgeltfortzahlung beim Krankengeld, nicht aber für die Abfertigung, Sonderzahlungen oder Jubiläumsgelder.

Karenz - nicht nur bei Billa - Frauensache

Die größte Lücke gebe es generell bei den Vorrückungen - während der Karenzzeit fielen Eltern um wichtige Gehaltssprünge, meinte Proyer. Im Handel betrifft das praktisch hauptsächlich Frauen, weil drei Viertel der Beschäftigten Frauen sind. Bei der Lebensmittelkette Billa beispielsweise ist derzeit kein einziger Mann in Karenz, bei immerhin 17.000 MitarbeiterInnen, berichtete kürzlich Maria Gluchmann, stellvertretende Vorsitzende im Billa-Betriebsrat.

In "Männerjobs" schon durchgesetzt

Bei den Kollektivvertragsverhandlungen für die Metallindustrie oder die Stein und Keramische Industrie hat die Gewerkschaft die Anrechnung der Karenzzeiten bereits durchgesetzt. Weiters in der Mineralölwirtschaft, den Energieversorgungsunternehmen, der Elektro- und Elektronikindustrie, der chemischen Industrie, dem Banken- und Sparkassensektor, den kaufmännischen Angestellten bei Tages- und Wochenzeitungen, den Speditionen, dem Sozialversicherungsbereich und im Forschungsbereich, zählte Proyer auf. "Diese Fortschritte dürften aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Handlungsbedarf in wichtigen Branchen wie beispielsweise dem Handel oder dem Gesundheits- und Sozialbereich noch groß sind", so der Gewerkschafter.

Hoffen auf Langzeitgedächtnis der ÖAAB-Chefin

Unterstützung hat die Gewerkschaft erst vor kurzem von Innenministerin und ÖAAB-Chefin Johanna Mikl-Leitner bekommen, die sich ebenfalls für die Anrechnung der Karenzjahre als Vordienstzeiten für die Gehaltseinstufung und automatische Gehaltsvorrückungen aussprach (mehr dazu hier). "Wir finden das gut, dass Ministerinnen sich dafür einsetzen, hoffen aber, dass sie ihr Engagement nicht wieder vergessen, wenn die Verhandlungen im gesamten Gesundheitsbereich anstehen", sagte Proyer.

Am Mittwoch gehen die Kollektivvertragsverhandlungen für die Beschäftigten im Handel in die zweite Runde. (APA)

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