Studie über Populisten

Jung, männlich und anti-islamistisch

Rainer Schüller, 7. November 2011, 10:58
  • Artikelbild
    montage: derstandard.at
  • Die Studie "The New Face of Digital
    Populism" zum Download

  • Artikelbild
    vergrößern 705x681
    foto: demos

    Europameister FPÖ: Vergleich der Facebook-Unterstützer der rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen in Europa. (Ausschnitt aus der "Demos"-Studie. Anm.: Mittlerweile hat Strache über 100.000 Fans auf Facebook).

Europaweite Untersuchung beschreibt Motive von Online-Unterstützern rechter Parteien - FPÖ mit Fanrekord auf Facebook

Während die FPÖ nur rund 40.000 Parteimitglieder hat, gibt es auf Facebook bereits über 100.000 Fans des Auftritts von Parteichef Heinz-Christian Strache. Unter den rechtspopulistischen Parteien halten die Blauen mit diesen Zahlen den absoluten Europarekord. Die rechtsextreme British National Party (BNP) hat nur rund 15.000 offizielle Mitglieder und auf Facebook über 80.000 Fans. Diese beiden Beispiele zeigen, wie sich die Zugehörigkeit zu einer Partei bzw. auch die politische Debatte immer mehr in soziale Medien verlagert.

Nun hat eine Studie des britischen Think-Tanks "Demos" erstmals die Motive jener Menschen untersucht, die auf Facebook populistische Parteien und Bewegungen unterstützen. Untersucht wurden 14 Parteien und Organisationen in 11 Ländern Europas. Der Befund: Über die Online-Aktivitäten kann eine Ausbreitung eines extremen nationalistischen Gedankenguts von vor allem männlichen jungen Menschen über den ganzen Kontinent nachgewiesen werden. Sie sind extrem unzufrieden mit ihren Regierungen und der EU, ihre Zukunftsangst fokussiert sich auf den Verlust der eigenen kulturellen Identität, wobei vor allem der Einfluss des Islams ein wesentlicher Faktor ist.

Die Befragung von rund 10.000 Unterstützern rechtspopulistischer Parteien auf Facebook (2.564 Fragebögen wurden von FPÖ-Anhängern retourniert) lieferte folgende Detail-Ergebnisse:

  • Online-Unterstützer sind hautpsächlich männlich und jung. 63 Prozent sind unter 30 Jahre alt, 75 Prozent sind männlich. In keinem Land übersteigen die weiblichen Fans eine Marke von 36 Prozent.
  • Online-Unterstützer tendieren leicht mehr zur Arbeitslosigkeit. Durchschnittlich 14 Prozent der Befragten gaben an, arbeitslos zu sein - bei einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeitsrate von 7 Prozent in allen betroffenen Ländern. Bemerkenswert: Ein Drittel der Befragten gaben an, Studenten zu sein.
  • Online-Unterstützer sind aktiv: Viele sind Parteimitglieder und Wähler und sind eher bereit zu demonstrieren als der Durchschnitt der Bevölkerung.
  • Online-Unterstützer werden durch die positive Identifizierung mit den Werten ihrer jeweiligen Partei und dem Versprechen der Verteidigung nationaler und kultureller Werte angesprochen. Viele werden Fans, weil sie die Zerstörung der nationalen Werte durch Immigration und Multikulturalismus befürchten. Die Unterstützer zeichnet eine hohe Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien aus. Erstaunliches Detail: Die Studie fand keinen Beweis, dass wirtschaftliche Gründe einen wesentlichen Faktor für die Unterstützung von rechtspopulistischen Parteien darstellen.
  • Jüngere Unterstützer nennen Einwanderung eher als Grund für ihren Beitritt zum sozialen Netzwerk als ältere Unterstützer. 20 Prozent zwischen 16 und 20 Jahren nannten Immigration als Grund, während nur 10 Prozent der über 50-Jährigen dies angaben.
  • Unterstützer haben wesentlich weniger Vertrauen in nationale und europäische politische Institutionen als die Durchschnittsbevölkerung. Nur 20 Prozent vertrauen der jeweiligen nationalen Regierung und nur 14 Prozent vertrauen der Europäischen Union.
  • Verglichen mit der Durchschnittsbevölkerung haben Unterstützer rechtspopulistischer Parteien weniger Vertrauen in das Justizsystem, aber durchschnittliches Vertrauen in die Polizei und das Militär.
  • Online-Unterstützer sind enttäuschte Demokraten. Sie glauben zwar, dass Wählen wichtig ist, sie bezweifeln jedoch, dass Politik der richtige Weg ist, um ihre Anliegen zu verwirklichen.
  • Online-Unterstützer haben durchschnittliche Werte, was ihren persönlichen Optimismus betrifft, zeigen jedoch sehr niedrige Werte, wenn es um die Zukunft ihres Landes geht. Nur 10 Prozent finden, dass ihr Land auf dem richtigen Weg sei.
  • Warum die Online-Unterstützer dann tatsächlich zu den Urnen schreiten, ist hauptsächlich dem Thema Islam geschuldet.
  • Der Schritt von der Online-Unterstützung zur Parteimitgliedschaft wird durch die Betonung der Themen Multikulturalismus und dem Glauben, dass Politik Maßnahmen dagegen setzt, motiviert.
  • Das Thema, das Online-Unterstützer am ehesten zu Demonstrationen auf die Straße bringt, ist Korruption - noch vor Zuwanderung und Extremismus im Islam.

Jamie Bartlett, Hauptautor der Studie, weist gegenüber dem Guardian darauf hin, dass es sehr wichtig sei, die Einstellungen dieser neuen Generation der Unterstützer von rechtspopulistischen Parteien und Bewegungen zu verfolgen. "Es gibt Hunderttausende über ganz Europa verstreut. Sie sind von der etablierten Politik und der Europäischen Union desillusioniert und befürchten einen Zerfall ihrer kulturellen und nationalen Identität." Deshalb würden sie sich an Bewegungen, die sich ihrer Bedürfnisse annehmen, wenden. "Diese Online-Aktivisten befinden sich außerhalb der Reichweite der Mainstream-Politik, aber sie sind motiviert, aktiv und werden immer mehr." (rasch, derStandard.at, 7.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1256
eSka-Pe
00
28.3.2012, 20:09
Einfach erbärmlich

Solche Leute (Faschisten, Rassisten, Speziesisten, etc.) sollte man eigentlich nicht ernst nehmen, denngenau das ist ihr Ziel. Sie sind keinen Deut besser als die Menschen, die sie als radikal und nationalistisch einstufen.
Und solche Leute sitzen in der Regierung ...

Nissia
20
2.12.2011, 23:58
Glawichnig Packelt mit dem Pharmakartell

VOLKER PLASS (Grüne Wirtschaft Österreich) hat sich geirrt, es hat mit "Dirigismus nichts zu tun, sondern mit PHARMAlobbyismus. Schickt das dem Gesamten NRW Landtag: "Lassen Sie sich ja nicht zur Tabakprohibition von den Pharmalobbyisten manipulieren: es wäre mord an der bevölkerung ! Lesen Sie sehr genau den inhalt dieses Artikels, und überprüfen Sie alle lLinks. http://raucherbewegung.eu/smokersfo... p?tid=443"

Schwarz-Blaun ist die Haselnuss....
00
29.11.2011, 09:02
und vertrottelt!

Gift nicht vergessen!

Verbrecher schreibt man mit F!
02
12.11.2011, 02:55
Ja der Zerfall der EURO-Zone wäre aller Untergang!

Auch Deutschland hätte ganz plötzlich 1 Mio. Arbeitslose mehr!
Strache und Buchers harte und weiche Währung und der Austritt aus der EU, die Rückkehr zum Schilling hätte fürchterlichste Folgen!
Warum wollen verschiedene NAZI Gruppen die EU kaputt machen, haben sie darauf gewettet?
Wenn ja mit welchem Geld mit Steuergeld dass überall fehlt?
http://kurier.at/wirtschaf... 313841.php
Würden NAZIs viel Geld verlieren wenn es nicht zum Zerfall der EU kommt?
Das werden sie dann auch sicher den der EURO ist nach wie vor die stabilste Währung der Welt!
1EURO ist 1,36 bis 1,37 US $ und dass bleibt stabil trotz der Krise und verändert sich höchstens nach oben. Man suche sich einen Währungsrechner im Internet dann kann man das verfolgen!

Kein U Ausschuß Geldretour Burscherln
00
12.11.2011, 02:44
Zerfall der EURO-Zone kostet 4,5 Billionen EURO!

Dr Stänkerer
04
9.11.2011, 05:49
Weder religiöser Extremismus noch Fundamentalismus sind ein Problem...

...solange Gewaltfreiheit der Kern des religiösen Glaubens ist. Beispiel: Jainismus ist DIE gewaltfreie Relgion und je extremer ein Jainist ist, desto weniger müssen wir ihn fürchten. Die Probleme des religiösen Extremismus und Fundamentalismus liegen daher eindeutig in den Fundamentalen Lehren der Religionen. Solange wir nicht den Mut haben, Relgionen an sich und direkt zu kritisieren z.b. weil wir uns vor Gewalt fürchten (Islamophobie), oder keine "religiösen Gefühle verletzen" wollen, werden wir das Problem nicht lösen können. Artikel wie dieser tragen dazu bei, daß auch sachliche Religionskritik (in diesem Fall Islamkritik) ins rechte Eck abgeschoben und damit tabuisiert wird. Das ist schade und gefährlich!

altheaal
22
9.11.2011, 13:59

also dürfen islamkritiker nicht kritisiert werden, oder wie?

GiordanoB
00
9.11.2011, 18:42

Natürlich dürfen sie, und das werden sie ja auch.
Was soll also die Frage?

Eine fundierte Kritik der Islamkritik ist allerdings nur möglich, wenn jemand auch glaubwürdig die Exzesse im Islam kritisiert.
Bist du so jemand???

altheaal
21
10.11.2011, 11:36
glaubwürdigkeit?

gert wilders, de winter, strache, le pen, etc. sind in ihren augen glaubwürdige islamkritiker???

das sind rechtspopulisten und neo-nationalisten, die versuchen in den jeweiligen ländern macht zu gewinnen. und wenn die für alle probleme den islam als urheber ausmachen, ist das dann fundierte kritik? An wen ist diese "Kritik" gerichtet? an die muslime oder an sozio-ökonomisch verunsicherte europäer?

um solche leute zu kritisieren muss ich nicht den islam selbst kritisieren. hier geht es nicht um den islam sondern um rechten populismus.

im übrigen habe ich kein problem "den islam" zu kritisieren, ich spreche diskutiere immer wieder mit meinen muslimischen Freunden über gewisse probleme in der religionspraxis.

GiordanoB
00
10.11.2011, 16:24

War ja klar, dass meine Antwort nicht freigeschaltet wird.
Wenn die Argumente fehlen, wird eben unliebsames zensiert.
Heuchler!

FalscherProphet
00
12.11.2011, 18:04
Kann es sein, dass Sie ein bissal paranoid sind,

GiordanoB?

altheaal
01
10.11.2011, 21:10

was heisst da argumente fehlen? lies oben nach. ich wette du wärst in deiner antwort nicht mal einen hauch auf meine argumente eingegangen sondern hättest gesagt ich wäre nicht glaubwürdig oder sowas etc blabla.

p.s. warum muss man eigentlich um islamkritiker zu kritisieren den islam auch kritisieren? das argument an sich ist ja schon totaler blödsinn!

Dr Stänkerer
01
9.11.2011, 18:41
Jeder darf kritisiert werden...

und keiner darf Gewalt anwenden und sich dabei auf "religiösen Gefüfhle" oder die "Beleidigung" eines delusionären vormittelalterlichen Warlords oder jüdischen Zimmermanns berufen.
Religionsfreiheit darf Meinungsfreiheit nicht ausstechen!

altheaal
10
10.11.2011, 11:28

da bin ich ganz bei ihnen. aber solche studien beweisen eben, dass islamfeindlichkeit die rechten in europa eint. sie ist der grund warum die rechten gewählt werden und warum sie immer erfolgreicher werden.

ich denke es ist sehr wichtig aufzuzeigen wie rechtsnationale parteien agieren und funktionieren und das argument, dass solche studien islamkritiker ins rechte eck stellen hilft uns dabei gar nicht.

sehen sie gert wilders, filip de winter, strache, etc. als islamkritiker? dann sind sie sehr naiv!

religionskritik ist wichtig, die muss aber an die jeweilige religionsgemeinschaft gerichtet sein, nicht an die mehrheit, zumindest nicht in erster linie!

ich habe wesentlich mehr angst vor diesen sogenannten kritikern als vor "dem islam".

Dr Stänkerer
00
11.11.2011, 11:00
wir sollten uns weder von religiösen Eiferen noch von rechts-außen Populisten vorgeben lassen, wen wir wofür kritisieren und wen nicht!

I. O.
01
9.11.2011, 12:18
enttabuisierung sollte auf ALLEN Religionen gelten!

gruppo anti"schnell"
21
8.11.2011, 17:42

So wie bei Ben Ali machen: Alle seine Fb Freunde zeitgerecht dokumentieren, damit es nach dem Untergang nicht wieder heißt "Ich war eigentlich eh schon immer dagegen!".

Po Polos
20
8.11.2011, 17:21

Online-Unterstützter sind einfach zu feige, sich offen für etwas zu bekennen!

Anton J. Helmreich
31
8.11.2011, 15:49
es ist nunmal leider so

dass mann mit hass und hetze viele leute mobilisieren kann

siehe hitler

daru wachsam bleiben und braunes gedankengut anpranger wo immer es anzutreffen ist

Karl S. Ruhe
12
8.11.2011, 15:32
meine persönliche Meinung

Es gibt viele Unzufriedene, Benachteiligte, Arbeitslose.

Die geben den Machthabern die Schuld, also der SPÖ und ÖVP.

Haider, jetzt Strache nutzen das aus und präsentieren sich als Erlöser und Retter der Entrechteten. Und diese fallen auf die Rattenfänger herein, was ja bis zu einem gewissen Grad verständlich ist.

Nur, mit der FPÖ wäre alles noch ärger. Mir genügt das Intermezzo mit der ÖVP: Ergebnis ist, dass sehr viele FPÖ´ler ihre Machtposition mißbrauchten und kriminell wurden.
Selbst der südlichste Landeshauptmann hat Kärnten abgewirtschaftet und "seine" Hypo-Bank in den Ruin getrieben.

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
11
8.11.2011, 19:12

Was heißt wäre, sie hat doch schon zwei mal regiert und _bewiesen_ das sie nichts ändert, sondern nur vorn und hinten unterschlägt.

miss chicken
13
8.11.2011, 15:14
nicht wirklich überraschend

Der Antislamismus hat sich in den letzten 10 Jahren zur verbindenden Ideologie der Rechtsextremen entwickelt.

Und Männer sind mehr auf Hass- und Feindbilder in der Entwicklung ihrer Identität angewiesen.
Reifere und Gebildetere können über solche Prozesse reflektieren.
Jüngere sind anfällig für Propagandekampagnen, besonders wenn sie so breit getragen werden wie das Feindbild Islam - auch von Qualitätsmedien.

mahatma glück, mahatma pech, mahatma gandhi
22
8.11.2011, 15:01
"Diese Online-Aktivisten befinden sich außerhalb der Reichweite der Mainstream-Politik, aber sie sind motiviert, aktiv und werden immer mehr."

Schöne Schlussworte. Ihr Wort in Gottes Ohr, Herr Bartlett.

Amnael
 
11
8.11.2011, 14:54
Haters gonna hate

Irina Degenhaupt
36
8.11.2011, 13:02
Schuld

... wie geil. Da tut die Jugend nicht so denken, wie man es von ihr erwarten sollte.

.. und dann ist auch noch die Jugend selbst schuld.

.. dabei lebens doch noch den Ösi-Traum nach oder Herr Grasser .. Fayman ..

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1256

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.