Mädchenangst im Vatikan

Wolfgang Bergmann, 7. November 2011, 09:55
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    foto: apa/robert jäger

    Der Papst will doch keine Ministrantinnen.

Zu vielen Fragen finden sich Weisheiten in Goscinnys und Uderzos "Asterix", so auch in Band XXIX (Asterix und Maestria):

Asterix: Ich hätte nicht gedacht, dass es weibliche Barden gibt!

Miraculix: Wir treten in das moderne Zeitalter der Antike ein, wo sich vieles verändern können wird, Asterix! So wird die Frau mit Fug und Recht dem Manne gleichberechtigt werden, mit Bedürfnissen und Ansprüchen, die ihr bisher ungerechterweise versagt waren!

Asterix: Dann könnte es also auch weibliche Druiden geben?

Miraculix
: Na, na, na, Asterix! Mach keine Witze!

"Im außerordentlichen Messritus der katholischen Kirche können keine weiblichen Messdiener eingesetzt werden", berichtete durch das Sommerloch weitgehend unbeachtet, die deutschsprachige Ausgabe von L'Osservatore Romano (Nr 24/2011). Vier Jahre nachdem der derzeitige Papst die vorkonziliare Messe wieder - eben als außerordentlichen Ritus - zugelassen hat, versuchen nun vatikanische Behörden das Reformrädchen noch weiter zurück zu drehen.

Lapidare Begründung: Weil 1962, als dieser Ritus der allgemein gebräuchliche war, noch keine Ministrantinnen erlaubt waren, so sind sie auch jetzt ausgeschlossen. Damit wird nebenbei in Erinnerung gerufen, dass sich Rom erst 1996 durchrang, auch Mädchen Brot und Wein zum Altar tragen zu lassen. Vorher war es hierzulande allerdings schon weit verbreitet. Womit sich einmal mehr zeigt, dass manches im Ungehorsam geschehen muss, bis der Vatikan zu Reformschritten kommt.

Reformschritte, die allerdings gerade unter diesem Papst gefährdet sind. Die vatikanische Begründung ist auch innerhalb der eigenen Logik nicht schlüssig. Denn den römischen Ausführungsbestimmungen ist zu entnehmen, dass die alte Messe nämlich nicht gleichsam aus einem 1962 eingefrorenen Zustand einfach aufgetaut wird! Auch dieser Ritus muss, so die Richtlinien, den aktuellen Kirchenrechtsbestimmungen folgen. Zudem müssen neue Gebete für jene Heiligen, die 1962 noch gar zu den Ehren der Altäre erhoben waren, eingefügt werden (vgl. L'Osservatore Romano Nr 20/2011). Mit derselben Denke müsste man die neuen Heiligen von den Gebeten im Ritus der alten Messe aber ebenfalls ausschließen.

Das neue Verbot kann körpersprachlich nur so gedeutet werden: Mädchen - Igitt!

Diese römische Befindlichkeit, diese Mädchenangst im Vatikan, ist wohl der Grund, warum Weihbischof Krätzl an der Pfarrer-Initiative kritisiert, dass sie das Frauenpriestertum im Programm hat: "Das Thema Frauenweihe ist in Rom festgefahren. Durch die Verquickung besteht die Gefahr, dass auch die anderen Themen untergehen", meinte er in einem Kurier-Interview anlässlich seines 80igsten Geburtstages. (Kleiner Einschub: Herzlichen Glückwunsch, lieber Herr Weihbischof!).

Taktisch hat er da wohl nicht Unrecht. Vielleicht kann man die Frauenfrage aber trotzdem nicht zurückstellen. Der Befund kann nämlich auch so aussehen: Die derzeitige Haltung gegenüber den Frauen beschädigt die Kirche in ihrer Glaubwürdigkeit so sehr, dass jeder zeitliche Reformaufschub nicht mehr erträglich ist.

Denn auch hier ist - trotz all der Tonnen an theologischer Literatur - die Fragestellung sehr simpel! Sie lautet: Ist die Frau eine weiheunfähige Materie? Wenn ja, ist eine Weihe gar nicht möglich. Natürlich ist schleierhaft, wie der Papst das begründen will, ohne ein unchristliches Menschenbild zu zeichnen, das die Frau als nicht vollwertigen Menschen darstellt. Die letzten beiden Päpste sind jedenfalls daran gescheitert. Das argumentschwache römische Betonieren erinnert an Zeiten, in denen Rom bezweifelte, dass Laien aus dem Kelch trinken dürfen oder die Messe in Landessprache gefeiert werden kann. Oft gilt die Regel, dass das, was einem Papst unmöglich erscheint, beim lieben Gott zu einem Lächeln führt. Und bei allen nachfolgenden Generationen zu einem Kopfschütteln (nachfolgende Päpste inklusive).

Wenn nein, also wenn man Frauen nicht zur weiheunfähigen Materie erklären kann, schadet die Kirche nicht nur ihrem Ansehen sondern auch ihrem Auftrag und ihrem seelsorglichen Dienst gravierend, wenn sie Frauen von der Mitarbeit im geweihten Dienst ausschließt.

Dem Papst selbst wird vermutlich die Entfremdung zur Hälfte der Menschheit kaum auffallen. Die Oktoberausgaben des L'Osservatore Romano vermerken bei den penibel aufgelisteten Privataudienzen nur zwei Mal eine Frau. Das auch nur deshalb, weil der Präsident der Republik Mongolei „mit Gattin und Gefolge" und der Deutsche Botschafter „mit Gattin" empfangen worden waren. (Bei zwei Würdenträgern heißt es auch noch „mit Familienangehörigen"). Eine weibliche Hauptgesprächspartnerin hatte er nicht. (derStandard.at, 7.11.2011)

PPS.: Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Verantwortung der Päpste und des Vatikans am internationalen Missbrauchsskandal geklärt werden muss. Benedikts beharrliches Schweigen dazu macht ihn als Papst unglaubwürdig.

Autor: Wolfgang Bergmann, Magister der Theologie (kath.), 1988-1996 Pressesprecher der Caritas, 1996-1999 Kommunikationsdirektor der Erzdiözese Wien und Gründungsgeschäftsführer von Radio Stephansdom. Seit 2000 Geschäftsführer DER STANDARD. 2010 erschien sein Romanerstling: "Die kleinere Sünde" (Czernin-Verlag) zum Thema Missbrauch in der Kirche.

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Hohle Kanne
01
15.11.2011, 14:08
Kircheneigentum verstaatlichen ...

um es anschließend zu privatisieren und 25% unserer Staatsschulden wären gedeckt!
Die Kirchensteuer abschaffen & lieber in Sozialtopf einzahlen!

Ramsay Bolton
12
10.11.2011, 22:57

Sämtliches Kircheneigentum inkl. aller Liegenschaften und Konten sofort konfiszieren und liquidieren. Wir haben uns viel zu lange von diesem geriatrischen Verein geißeln lassen.

K. K. Lacke
11
10.11.2011, 14:48
Religion ist Opium fürs Volk

ohne entsprechend verdummte "Schäfchen" würde sowas nichtmal funktionieren...

nur dummerweise haben die "Schäfchen" die Eigenschaft, immer erst alle anderen verantwortlich machen zu wollen, bevor man den eigenen Beitrag durch Untätigkeit und Toleranz des status quo erkennen mag

erkennet euch selbst ihr verladenes Kirchenvolk: seit Jahren tanzt man auf dem herum was ihr für richtig haltet.... glaubt ihr wirklich eure "Hirten" würden euch den Weg vorgeben lassen?

lasst die Finger vom Opium und bildet euch.... dann sinkt auch ganz schnell das Bedürfnis sich einer Massensekte wie dem Christentum anzuschliessen.

Cape Of Green Hope
00
9.11.2011, 18:44
ja, das waren noch tolle Zeiten...

...unter den Borgias. Aber die heutigen Päpste ...

Petr Novotny
01
9.11.2011, 13:59
"Der Papst will doch keine Ministrantinnen."

Na klar!
Hat ja mit den Ministranten schon Probleme genug.

monothematisch
11
8.11.2011, 23:06
Die katholische Kirche soll ruhig so weiter machen

All die versteckte Frauenfeindlichkeit in der Arbeitswelt und in der Gesellschaft allgemein ist viel schwerer (an-)greifbar. Viele junge Mädchen glauben, dass eh alles in Ordnung ist (bis sie es dann früher oder später merken, dass nicht). Bei der Kirche weiß man wenigstens gleich, was Sache ist.

Hohle Kanne
00
15.11.2011, 14:12
woher kommt denn die Ungerechtigkeit ...

zwischen Mann und Frau ???
Das wurde doch von der Religion erst erfunden und praktiziert um männlichen Zufluss zu generieren!

Daraus resultiert es das Frauen für gleiche Jobs noch immer weniger verdienen als Männer!

CL
13
8.11.2011, 15:55

ES ist wirklich verwunderlich, dass nach wie vor so viele Länder eigene Botschaften am Vatikanischen Stuhl unterhalten! Wofür?
Dieser Posten könnte schnell und einfach eingespart werden.
Schließ-lich ist es schon bizarr, dass gerade jene Institution, die sich als großer Moralapostel aufspielt, die Menschenrechte (siehe Gleichheitsgrundsatz) in den eigenen Reihen mit Füßen tritt!

cipf
 
03
8.11.2011, 15:27

Wir wollen Ministranten, keine Menstruierenden!

Der Mann ist aus beseeltem Staub geschaffen. Die Frau nur aus einer Rippe die einem beseelten Wesen gestohlen wurde.

Natürlich ist das nicht weihewürdig.
Das ist wie wenn mann (!) eine grüne Bohne (Fisole) nimmt, sie mit Vanillearoma anreichert, dann daraus eine neue Fisole züchtet und sie dann als Vanille verkaufen möchte.
Das wäre ja Beschiss.
Darum, nur das Original weihen.

Jawoll. So isses und so wird es die näxten - äh - 10 Jahre auch noch bleiben :-))
Maximal - hoffentlich!

Chanel3
15
8.11.2011, 11:03
Selber schuld

Ich kann es nicht nachvollziehen, warum gerade Frauen in der Kath.K so willig die niederen Hilfsdienste verrichten, wo sie doch von ihr als Menschen 2.Klasse betrachtet werden.

Die Hexenverfolgungen waren nur ein grausamer Höhepunkt in der Verfolgung der Frauen durch die Männerkirche. Der von der KK hochverehrte Thomas von Aquin erklärte im Mittelalter, die Frau sei nicht mehr als ein missratener Mann. Lange Zeit diskutierte man in der Kirche, ob sie wohl eine Seele habe.

Warum machen Frauen bei so einem Verein überhaupt mit?

Ignoriert doch endlich diese Männerseligen und hört auf, ihnen hinterherzuputzen. Net amol ignorieren. Irrelevant für Frauen, völlig irrelevant.

Erstversuch
52
8.11.2011, 12:40
"Ignoriert doch endlich diese Männerseligen und hört auf, ihnen hinterherzuputzen"

Das wäre super. Dazu brauchen wir nur die künstliche Gebärmutter dann tschüss! Aber bitte nicht nur innerkirchlich sondern generell ( die Frauen werden ja auch eigentlich überall sonst ähnlich beurteilt)
Dann hätten wir wohl das Paradies auf Erden geschaffen ( und die Hölle;-))

Timagoras
 
01
8.11.2011, 12:15
"Ich kann es nicht nachvollziehen, warum gerade Frauen in der Kath.K so willig die niederen Hilfsdienste verrichten, wo sie doch von ihr als Menschen 2.Klasse betrachtet werden. "

.
das gilt eigentlich für ziemlich viele religonen (wenn nicht sogar für die meisten).

aber offenbar gibt es eben frauen (und männer) denen (aus welchen gründen immer) ihr glaube wichtiger ist, als gleichberechtigung.
ich kenne auch schwule und lesben, die sich in der katholischen kirche engagieren, obwohl sie von dieser massiv diskriminiert werden.
eine gewisse art von masochismus ist da wohl auch dabei ;o)

Hohle Kanne
01
15.11.2011, 14:16
puh ...

speziell im Christentum und dem Islam sind diese Ansichten vertreten! Fragt mal einen Chinesen zu dem Thema! Der wird keine Meinung dazu haben weil es Ihm völlig fremd ist dass Frauen und Männer z.B. unterschiedliche Gehälter für die selbe Arbeit beziehen!
Verbreicherverein, der nur um seine Machtstrukturen zu sichern die "Moral" der Menschen von klein auf zu beeinflussen versuch! Leider widerspricht sich so vieles in der köm. kath. Kirche dass sie (für mich) noch in der VS unglaubwürdig wurden!

Sogenet
27
8.11.2011, 10:38
Als (aus der r.k. Kirche schon seit langem ausgetretener) Mann ist mir folgendes klargeworden:

Die meisten Kirchen sind nur ein gut kaschiertes Werkzeug, um Macht einer Männergesellschaft zu manifestieren und Frauen auszuklammern. In dieser Maxime gibt es große übereinstimmung z.B. bei Christentum, Judentum oder Islam, aber auch bei anderen Kirchen.

Es ist für mich eines der größten Rätsel, warum Frauen da (seit Jahrhunderten) mitmachen und sich nur durch diese Einrichtungen ausnutzen lassen.

Es ist aber für mich überhaupt nicht überraschend, dass die alten Männer im Vatikan den Status Quo mit allen Mitteln erhalten wollen. Alles andere würde eine Entmachtung bedeuten (das Schlimmste was der Kirche passieren könnte, wäre eine demokratische und feministische Unterwanderung).

tignosa
00
16.1.2012, 11:56
Ihnen ist aber schon klar, dass in vielen Kirchen und im Reformjudentum Frauen alle, auch geistliche Ämter ausüben

was Sie schreiben, gilt somit nur mehr bedingt.

Hohle Kanne
01
15.11.2011, 14:18
der gleiche Grund ...

warum muslime Frauen von sich aus gern ein Kopftuch tragen -> "Gottesfürchtigkeit"

Ich will an so einen Gott nicht glauben! Sonst hätte er der Frau von Haus aus ein Kopftuch aufgesetzt!

Trismegisto
 
13
8.11.2011, 10:51

Frauen werden da wahrscheinlich mitmachen weil die meisten Kirchen mehr sind als nur ein gut kaschiertes Machtwerkzeug. Was man wahrscheinlich nicht sehen kann, wenn man mit Religion nichts anfangen kann.

Ramsay Bolton
00
11.11.2011, 16:23

Ist sie eben nicht, was man aber nur sehen kann wenn man sich von dieser Sekte losgesagt hat. Alle anderen schaffen es sich mit Ungewissheit und Unwissen so weit selbst zu blenden, dass sie sämtliche diskriminerenden Maßnahmen ungefragt akzeptieren (und sogar für richtig befinden).

Trismegisto
 
00
11.11.2011, 17:00

ich bin schon lange kein Katholik mehr, wenn ich überhaupt jemals wirklich einer war. Daran sollte es also nicht scheitern.

Ramsay Bolton
00
11.11.2011, 17:36

Solch eine scharfe Abgrenzung zu Katholiken ziehen üblicherweise nur Glaubensanhänger anderer, christlicher "Glaubensgemeinschaften".

Kann ich auch danebenliegen. In meinem ersten beitrag meinte ich eigentlich statt "dieser Sekte" - Religion im Allgemeinen.

Trismegisto
 
00
11.11.2011, 22:18

ich bin ein Anhänger des Manichäismus. Der ist irgendwie auch christlich, aber ich bin es nicht.

Nachdem ich Religion mag, kann ich die religiösen Aspekte der katholischen Kirche erkennen und respektieren. Das kann ich nicht als Fehler sehen.

Sogenet
01
8.11.2011, 12:52

Nun, die Kirche ist zumindest ein Verein, der weibliche Mitglieder in seinen Statuten zum Kuschen verurteilt:

http://bibeltext.com/1_timothy/2-12.htm

http://bibeltext.com/1_corinth... /14-34.htm

Dies sagt wohl einiges über das grundlegende Gedankengut. Und genau nach diesen Worten ist die r.k. Kirche noch heute aufgebaut.

Frauen haben nichts zu sagen. Bestenfalls werden sie für niedere Arbeiten geduldet.

Schaun Sie sich doch die Geschichte, insbesondere die Kirchengeschichte an. Da geht es nur um Macht und Einfluß - im Namen Gottes natürlich. Warum glauben Sie, wurden Menschen zwangsmissioniert, und viele Tausende Heiden - im Namen Gottes - abgeschlachtet? Die Lösung hat auch hier fünf Buchstaben: M A C H T.

Trismegisto
 
00
8.11.2011, 15:35

die Evangelischen beziehen sich auf die selben Texte, und bei denen dürfen Frauen scheinbar in alle Positionen.
Es geht nicht nur um Macht. So einfach ist es nicht.

tignosa
00
nicht nur scheinbar

Sogenet
00
8.11.2011, 17:45

Hier geht es vor allem um die r.k., nicht um Abspaltungen wie Protestanten, Altkath., etc.

Die Geschichte der Abspaltungen zeigt, dass es völllig hoffnungslos ist, bei einem Verein wie der r.k. Kirche eine Reform zu erwarten (welche diesen Namen wirklich verdient).

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