Drogenbericht ohne große Überraschungen

7. November 2011, 07:17
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Weiterhin Lücken in Substitutionstherapie

Keine wesentlich neuen Trends in der österreichischen Drogenszene - die Situation ist stabil. Bei der seit mehr als 20 Jahren erfolgreich praktizierten oralen Substitutionstherapie für Opiat-Abhängige existieren in der Betreuung der Patienten durch niedergelassene Ärzte in einigen Regionen noch immer weiße Flecken. Das sind Kernpunkte des österreichischen "Berichts zur Drogensituation 2011".

Diesen hat das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) im Auftrag der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht und des Gesundheitsministeriums verfasst und nun vorgelegt. Demnach ist die am häufigsten konsumierte Droge nach wie vor Cannabis mit Prävalenzraten von 30 bis 40 Prozent bei jungen Erwachsenen.

In den meisten Repräsentativstudien finden sich Konsumerfahrungen von rund zwei bis vier Prozent für "'Ecstasy", Kokain und Amphetamine und von rund ein bis maximal zwei Prozent für Opiate. In den letzten Jahren wurde allerdings "beim Probier- und Experimentierkonsum eine Verbreiterung des Substanzspektrums festgestellt", schreiben die Autoren.

Zahl der Drogentoten stabil bis rückläufig

Die Zahl der Drogentoten ist in Österreich relativ stabil bis leicht rückläufig. 2010 starben verifiziert akut durch Suchtgiftkonsum 170 Personen, bei weiteren 17 derartigen Fällen wurde keine verifizierende Obduktion durchgeführt. Im Jahr zuvor waren es 187 (verifiziert; 19 nicht obduziert) gewesen. Im Jahr 2006 hatte man 197 verifizierte Fälle registriert, 2001 und 2002 jeweils 139.

Auch beim problematischen Drogenkonsum - das intravenöse Injizieren von Opiaten und speziell der Mischkonsum von Opiaten, missbräuchlich verwendeten Medikamenten und Alkohol - gibt es kaum Änderungen: Die Zahl dieser Drogenpatienten dürfte zwischen 25.000 und 37.000 liegen, eher im oberen Bereich, wie die ÖBIG-Fachleute feststellen.

Eine Erfolgsgeschichte ist in den vergangenen mehr als 20 Jahren die orale Substitutionstherapie für Opiat-Abhängige in Österreich geworden. "Zwischen 27 und 52 Prozent der Personen mit problematischem Drogenkonsum (mit Beteiligung von Opiaten) befanden sich 2009 in Substitutionsbehandlung", heißt es dazu im Drogenbericht.

Dennoch gibt es anhaltende Defizite bei der Betreuung dieser Patienten in niedergelassenen Arztpraxen. In sechs Bundesländern gebe es noch immer Bezirke, in denen kein niedergelassener Kassenarzt zu einer Substitutionsbehandlung berechtigt. So müssen die Betroffenen für ihre Rezepte oft weit in Ambulanzen fahren, was das private Zeitmanagement schwierig macht. (APA)

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    Die Zahl an Drogentoten blieb in den letzten Jahren nahezu stabil.

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