Betrugsvorwürfe nach Wahlsieg von Ortega

Bericht | Sandra Weiss, 7. November 2011, 18:52
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    foto: foto:miguel alvarez/ap/dapd

    Anhänger von Präsident Daniel Ortega feiern den Wahlsieg in der Hauptstadt Managua. Internationale Wahlbeobachter wurde der Zugang zu Wahllokalen teilweise verweigert.

Mehr als 60 Prozent für sandinistischen Präsidenten

Puebla - In einer von Unregelmäßigkeiten überschatteten Wahl ist am Sonntag Nicaraguas Präsident Daniel Ortega wiedergewählt worden. Der von dem ehemaligen sandinistischen Revolutionsführer kontrollierte Wahlrat verkündete, Ortega habe 62,6 Prozent der Stimmen erhalten - weit mehr, als Umfragen prognostiziert hatten. Sein Herausforderer, der rechte Unternehmer Fabio Gadea, erhielt demnach 30,8 Prozent. Die Zahlen basierten auf einer Hochrechnung von 38 Prozent der Stimmen. Ortega regiert damit weitere fünf Jahre und ist der erste wiedergewählte Präsident seit Ende der Diktatur 1979. Eigentlich verbietet die Verfassung eine Wiederwahl, das Oberste Gericht hatte aber entschieden, dass dies nicht für den 65-Jährigen gelte.

Bezeichnenderweise war es nicht der Präsident selbst, der seinen Wahlsieg feierte und verkündete, sondern seine Frau und Kampagnenchefin Rosario Murillo - die als die Strippenzieherin hinter den Kulissen gilt. Umgehend gratulierten auch Ortegas linke Verbündete, der kubanische Präsident Raúl Castro und der venezolanische Staatschef Hugo Chávez. Der Präsident selbst, der sich auch während des Wahlkampfes rar gemacht hatte, tauchte nicht auf.

Reihe von Sozialprogrammen

Die Popularität Ortegas im zweitärmsten Land der westlichen Hemisphäre nach Haiti basiert auf einer Reihe von Sozialprogrammen, die er dank venezolanischer Hilfe von 500 Millionen Dollar auflegen konnte.

Die Opposition erklärte, den Wahlsieg nicht anzuerkennen bis alle Stimmen ausgezählt seien und ihr die Wahlakten vorlägen. Oppositionelle Medien sprachen von Wahlbetrug. Oppositionellen Wählern seien ihre Wahlausweise vorenthalten worden. Seit 2006 wurden im Südosten neue Ausweise praktisch nur mehr an Anhänger der Sandinisten vergeben. Auch die Wahlbehörden wurden dort vorwiegend mit Sandinisten besetzt. An 15 bis 20 Prozent der Urnen sei kein Vertreter der Opposition zugelassen worden, erklärte die Organisation "Ethik und Transparenz", die vom Wahlrat nicht akkreditiert worden war.
Wahlbeobachter verweigert

Insider sprechen von einer "perfekten Orchestrierung" der Wahl angelehnt am venezolanischen Modell. Die Organisation Hagamos Democracia registrierte den Brand eines Wahlzentrums, in dem in den Urnen bereits für die Regierung ausgefüllte Stimmzettel gefunden wurden.

Auch internationale Wahlbeobachter erklärten, sich kein vollständiges Bild vom Urnengang machen zu können, da ihnen zu 20 Prozent der Wahllokale der Zutritt verweigert wurde. Der Wahlprozess sei voller Hindernisse gewesen, Wahlakten seien kryptisch oder unleserlich, erklärte der Chef der EU-Mission, Luis Yañez. "Der Wahlrat hat zu viele Blockaden errichtet, zu viele Fallen erstellt, hat im Dunkeln agiert." (DER STANDARD Printausgabe, 8.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 53
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Menahem Zitzesbeisser
00
8.11.2011, 17:13
Jedes Volk hat die politischen Führer,

die es verdient.

Raphael de la Ghetto
15
8.11.2011, 13:52
Schwammige Berichterstattung.

Der Standard sollte eventuell daran denken, seine Nicaragua-Korrespondenten - falls es soetwas überhaupt gibt - auszuwechseln.

Aus Liebe zum Detail, weil die Polemik ansonsten Überhand nimmt: "Eigentlich verbietet die Verfassung eine Wiederwahl, das Oberste Gericht hatte aber entschieden, dass dies nicht für den 65-Jährigen gelte." Das ist nicht korrekt. Das Oberste Gericht hat entschieden, dass der besagte Artikel für niemanden gelte, weder für Ortega noch für seine Widersacher, weder bei dieser Wahl, noch in der Zukunft. Was ein verfassungsrechtlich zweifelhafter Akt bleibt, aber hier dennoch tendenziös verfälscht wurde.

Der Neue Mensch
00
10.11.2011, 16:40

Und warum urteilt ein Gericht, dass ein Verfassungsartikel keine Gültigkeit hat? Dazu hat es in einem demokratischen Staat keinerlei Recht. Für Verfassungsänderungen ist das Parlament zuständig und nicht ein aus regierungshörigen Richtern besetzter Gerichtshof. Aber Ortega hat sich ja die 2/3-Mehrheit zusammengeschummelt, da kann er jetzt "auf Lebenszeit" in die Verfassung reinschreiben lassen.

http://www.faz.net/aktuell/p... 24121.html

samuel kant
13
8.11.2011, 13:21

ortega ist ein korrupter typ, aber er hat am wenigsten von allen gestohlen. und das ist in dem land bemerkenswert.

iwf und weltbank bestimmen dort die politik, ortegas maßnahmen sind kosmetisch und nur dank hugo finanzierbar.

in nicaragua gehören die medien den chamorros, nach den pellas, die mächtigste familie. denen gefällt nichts außer wenn ein weißer tausende halbnackte braune in einer mine schuften lässt. das nennt man dann arbeitsplätze schaffen oder entwicklungshilfe.

PS: die berichterstattung hier ist lächerlich, aber natürlich verständlich wenn man auf nachrichtenagenturen angewiesen ist.

Luise Rache
10
8.11.2011, 12:25
dachte die ganze zei die griechen wären die ärmsten?

Schinkenfleckerl 3000
00
8.11.2011, 11:02
Offtopic Da sich hier die Nicaragua-Experten zu tummeln scheinen)

Bei der Gaddafi Geschichte jetzt ist mir irgendwo untergekommen, dass in Verbindung mit der Förderung der Sandinisten durch den Wüstensohn eine Vertreibung(?), zumindest aber Repressionen, der jüdischen Gemeinde Nicaraguas verbunden war....wo auch immer ich das gelesen hab, gab's leider keinen Quellenverweis. Hat diesbezüglich irgendjemand Infos?

PS: Dieses Posting ist bitte nicht als Provokation verstehen :)

Nicolas Castillo
10
8.11.2011, 09:01
jubelt die alte Margot ...

eigentlich noch mit oder hat die schon der Teufel geholt?

JoBu
30
8.11.2011, 07:26
Wahlbetrug und Gesetzesverstösse sind keine Kavaliersdelikte!

Liebe Poster, bitte hören Sie auf Ortega zu loben! Alles was er tut, dient nur seiner eigenen Machterweiterung. Nicaragua hat bereits eine Diktatur unter dem Deckmantel einer Demokratie!
Und für alle die es nicht glauben wollen: JA, es gab Wahlmanipulationen! In Matagalpa wurden einige Wahlberechtigte nicht in das Wahllokal gelassen mit der Begründung es wäre überfüllt. Ebenfalls im Norden wurden an zahlreiche Personen die dem gegnerischen Lager zugeordnet werden die Wahlausweise nicht zugeteilt. In diesem Stil gab es hunderte von Beschwerden über Ungereimtheiten bei der Wahl. Und wenn hier jemand dem Standard schlechte Recherchierung vorwirft (Nein, ich bin KEIN Mitarbeiter), dann sollte er selbst erst mal gründlich Informationen einholen!

yomellamo
00
9.11.2011, 05:27

Es geht hier nicht um Informationen. Ortega sagt er sei links, deswegen ist er einer von den guten. Selbst wenn er eigenhändig 5000 Leute exekutieren würde weil die nicht für ihn gestimmt haben wäre das immer noch alles gerechtfertigt, weil er ja angeblich h ein linker ist.

In Wahrheit ist ortega natürlich genausowenig links wie Hugo chavez. Das sind autokratische machtmenschen, für die es ganz natürlich ist sich auf Lebenszeit in der macht einzuzementieren, sich auf kosten des Volkes zu bereichern und alle Posten die es nur gibt an Familie und Freunde zu verschachern.

... von "links" bleibt nur die Symbolik. "In bisserl von det Revolution faseln, rote Hemden anziehen, sternderl aufmalen...

Raptor Jesus
00
8.11.2011, 02:07
"Der Wahlrat hat zu viele Blockaden errichtet, zu viele Fallen erstellt, hat im Dunkeln agiert."

Das klingt ja nach einem gut geplanten Aktion, wo wirklich an alles gedacht wurde, selbst bis ins kleinste Detail.

Apocalypse
23
8.11.2011, 01:26

im ärmsten Land werdens einen rechten Wählen... klar gewann Ortega.

Peter Williams
00
7.11.2011, 22:58
MANUEL ? :)

Horst Holzinger
48
7.11.2011, 22:43
Der tendenziösen Berichterstattung zufolge

hat der Kandidat des IWF und der us-amerikanischen Botschaft verloren ...

Vielleicht schickt der US-Präsident wieder Contras (Todesschwadrone) um die Freiheit wieder herzustellen.

surl
 
410
7.11.2011, 20:18
sehr traurig...

...in welch reißerischem und tendenziösem Stil in diesem (früheren) Qualitätsmedium schon seit Tagen von der Wahl in Nicaragua berichtet wird.
Ortega ist bestimmt kein Heiliger, aber was er für das Land, vor allem für die arme Bevölkerung, geleistet hat, ist bemerkenswert (gratis Gesundheitsversorgung, gratis Schulbildung, sozialer Wohnbau, ...).
Sandra Weiss zeichnet hingegen (mit einem Stil, der des Standard unwürdig ist) das Bild, dass Ortega und seine Familie an der schwierigen Lage des Landes schuld sind.
In Wahrheit waren dies aber andere.

trestigres
 
31
8.11.2011, 07:39
Genau das, was Sie hier so Sandinista verträumt aufzählen, hat Ortega nicht geleistet.

Es ist erschreckend in welcher sozialen Schieflage sich das Land noch immer befindet. Es ist erschreckend wie die Sandinisten - Ortega voran - sozialen Wohnungsbau nur noch als PR-Aktion vor den Wahlen verstehen, schnell mal noch eine Siedlung in Managua mit 50 Wohnungen bauen lassen, mit grossem Brimborium einweihen, während alle wissen, dass tatsächlich noch ca. 1 Mio. Wohnungen fehlen. Laut Verfassung hätte sich der mittlerweile 65-jährige ehemalige Guerilla-Kämpfer Ortega und revolutionäre Hoffnungsträger von damals eigentlich gar nicht der Wiederwahl in das Präsidentenamt stellen dürfen. Ortega steht vor allem für eines, für einen machthungrigen Politiker.

Irina Degenhaupt
10
8.11.2011, 13:06
Kurze Frage ..

wen also der rechte Kandidat gesiegt haette, würde er sicher gleich anfangen die fehlenden 1 Mill Wohnungen zu bauen?

meresi
00
8.11.2011, 09:21
ortega steht nicht für einen machthungrigen...

es ist seine frau die ihn antreibt...so schauts aus...er ist ne "puppet on a string"

JoBu
10
8.11.2011, 06:55

(3)...niemals freiwillig von seinem Amt trennen wird. Und wenn er im hohen Alter mal sterben sollte, dann warten hinter ihm bereits seine Söhne, bzw. seine Frau um die Diktatur weiterzuführen. Dafür hat er bereits in den letzten Jahren gesorgt. Die Familie Ortega hat mittlerweile das gesamte Land infiltriert, egal ob Polizei, Heer, Oberstes Gericht oder Medien - überall sitzen Familienmitglieder oder Verbündete dieses Clans. Das ist eine Katastrophe für das Land, und deshalb muss auch das, was Ortega hier in den letzten Wochen und Monaten getrieben hat, aufs schärfste verurteilt werden. Wie auch Wahlbetrug im Allgemeinen verurteilt werden sollte!!

JoBu
11
8.11.2011, 06:52

(2)weil sie durch ausländische Hilfsprojekte gefördert und auf Vordermann gebracht wurden. All seine Gratis-Projekte und –Gesetze dienen nur zu Ortegas Imagepflege, und sonst nichts.

Dann würde mich auch interessieren, was Ortega denn so Aufregendes im Bereich des sozialen Wohnungsbaus gemacht hat, dass man ihm huldigen muss. Zu spüren ist hier davon absolut nichts!

Und wenn die Familie Ortega sich nicht selbst mit dem zur Verfügung stehenden Geld beweihräuchern oder es beim Fenster rausschmeisen würde, sondern es sinnvoll einsetzen würde, dann bräuchte es keine solch „bemerkenswerten“ Leistungen eines korrupten Ortega.

Nicaragua steuert da auf etwas zu, das früher oder später schief gehen MUSS, weil sich der machtgeile Ortega niemals...

Der Neue Mensch
31
7.11.2011, 21:17

Und warum gehört Nicaragua noch immer zu den allerärmsten Ländern Lateinamerika, wo doch Papa Daniel dank großzügiger Ölspenden von Onkel Hugo sooo viele soziale Wohltaten verteilen kann?

surl
 
07
7.11.2011, 20:28
sehr traurig... (Teil 2)

Es waren die USA und ihre Handlanger.
Zunächst der Somoza-Clan - eine klassische, rechte Diktatur von USA's Gnaden. Kein Geld für die Armen. Das Vermögen des Landes wurde rechtzeitig in die USA geschafft um nach der Vertreibung '79 durch die Sandinisten ein Leben in Reichtum führen zu können und der neuen Demokratie gleich einen denkbar schwierigen Start zu verschaffen. Dann die Contras, von den USA mit (Drogen-)Millionen, Waffen und militärischem KnowHow unterstützte Truppen, die von Honduras und Costa Rica aus ins Land eindrangen und zigtausende Menschen töteten. Dafür und für die Vermienung eines der wichtigsten Häfen des Landes wurden die USA in Den Haag zu einer Strafe in Höhe von 17 Milliarden USD verurteilt.

surl
 
03
7.11.2011, 21:17
sehr traurig... (Teil 4)

nachdem leider mein Teil 3 nicht angezeigt wird schreib ich den 4ten nun hier dazwischen rein...

Ortega hat und macht bestimmt auch viele Fehler, aber gerade vom Standard würde ich mir erwarten, dass man versucht, fair und (möglichst) objektiv zu berichten anstatt in die (wie man weiß von US-Medien forcierte) Diffamierung linker bzw. anti-US-amerikanischer Politiker unreflektiert miteinzustimmen.

JoBu
10
8.11.2011, 06:50

(1)"Ortega ist bestimmt kein Heiliger, aber was er für das Land, vor allem für die arme Bevölkerung, geleistet hat, ist bemerkenswert (gratis Gesundheitsversorgung, gratis Schulbildung, sozialer Wohnbau, ...)"

Mein lieber Herr, das Bild, das der Standard von Daniel Ortega zeichnet ist zu 100 % korrekt. Ich bin seit langer Zeit vor Ort und erlaube mir deshalb ein Urteil über die Situation hier. Gesundheitsversorgung, Schulbildung, sozialer Wohnungsbau ist keine bemerkenswerte Leistung eines Staates, das ist seine verd... Verpflichtung! Die Schulbildung hier ist unbeschreiblich miserabel, das als Bildung zu bezeichnen spottet teilweise jeder Beschreibung. Wenn es an manchen Schulen besser läuft, dann häufig deshalb weil sie durch...

surl
 
12
7.11.2011, 20:35
sehr traurig... (Teil 3)

Dann Violeta Chamorro. Sie wurde von den USA mit mehreren Millionen USD unterstützt und dem nicaraguanischen Volk wurde (insbesondere durch G.Bush senior) unmissverständlich klar gemacht, dass die Contras weiter morden würden, wenn sie nicht gewählt werden würde. Trotzdem gewann sie die Wahl gegen die FSLN nur knapp. Kaum zur Präsidentin gemacht, bedankte sie sich bei den USA, indem sie diesen die 17 Milliarden USD schwere Schuld erließ.
Danach Aléman, unter dem das Land restlos vor die Hunde ging.
Die Kooperation mit ihm wurde und wird Ortega nach wie vor von vielen (ehemaligen) Sympathisanten vorgeworfen, aber letztlich war dies vor allem ein Kompromiss, um das Land irgendwie wieder in eine positive Richtung bewegen zu können.

Horst Holger
42
7.11.2011, 20:17
massiver Wahlbetrug und illegale Wahlen

wurde von unabhänigen Wahlbeobachtern inzwischen bestätigt. Und manche linksdrehende und desorientierte Genossen hier im Forum applaudieren trotzdem...
viva la democracia!

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