Nobel lebt' die Gans, sie ruhe sanft in mir

    8. November 2011, 15:34
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    Wie Gans leben soll: Im Verschönerungsverein mit Fidler, ein Paradeis - Und, huch: Floh-Samen

    Selbst ehrlose Gesellen wie ich fühlen sich geehrt. Selten, aber doch. Und ganz besonders, wenn jene Frau, die in der Essbar regelmäßig vor kulinarischer Kompetenz nur so kocht, just mich Geschmacksdilettanten fragt, welcher Wirt ihr denn heuer eine Gans serviert, die erfahren hat, wie man leben soll. Danke! Aber bin ich wert, dass du einkehrst unter einem Dach, das ich empfohlen habe?

    Foer, nicht Gaddafi

    Leider habe ich a) vom Grünen Buch (Foer, nicht Gaddafi) noch immer nur Seite 66 gelesen, und die ist schlimm genug für einen dritten 6er, deshalb scheue ich Inkonsequentester mich ja so vor der Lektüre des Gesamtwerks. Ich habe mich b) ehrlicherweise bisher wenig um das Glück der Gänse geschert, wie man etwa hier nachlesen kann, aber seit diesem Ausflug sammelte der Fidler ja auch schon wieder einige Erfahrungen im Verhältnis von Mensch und Tier, wer immer da welche Rolle hat. Und c) fällt mir ja praktisch als erstes eh immer dasselbe ein, das sich aber d) meist auch als nicht ganz falsch erweist. Außer vielleicht für Vegetarier und -innen, aber die fragen mich ohnehin selten nach glücklichen Weidegänsen.

    Einmach, zwei Brust, drei Gans

    1. Also, konkret: Einmal im Jahr ist gans sicher Gans beim Sodoma angesagt. Immer ein Fest. Streiten kann man da allerhöchstens über Servietten- oder Erdäpfelknödel, warmen Krautsalat oder Rotkraut. Nicht mit mir: Erdäpfel natürlich, und Krautsalat. Nur seit ich die geräucherte Brust vom Federvieh vorweg hatte, grüble ich, ob eine Einmachsuppe davor erlaubt ist, freilich nur aus kapazitativen Sicherheitsgründen. Allein: Einmach und Brust dürfen kein Widerspruch sein! Das hoffe ich jedenfalls für November 2012 und übe fleißig.

    Keine Fettleber, trotzdem fett

    2. Zum Beispiel mit einem Ausflug zum Renner, den mir die Psychiaterin meines Vertrauens wieder einmal ans Herz legte. Der Fleischprofi röstet die Leber der Watschelwanda - da kann ich einfach nicht widerstehen. Definitiv keine Fettleber, schon einmal beruhigend für das (nun freilich doch tote) Tier. Aber kann man allein daraus auf ein glückliches Leben rückfolgern? Gleich doppelt umgekehrt betrachtet, möchte ich an dieser Stelle nicht von mir auf andere schließen.

    Dazu kommt: Keine Fettleber (zu Lebzeiten) heißt am Nußdorfer Platz(l) noch lange nicht, dass die durchaus anständigen Röstorgane nicht in einem unglaublich öligen Fettspiegel liegen, und der überzieht eine sehr kräftig-dunkle Sauce, die mir fast ein bisschen zu salzig ausfällt. Ich bin da halt auch ein bisserl heikel und vielleicht trotz fortgeschrittenen Alters noch eher überempfindlich. Die Einmachsuppe davor tendierte ebenfalls in diese mineralische Richtung, hatte aber ein Alzerl früher gebremst, und war sehr super. A propos Bremsen: So blitzartig habe ich noch keine Vorspeis vor mir gehabt.

    Der Zwickel so fern

    3. Die Flughafenautobahn und die Zwickelzone zur Südautobahn sind mir ja neuerdings alles andere als nahe, sonst hätt ich der Kollegin womöglich ebenfalls auf Verdacht aus gansem Herzen den wunderbaren Bittermann oder den bisher auch immer obersuprigen Jungwirt in Göttlesbrunn empfohlen, beide quasi als Männer für alle kulinarischen Fälle von Innerei bis Wild und Wildinnerei bis überhaupt und sicher auch Gans.

    So aber musste ich den gans wichtigen Hinweis auf Bittermann bei Herrn Nowak lesen. Unsere oberste Lifestyleexpertin hingegen konnte das Ereignis leibhaftig verfolgen und ärgerte sich danach bitterlich: Sie wollte beim Bittermann drei Gänge verputzen und sorgte sich, dass eine Gans diesen Rahmen sprengen würde. Es wurde also Zander, der zwar auch sehr super gewesen sein soll, doch das Federvieh sah ihr letztlich doch besser aus.

    Bittermann, Bittermann: Das erinnert mich (für mich praktisch schon ein Wortwitz) daran, dass ich längst schon den endlich auch regelmäßig nahrungsbloggenden Kollegen Tobias Müller auf ein Innereienmenü verzahn wollte. Aber erst musste er eh Gänse konfieren. Warum lässt der Kapazunder mich von seinem Treiben eigentlich nicht zumindest kosten?

    Ruhe Gans sanft

    4. Beim Floh ist das deutlich einfacher als beim Müller. Sie wissen: Das ist beileibe nicht der einzige Grund, warum ich den Langenlebarner Wirten der (aus unerfindlichen Gründen bei mir) Rat suchenden Kollegin als allerersten empfohlen habe. Beim Floh war ich sehr, sehr sicher, dass die Gans von der Weide stammt.

    Weil ich grundsätzlich ungern rate, was ich nicht am eigenen Leib erfahren habe, ertappe ich mich Stunden später beim Lokalaugenschein. Und ich ertappe mich bei dereher ungewohnten Frage, wie es denn der Gans so erging, bevor sie auf meinem Teller ihre letzte Ruhe fand. Naja, ihre vorletzte oder vorvorletzte.

    Paradeis für Gänse

    Also: Wie lebte die Gans, Herr Ober? Sie führte "ein Gänse-Nobel-Leben", sagt er, und zwar beim Stekovics in Frauenkirchen, und er meint offenkundig den Erich, den wir von den Paradeisern kennen. Beim Floh gibts: herrliches Speckkraut, einen für mich erfreulich waldviertligen Erdäpfelknödel und eine wirklich, wirklich, wirklich wunderbare Gans. Ob sie selbst ihr Leben schön empfand, kann ich nicht sagen, zusammen waren wir mir jedenfalls ein ganzer Verschönerungsverein.

    Spontaneität hat Tradition

    Weil der Herr Floh mich immer mit Überraschungen erfreut, wie man anderswo in diesem Landstrich ebenso erfreulich meinen Hang zur Beständigkeit streichelt: Huchen, rosig kurz pochiert, mit Kohlrabi, im Sud und ziemlich schönem Olivenöl, vor der Gans. Schon gut, sehr, sehr gut. Nur, bei aller Experimentierfreude: Für das "Regenbogenforellenfilet mit Topinamurcreme, Vinaigrette und Floh-Samen" möchte ich mir noch ein bisschen Zeit geben. Aber, natürlich, ich bleibe dabei: Ich probiere alles am eigenen Leib.

    PS: Bin gespannt, wo Frau Kollegin ihre Gans verspeiste. Dazu morgen mehr unter derStandard.at/Lifestyle

    PPS: Die Psychiaterin meines Vertrauens ganste nach meinen Informationen sehr gut bei Thyri. Ich vertraue ihr und linke also weiter, ausnahmsweise ohne Erfahrung am eigenen Leib.

    Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

    • Das Ende eines "Nobel-Lebens": die Gans beim Floh
Gasthaus FlohZwei Gänge, Apfelsaft, Kaffee: 44,90 Euro
      foto: harald fidler

      Das Ende eines "Nobel-Lebens": die Gans beim Floh

      Gasthaus Floh
      Zwei Gänge, Apfelsaft, Kaffee: 44,90 Euro

    • Zartestes Vorspiel auf dem Weg zur Gans: pochierter Huchen beim Floh
      foto: harald fidler

      Zartestes Vorspiel auf dem Weg zur Gans: pochierter Huchen beim Floh

    • Saft und Kraft: die Gansl-Einmachsuppe beim Renner
Zum RennerZwei Gänge, Saft, Kaffee: 29,40
      foto: harald fidler

      Saft und Kraft: die Gansl-Einmachsuppe beim Renner

      Zum Renner
      Zwei Gänge, Saft, Kaffee: 29,40

    • Bisschen fett, bisschen salzig, aber schon sehr gut: geröstete Gänseleber beim Renner
      foto: harald fidler

      Bisschen fett, bisschen salzig, aber schon sehr gut: geröstete Gänseleber beim Renner

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