Terrorgefahr und konfessionelle Spannungen steigen

6. November 2011, 18:16
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Die konfessionellen Spannungen werden, so beklagen Sunniten, auch von der Regierung selbst geschürt

Bagdad/Wien - Wie um die Ängste vor einer wachsenden Destabilisierung des Irak vor dem Abzug der US-Truppen am Jahresende zu bestätigen, explodierten auf einem Bagdader Markt am Sonntag mehrere Bomben und rissen zehn Menschen in den Tod: Seit Sommer schon sind die Zahlen von Anschlagsopfern im Irak wieder im Steigen begriffen. Es wird damit gerechnet, dass Al-Kaida im Irak - auf deren Chef Ibrahim al-Badri die US-Regierung vor kurzem zehn Millionen Dollar Kopfgeld aussetzte - ihre Aktivitäten erhöhen wird, nicht nur weil sie mehr Bewegungsfreiheit hat, sondern auch als Antwort auf den wachsenden iranischen Einfluss.

Wie 2006 könnte es al-Kaida gelingen, durch Anschläge auf Schiiten schiitische Gewalt gegen Sunniten zu provozieren. Die konfessionellen Spannungen werden, so beklagen Sunniten, auch von der Regierung selbst geschürt. In einer Verhaftungswelle ließ der schiitische Premier Nuri al-Maliki vergangene Woche mehr als 600 Personen festnehmen, nach Aussage der Regierung allesamt der alten Baath-Partei von Saddam Hussein nahestehende Personen, die einen Putschversuch gegen seine Regierung planten. Die meisten davon sind Sunniten.

Ein Tipp aus Libyen

Der Tipp zum Baathisten-Putschplan kam aus Libyen, von der neuen Übergangsregierung. Allerdings wird Maliki beschuldigt, den Anlass auszunützen, um mit Gegnern abzurechnen. Die Verhaftungen fallen mit anderen Maßnahmen zusammen, so ließ die Regierung - acht Jahre nach dem Fall des Regimes von Saddam Hussein - in der Salahuddin-Universität in Tikrit, dem Heimatort Saddams, 145 Angestellte wegen ihrer Baath-Vergangenheit feuern.

Maliki - dessen Regierung unter iranischem Druck zustandekam - werden zunehmende autoritäre Züge vorgeworfen, er übergeht gerne die Institutionen und hat eine eigene Miliz, die außerhalb der irakischen Armee steht. Auch seine Rhetorik gegenüber den irakischen Kurden erinnert in ihrer Aggressivität unangenehm an vergangene Zeiten. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2011)

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