Bittsteller Europa

Kommentar |

An den USA und ihrem Präsidenten führt kein Weg vorbei

Die Welt in zehn bis fünfzehn Jahren: Wie Macht-, Einfluss- und Entscheidungsverhältnisse dann aussehen könnten, davon lieferte der jüngste G20-Gipfel eine leise Ahnung. An den USA und ihrem Präsidenten führt kein Weg vorbei, so übel können die amerikanischen Budget- und Arbeitslosenzahlen offenbar gar nicht sein.

Die Schwellenländer, voran China, Brasilien, Indien, treten als selbstbewusste, finanziell potente Partner auf. Für die Europäer hingegen sieht es nicht gut aus. Die Länder des alten Kontinents kamen - obwohl weitgehend zur Union zusammengeschlossen - defensiv aufs Feld: wie eine schlecht trainierte Fußballmannschaft, die mit drei sich widersprechenden Strategien aufs gegnerische Tor stürmt.

Eines dieser "goals", dieser Ziele, war es, die Beteiligung der aufstrebenden Länder an den Euro-Rettungsfonds ins Trockene zu bringen. Aber Fehlanzeige. Chinas Führung zeigte sich zwar lächelnd interessiert, will seine zig Milliarden an Investitionen erst noch mit strengen Auflagen versehen. Brasilien ist überhaupt desinteressiert.

Für die Europäer, deren Interessen in Cannes vom deutsch-französischen Duo Sarkozy/Merkel praktisch im Alleingang vertreten wurden, weil David Cameron und Silvio Berlusconi auf einem anderen Planeten wandeln, ein Schock. Vor zwei, drei Jahren hatte Europa noch Träume; wollte den anderen eine ganz neue Energie- und Umweltpolitik aufzwingen. Vorbei. Europa ist nun Bittsteller. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2011)

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