Bittsteller Europa

Kommentar | Thomas Mayer
6. November 2011, 18:13

An den USA und ihrem Präsidenten führt kein Weg vorbei

Die Welt in zehn bis fünfzehn Jahren: Wie Macht-, Einfluss- und Entscheidungsverhältnisse dann aussehen könnten, davon lieferte der jüngste G20-Gipfel eine leise Ahnung. An den USA und ihrem Präsidenten führt kein Weg vorbei, so übel können die amerikanischen Budget- und Arbeitslosenzahlen offenbar gar nicht sein.

Die Schwellenländer, voran China, Brasilien, Indien, treten als selbstbewusste, finanziell potente Partner auf. Für die Europäer hingegen sieht es nicht gut aus. Die Länder des alten Kontinents kamen - obwohl weitgehend zur Union zusammengeschlossen - defensiv aufs Feld: wie eine schlecht trainierte Fußballmannschaft, die mit drei sich widersprechenden Strategien aufs gegnerische Tor stürmt.

Eines dieser "goals", dieser Ziele, war es, die Beteiligung der aufstrebenden Länder an den Euro-Rettungsfonds ins Trockene zu bringen. Aber Fehlanzeige. Chinas Führung zeigte sich zwar lächelnd interessiert, will seine zig Milliarden an Investitionen erst noch mit strengen Auflagen versehen. Brasilien ist überhaupt desinteressiert.

Für die Europäer, deren Interessen in Cannes vom deutsch-französischen Duo Sarkozy/Merkel praktisch im Alleingang vertreten wurden, weil David Cameron und Silvio Berlusconi auf einem anderen Planeten wandeln, ein Schock. Vor zwei, drei Jahren hatte Europa noch Träume; wollte den anderen eine ganz neue Energie- und Umweltpolitik aufzwingen. Vorbei. Europa ist nun Bittsteller. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2011)

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na toll ...

China - 40% der Chinesen leben in Armut, BIP pro Kopf ist geringer als das von Ecuador, China ist halt nicht nur Shanghai und Peking

Indien - 70% der Inder leben in Armut, 50% Analphabeten, BIP pro Kopf geringer als das der Elfenbeinküste

das einzige, womit beide punkten können, ist ihre immense Größe. Mehr aber auch nicht!

kommt immer drauf an..

wie man bittstellen definiert. die zig millionen essensmarkenempfänger der usa, die slums in brasilien etc. wirds vermutlich in fünfzehn jahren dort noch immer geben, und bei uns noch immer nicht.

"An den USA und ihrem Präsidenten führt kein Weg vorbei, so übel können die amerikanischen Budget- und Arbeitslosenzahlen offenbar gar nicht sein."

Ja,, das hat sich gezeigt als die chinesen den US-Präsidenten in Kopenhagen mit einen aus der 2ten Garnitur verhandeln liesen, gell? Und deswegen lässt China die USA auch schon jahrelang mit ihren Währungpolitischen Forderungen anrennen. In Realitätsverweigerung ist ja M ganz groß, desegen passt er auch super zur EU. Fakt ist: Die Gewichte verlagern sich, und EU und USA sind am abesteigenden Ast.

...also mir sagt der Artikel folgendes: Die NWO kommt, obs euch paßt oder nicht! Wie wir dorthinkommen, ist geschmackssache und es ist uns auch ...eißegal. Aber zumindest die Schreibstuben bereiten euch schon rechtzeitig vor...!"

das ist nicht neu

das war vielen schon vor jahren klar. der europäische weg der realitätsverweigerung interessiert halt nur europa, dem rest der welt ist das alles wurscht. europa ist alt, träge, saturiert, dekadent und nicht lernfähig, wie man an der griechenlandkrise sieht. die anderen sind wissenshungrig, leistungsbereit, ehrgeizig und jung. und selbst militärisch sind wir im unterschied zu den usa völlig bedeutungslos.

picken wir mal nur china raus:

bröselt die kaufkraft in den US und der EU kann china sein wirtschaftswachstum nicht halten und hat auf der stelle riesen soziale probleme.

so ist das nun mal im fahrwasser von riesen: nur weil das einholen in beeindruckender geschwindigkeit passiert ist bedeutet das noch lange nicht das es mit dem überholen auch so leicht wird.

aber eines stimmt: will die EU ein big player werden (oder bleiben, je nach weltbild) muss sie ihre schizophrenie überwinden.

Richtig, nur China hat uns noch land nicht einmal eingeholt! Denn China hat ca. 1/4 der EU BIPs.

Und irgendwann wirds dort auch krachen. Die Leute lassen sich auch in China nicht auf Dauer von jeder Mitbestimmung abschneiden. Wenn man dann noch die ganzen Minderheiten und die Wohlstandsunterschiede bedenkt... Irgendwann krachts dort sicher.

Schon richtig. Nur vorher kracht's ziemlich sicher in den USA und der EU.

Selbstbewußtsein und klarer Blick

Es ist schon einigermaßen schwer zu ertragen, wie mit Europa umgegangen wird.

Der Blick auf Europa wird ganz allein davon bestimmt, wie irgendwelche Finanzmärkte den Daumen heben oder senken. Das mag und das hat sicher einen großen Teil Berechtigung.

Andererseits: Es gibt keinen Anlass, die Leistungen in Europa unter den Teppich kehren zu wollen.

Und wenn Vergleiche zwischen China, den USA und Europa gezogen werden, dann bitteschön sollte man sich bewußt werden, wie es hier um den Lebensstandard, das Bildungsniveau und die Einkommen bestellt ist.

China und die USA können hier nicht "anscheißen".

Insofern ist der obige Kommentar in keinster Weise nachvollziehbar. Wir haben unsere Hausaufgaben, aber Schlechtreden gilt nicht.

Nagelstyling statt Industrieproduktion: Europa ist im selbstangerührten lächerlichen Sumpf der Umverteilung, Gutmensch- und -umweltlichkeit ersoffen!

Wo sind denn all die "Leistungsträger" denen man eben nur umverteilend zur Hand gehen muss, damit sie einen Anreiz zur Leistungserbringung haben?

Wo sind denn all die "Green Jobs", die durch milliardenteure Subventionen geschaffen werden sollten?

Wo sind denn all die Aufschwünge, die durch höhere Sozialleistungen ein perpetuum mobile zur Kaufkraftsteigerung auslösen sollten?

Nichts von all den gutmensch- und umweltlichen Hirngespinsten ist eingetreten. Im Gegenteil: die Subventionen und Umverteilungen machen unsere Gesellschaft träge und produzieren chronische "hauptberufliche" Nehmer.

Europa ist mittlerweile so weit weg von tatsächlicher Konkurrenzfähigkeit wie der ehemalige Ostblock war.

Und es tendiert zu immer mehr "Schutzwällen"

Das Pendel der ökonomischen Globalisierung schlägt halt jetzt gegen uns aus.

Wir haben uns schließlich darauf eingelassen, und anfangs hat es uns ja auch genützt. Ist ja auch schön, qualitätsvolle Produkte zu konsumieren, die zu einem Bruchteil der Kosten in China hergestellt wurden. Der Preis hierfür ist, dass Know-How und ökonomische Macht dorhin gehen, wo produziert wird. Und so versetzen wir selbst die größte Diktatur der Welt in die Lage, uns Bedingungen zu stellen - ganz abgesehen von der militärischen Bedrohung, die daraus erwächst, wenn das dortige Regime das Geld hat, sich mit den modernsten Waffen einzudecken, die verfügbar sind. Politisch-strategisch ist das echt saudumm, wenn man bedenkt, dass es im Gegenzug nur höhere Profite für unsere Geldelite gibt. Und jetzt ist dieses Pferd dabei, uns abzuwerfen.

qualitätsvolle Produkte zu konsumieren, die zu einem Bruchteil der Kosten in

die Qualitaetsprodukte aus China stellen keine relevanten Stueckzahòen dar

Da ist aber ganz schön was an Ihnen vorbeigegangen.

nein, warum

Voellig egal ob Herrenanzuege, Alpinschi, Eislaufschuhe, Kuechengeraete, Geschirr, Uhren u. Schreibgeraete, Schuhe (!), sobald ein gewisses Levell ueberschritten wird, sidn sie Made in Europa bzw. Canada, was die Eishocheyschuhe angeht

Sie sind sowieso beratungsresistent und unbelehrbar.

Also spar ich es mir, darauf zu antworten.

aha

das heiszt ich trage keine Anzuege made in Saarbruecken, fahre keine Schi Made in Vorarlberg, esse nicht von Gmundner o. augarten, trinke nicht aus Riedel o. Lobmeyrglaesern u. meine Eisschuhe sind aus der beruehmten Wifafabrik in China, interessant

"Der Preis hierfür ist, dass Know-How und ökonomische Macht dorhin gehen, wo produziert wird."

Davon sind aber auch die USA betroffen. Unterschied: Die militärische Schlagkraft. Die Europäer verdrängen diesen Faktor seltsamerweise.

"Politisch-strategisch ist das echt saudumm, wenn man bedenkt, dass es im Gegenzug nur höhere Profite für unsere Geldelite gibt."

Sind es überhaupt "unsere" Geldeliten? Wer sind die Aktionäre von Siemens, Volkswagen, Nestle etc.? Zu einem signifikanten Teil anglo-amerikanische Investmentfonds bzw. Spekulanten aus aller Welt.

Die EU hat Europa leider auf nichts anderes als einen "Standort" reduziert, aus dem sich jeder der kann rausholen darf was er will.

Militärische Schlagkraft: Mir fallen da zwei Faktoren ein. Erstens sind wir es - noch vom Kalten Krieg - gewohnt, uns von den USA "schützen" zu lassen. Wir sind einfach nicht auf das eingestellt, was kommen kann. Zweitens haben wir in Europa - Gott sei Dank - nach der Erfahrung des 2. Weltkriegs die Schnauze voll von Krieg.

Zu den Geldeliten: Ich denke, man geht vom Theorem der komparativen Kostenvorteile aus, das in seiner politischen Umsetzung diese Nomaden, die dorthin gehen, wo sie keine Steuern zahlen, geschaffen hat. Wir lassen das ja auch zu, indem wir keinerlei Einschränkungen des Kapitalverkehrs vornehmen wollen.

Bezüglich des letzten Satzes stimme ich Ihnen absolut zu.

so schnell verschieben sich machtverhältnisse nicht

die EU hat nach wie vor ein viel größeres BIP als die genannten aufstrebenden staaten und auch beim militärischen potential stehen die europäer zusammengenommen nicht so schlecht da. die usa sind sowieso nach wie vor unangefochten spitze.

natürlich nimmt die macht der westlichen welt ab und jene der großen schwellenländer zu, aber bis diese gleichziehen können, dauert es schon noch ein wenig

Europa ist immer noch ein Spitze:) Trotz selbstverschuldeter Eurokrise!

Ein weltweiter Vergleich Umweltsituation, Sozialleistungen und Kulturangebot zeigt: Europa ist Weltspitze. Ich bin froh dass ich hier geboren bin und hier leben kann.
Ein ökonomischer Vergleich zeigt, dass USA (100%) und Japan (Über 200%) mehr Schulden haben als Europa und trotzdem gibt es da keine Yen oder Dollarkrise. Das liegt daran, dass die Konservativen Parteien verhindert haben, dass die EZB selbst Bonds ausgeben darf. Was für die USA und JAPAN selbstverständlich ist, günstige Staatsanleihen aufzulegen, haben die Merkels und Co verhindert.
Aber diesen Strukturfehler verschweigt Maier. Und er verschweigt, dass diese Maßnahme Obama auch der Merkel vorgeschlagen hat. Die hat abgelehnt.
Siehe:
http://www.taz.de/Kommentar... ZB/!81230/

Und trotzdem lebe, arbeite und wohne ich dennoch lieber in Europa, als dass ich nach Indien, China oder Brasilien ginge, denn dort ginge es mir trotzdem nicht so gut.

die aktuelle Frage

ist, wie lange noch

Unsere Eliteaffen dachten, sie könnten den Klimawandel

nutzen, um das Hamsterrad des Wirtschaftswachstumes am Laufen zu halten. Wozu sollten die Leute noch hackeln wie blöd, wenn sie schon alles hatten? Jedes Jahr einen neuen Computer, ein neues Handy, alle zehn Jahre ein neues Haus, das braucht keiner. Daher schalteten auch viele zurück. Da mußte der Wirtschaftsmafia was einfallen, um uns unter Arbeitsdruck zu halten. Und wenn privat niemand mehr in dem Ausmaß konsumieren wollte, wie es das Wirtschaftswachstum verlangte, mußten eben öffentliche Investitionen her, für die wir fronen sollten. Umbau der Wirtschaft, früher Pyramidenbau genannt. Krisen, Kriege, Hunger, und diese Pyramide ist weg vom Fenster. Man hat wieder was anderes, um die Untertanen auf Trab zu halten.

Ausflug zum Mars gefällig?

Passt eh besser als zur Venus ...

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