Kinderklinik Innsbruck: Unirat sieht Tilak-Mängel

6. November 2011, 18:01
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Uniratsvorsitzende: "Medizin-ethisch indiskutabel, den dramatischen Tod eines Kindes mit hochschulpolitischen Strategiediskussionen zu verquicken"

Innsbruck/Wien – Eine scharfe Erwiderung auf den Fusionsvorstoß des Tiroler Landeshauptmannes Günther Platter (ÖVP) für die Medizin-Universität Innsbruck und die Universität Innsbruck kommt von der Vorsitzenden des Universitätsrats der Med-Uni Innsbruck, Gabriele Fischer. Platter hatte in der Tiroler Tageszeitung auch den Tod eines dreijährigen Mädchens an der Innsbrucker Kinderklinik als einen Beleg für die Notwendigkeit einer "überfälligen Strukturbereinigung" bezeichnet.

Die Uniratsvorsitzende verwahrt sich im Gespräch mit dem Standard gegen diese Vorgehensweise: "Es ist medizin-ethisch indiskutabel, den dramatischen Tod eines Kindes mit hochschulpolitischen Strategiediskussionen zu verquicken. Es dürfte sich hier primär um Organisationsmängel beim Krankenanstaltenträger handeln. Strukturfragen der Medizin-Uni spielen da überhaupt keine Rolle", warnt die Leiterin der Suchtklinik der Med-Uni Wien vor falschen Schlüssen: "Der Todesfall des Kindes betrifft Fragen verantwortlichen Handelns nach dem Ärztegesetz und nicht das Universitätsgesetz." Zuständig für die Diensteinteilung zur Krankenbetreuung – der Vorfall passierte noch dazu übers Wochenende – sei letztlich die Tilak, die Tiroler Krankenanstalten GmbH.

Dass der vom Rektorat dem Unirat Mitte Oktober vorgelegte Entwicklungsplan inklusive einer Neustrukturierung der Kinderklinik noch nicht genehmigt worden sei, "hat mit dem Fall nichts zu tun und werte ich als politische Taktik", betont Fischer: "Es gab keine Verzögerung, der Prozess läuft im üblichen Zeittempo, wie es das Unigesetz vorsieht." Wohl aber bestehe seit Monaten Handlungsbedarf der Tiroler Landespolitik in Sachen Privatuniversität Umit.

Zu Platters Fusionswunsch – auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle betrieb als Rektor der Uni Innsbruck diesen Plan – sagt Fischer: "Natürlich kann man diskutieren, ob 21 Unis in Österreich nicht zu viel sind, dann aber in einem Gesamtkontext mit echten Doppelgleisigkeiten wie z. B. das Architekturstudium an drei Universitäten am Standort Wien." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2011)

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