Bundesheer

"Schuldenabbau ist sicher dringender als 200 Panzer"

6. November 2011, 17:41

Alle EU-Länder müssen sparen - und Einschnitte bei den Armeen bieten sich dazu förmlich an - Das dürfe aber nicht so unkoordiniert passieren wie derzeit, sagt der deutsche Verteidigungsexperte Christian Mölling.

Wien - Österreichs Bundesheer ist mit seinen Sparzwängen in guter Gesellschaft: Alle EU-Staaten sind derzeit gezwungen, ihre Verteidigungsetats zurückzuschrauben - "Schuldenabbau ist sicher dringender, als ob man 200 Panzer hat oder eben nicht hat", sagt Christian Mölling, Rüstungsexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, im Gespräch mit dem Standard.

Nicht dass gespart wird, sondern wie gespart wird, kritisiert der Wissenschafter: "Bei den Haushaltsverhandlungen von 2009/2010 hat man immer gesagt, man müsse das Fett wegschneiden - tatsächlich hat man aber in die Muskeln geschnitten und teilweise sogar das Skelett erwischt. Und dennoch sind Fettpolster geblieben." Zu diesen zählt Mölling unter anderem die Eurofighter - "die waren eine spezifische Antwort auf eine spezifische russische Bedrohung", dass man weiterhin an dem Programm festhalte, binde Mittel, die an anderen Stellen fehlen. Dafür werde andernorts radikal gespart - mit Folgen, die bis zur Forschungspolitik reichen: "Wir verlieren die technologische Führerschaft."

Zwar biete die Flugzeugindustrie Hochtechnologie-Arbeitsplätze, in anderen Bereichen der Rüstungsforschung aber könne Europa nicht mehr mithalten. Selbst familiengeführte Rüstungsunternehmen wie Krauss-Maffei-Wegmann verlagerten derzeit ihre Standorte auf andere Kontinente: "Europa erlebt einen rüstungsindustriellen Exodus."

Der Experte, der in der Vorwoche auf Einladung des Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik in Wien war, nennt als Beispiel die Niederlande, die als Kunde ausfallen. Die Niederländer haben auf einen Schlag ihre Panzerflotte abgebaut - sie verlassen sich darauf, dass im Fall eines bewaffneten Konflikts die Deutschen oder die Franzosen mit ihren Panzerflotten bereitstehen würden. Dies sei aber nicht koordiniert worden.

Gerade unter Sparzwängen wäre internationale Rüstungskooperation wichtig, sonst verliere Europa seine Verteidigungs- und Interventionsfähigkeit. Selbst ein Wiederaufflammen des Kosovokonflikts sei von den Europäern nur schwer allein in den Griff zu bekommen.

Das Problem sei, dass die europäische Politik die Militärfragen nicht ernst genug nehme: "Da braucht man immer ein Bedrohungsbild" - und von dem ist wenig zu sehen. Europa müsse sich vielmehr fragen, was es militärisch können will. Bei der Intervention in Libyen hätte sich die Überlegenheit der Amerikaner bei Aufklärungs- und Führungsmitteln gezeigt, gleichzeitig seien die Kollateralschäden minimiert worden. Damit seien Standards gesetzt worden, hinter die man nicht mehr zurückgehen sollte.

Mölling regt an, dass die europäischen Staaten ihre Rüstungs- und Militärpolitik stärker koordinieren, sonst gäbe es in der EU bald 26 Bonsai-Armeen, von denen keine mehr ihre Verteidigungsaufgaben allein bewältigen kann, die aber auch nicht mehr die Struktur für eine Kooperation hätten. (Conrad Seid, DER STANDARD, Printausgabe, 7.11.2011)

Kommentar posten
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Phoenixx
 
00
7.11.2011, 23:05

Alles eine Frage wie setzte ich die Mittel die man zur Verfügung hat "Sinnvoll" ein.

Wie in der realen Wirtschaft: Kleine Verwaltung, effektiver Einsatz der Gelder für die Sache.
Aber ohne Overhead, Korruption und Freunderlwirtschaft bitte.

Dann klappts auch.

Phoenixx
 
10
7.11.2011, 22:48

Fehlende oder lahme Wehrbereitschaft war noch für jedes Reich in der Weltgeschichte der Untergang.

Zusätzlich wird jeder Sohn ein Müttersöhnchen das sich nicht mal einen Knopf annähen kann, geschweige weiss was kalte Füsse sind.

lalucre
11
7.11.2011, 18:34

Die Niederlande sind ja ein tolles Vorbild...

"Die Niederländer [...] verlassen sich darauf, dass im Fall eines bewaffneten Konflikts die Deutschen oder die Franzosen mit ihren Panzerflotten bereitstehen würden."

Abgesehen davon, dass das schmarotzerisch (gibts das Wort?) ist, ist das doch eine super Lösung. Schaffen wir doch auch unsere Panzer (oder am Besten gleich das ganze BH) ab, und vertrauen darauf, dass uns die Deutschen, Tschechen, Slowaken, Ungarn, Slovenen, Italiener, Schweizer und Liechtensteiner verteidigen, wenn mal der Hut brennen sollte.

Phoenixx
 
10
7.11.2011, 22:53

genau -nach dem Motto "Die anderen werden es schon richten".

Doch die machen das geleiche.
:-(
Hoffentlich hat jeder der klar denkt ein sch..eisen zu Hause um seine Familie zu verteidigen.

Uttar (49)
01
8.11.2011, 15:37

Und die mit dem Sch...eisen daheim sind genau diejenigen vor denen man seine Familie beschützen muss.

der gärtner
02
7.11.2011, 13:59

der libyen-einsatz hat imo gezeigt wie hilfsbedürftig panzer heutzutage sind und wie wichtig gleichzeitig der eurofighter, bzw die luftwaffe ist.

selbst wenn gadaffi 3x so viele panzer gehabt hätte, wäre das resultat das gleiche geblieben, die nato hätte nur ein paar bomben mehr kaufen müssen.

m3a
00
8.11.2011, 10:15

das traurige ist wohl, dass ein panzer vom gaddhafi vermutlich die hälfte von dem gekostet hat, was ein luftangriff + bombe gekostet hat.

Feuergeist
 
00
7.11.2011, 15:25
Das ist eine Frage der Bedrohung

Die Abwehr eines massiven Panzerangriffs war zu Zeiten der NATO/WAPA-Bedrohung aktuell. Heute geht es eher um einen bewaffneten Konflikt in einem Nachbarstaat, wobei die Aufgabe des BHs ist, einen Übergriff der Kampfhandlungen auf unser Staatsgebiet zu verhindern (geschehen Anfang der 90er in Kärnten, die Chance das Ähnliches in der ehemaligen CSSR passiert wäre war gegeben). Die Serben haben sehr wohl Übertritte auf österr. Boden in erwägung gezogen. Und auch der Draken hat seinen Auftrag erfüllt. Auch hat der Kärnteneinsatz einige Fehler aufgezeigt die nachher behoben wurden. In Lybien hat eine moderne Armee gezielt die Streitkäfte angegriffen. Eine völlig andere Situation, der Vergleich hinkt also.

Dr. Ehrlich
00
7.11.2011, 14:18
kommt halt schon auf die panzer an. einen t54 oder 72

mit einem M1 oder Leopard zu vergleichen ist schwachsinn.

Phoenixx
 
00
7.11.2011, 22:55

wird alles nicht mehr in betracht gezogen - wir sind ja in der gelobten EU - da kann ja das alles nicht mehr passieren.

Fehlkalkulation.

Feuergeist
 
01
7.11.2011, 15:53
Eigentlich in diesem Zusammenhang egal, da

alle vier Modelle einem gezielten Luftangriff Nichts entgegenzusetzen haben.
Da auch der Panzer offenes Gelände braucht und die Zielerfassung der Luftwaffe mittlerweile sehr effizient ist, hat der Panzer ein schweres Leben.
Aber: nicht alle (sogar nur die wenigsten) Armeen sind mit einer großen und modernen Luftwaffe ausgestattet. Daher stellt der Panzer sehr wohl noch eine Bedrohung dar. Und die aktive Luftabwehr durch eigene Flieger wird dabei ebenfalls außer Acht gelassen (Bodenabwehr hat stark an Bedeutung verloren, ich sag das als ehemaliger FLA-UO)

der gärtner
00
7.11.2011, 15:50

nicht was die vulnerabilität gegen luftangriffe angeht.

da kann der leo genauso viel machen wie der t55, einnebeln und hoffen, dass das die laserzielerfassung stört, wobei das gegen moderne radargelenkte panzerabwehrraketen, wie sie eben heuer in libyen von eurofightern eingesetzt wurden, auch nichts mehr hilft.

flohimpelz
33
7.11.2011, 13:59
Alles Schwachsinn - Bundesheer abschaffen!!!

Österreich ist das ideale Land für einen Partisanenkrieg - ähnlich Afghanistan - hier genügen ein paar tausend motivierte Partisanen, mit der Gegend vertraut und ein bisserl günstiges Kriegsspielzeug um jede Großmacht abblitzen zu lassen.
Was uns hier vorgegaukelt wird ist weder Landesverteidigung noch Katastrophenschutz sondern ein Versorgungspostenkarussell welches mehr Generäle als Panzer besitzt.

Feuergeist
 
12
7.11.2011, 15:17
Solange du von Westösterreich sprichst geb ich dir Recht,

bei uns im Osten schauts da aber ganz Anders aus. Bei uns (Marchfeld, Weinviertel,...) wachsen keine Berge. Aber wir haben folgendes Problem: du wirst keine paar tausend MOTIVIERTE Partisanen in Österreich finden.
Und nichr vergessen: den Leuten Waffen in die Hand zu drücken reicht bei Weitem nicht. Ausbildung am Gerät ist schon nötig....

lanigirO
00
7.11.2011, 20:04
westösterreich reicht zum verteidigen

in Afghanistan ist auch nicht jede Provinz von Partisanen kontrolliert, für einen erfolgreichen Partisanenkrieg reicht es, wenn man eine gut gesicherte Basis besitzt!
Und was die Freiwilligen angeht: Spätestens wenn die Bomben einschlagen und es die ersten Kriegsverbrechen gibt, dann gibt's mehr als genug freiwillige!

No Panama!
00
8.11.2011, 18:12

Na wenn Dir Afghanistan so taugt, dann geh doch hin...

mrheli
01
7.11.2011, 11:59

Militärische Abkommen zwischen den Staaten wären in Europa interessant.
Wenn man zb. Österreich hernimmt muss man sich fragen welche Lösung für die Landesverteidigung denn die Beste wäre, zum Einen will man möglichst günstig davon kommen und zum Anderen muss ja auch eine Funktion der Verteidigung erfüllt werden. Es hilft ja nicht wenn man nur zum Schein eine Armee unterhält die im Ernstfall nicht reagieren kann.

randolf
02
7.11.2011, 11:15
Ja ja

Es hätte gereicht statt den Eurofightern die ganzen Störche zu rekrutieren. Diese mit ordentlichen Material ausstatten, Helme und Uniformen, und gut wäre es gewesen... feindliche Truppenverbände hätten es nie gewaagt auch nur daran zu denken in unsrem Luftraum ein zu dringen... immerhin trauen sich nicht einmal unsere eigenen Teuro- Neutralitäts Fliegen äh Flieger Einheiten, obwohl freidlich gesinnt, nicht einmal starten, sind die kampferbrobten Störche in der Nähe...

01052004
03
7.11.2011, 11:12
also ich hab ein bedrohungsbild:

gierige banken und tumbe politiker, die hand in hand österreich/europa unterminieren

mit dem ziel der totalen kontrolle...

sorry, da brauch ich weder einen pösen iran, noch pöse russen...

und gegen alles aufkaufende chinesen wiurd man mit ein paar panzern und aufklärungsdrohnen nicht wirklich weit kommen, oder???

supermike
42
7.11.2011, 10:39
Bei der Intervention in Libyen hätte sich die Überlegenheit der Amerikaner bei Aufklärungs- und Führungsmitteln gezeigt, gleichzeitig seien die Kollateralschäden minimiert worden.

Wo leben die denn ? Und was ist mit den geschätzten 50.000 Toten und der derzeit willkürlichen Tötungen in Libyen ? Das Land versinkt im Chaos nachdem Gaddafi Tod ist und Waffen sichern zu zehntausenden in Hände der Al Kaida und an Palästinenser.

Verteidigungsaufgaben allein bewältigen: dem stimme ich zu und deshalb führt in Österreich auch kein Weg an der Wehrpflicht vorbei. Es ist die preiswerteste Lösung um im Ernstfall unser Land mit einer hohen Mobilmachungsstärke zu verteidigen. Denn wie man in Libyen gesehen hat ist im Ernstfall schweres Material in ein paar Tagen zerstört - dann zählt nur Mann gegen Mann.

DiscoDiskurs
62
7.11.2011, 10:47
Mann gegen Mann?

Ich will die "Mann gegen Mann"-Romantik ja nicht stören, aber für Österreich ist das schlicht und einfach irrelevant. Es gibt keine klassische Bedrohung in den kommenden 25-30 Jahren. Für das Festhalten an der allgemeinen Wehrpflicht gibt es - aus verteidigungspolitischer Sicht - keinen nachvollziehbaren Grund mehr.

Abgesehen davon:
60 % aller Wehrpflichtigen sind Systemerhalter (Köche, Fahrer, Maler, etc.) Die haben nach ihrer Grundausbildung keine militärische Verwendung mehr und daher auch keine Praxis in militärischen Belangen. Mit diesen Leuten können wir uns gar nicht verteidigen... Nach 2 Jahren haben die vom "Kriegshandwerk" keine Ahnung mehr, sollten sie je eine gehabt haben...

Captain Smoker
00
8.11.2011, 11:49

Ist das ein Zitat von der Krone. ;)

sanginius
02
7.11.2011, 13:18

1988 hätte sich auch niemand getraut zu träumen dass der Warschauer Pakt nur kurze Zeit später sich auflöst.

mit so Zukunfts Vorhersagen, vorallem mit militär. Bedrohungszenarien würde ich mich doch sehr zurück halten...

CC79
10
7.11.2011, 13:32

Nur war's halt 1988 umgekehrt: Bedrohung ist weniger geworden.

sanginius
01
7.11.2011, 18:00

aha und daher ist es undenkbar dass es auch die andere richting gehen kann?

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