Raubtier mit dem kräftigsten Biss bestimmt

6. November 2011, 18:14
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Der Bär Agriotherium africanum war auf Fleisch spezialisiert - aber auch der vegetarisch lebende Panda beißt kräftig zu

Newcastle - Das Landsäugetier mit dem kräftigsten Biss aller Zeiten stammt aus Afrika. Doch handelt es sich dabei nicht um den Löwen oder eine andere Raubkatze, sondern um einen ausgestorbenen Bären, wie die BBC berichtet. Agriotherium africanum lebte am Ende des Miozän vor etwa fünf Millionen Jahren und war eine der ganz wenigen Bärenspezies, die sich jemals in Afrika etablieren konnten. Seit dem Aussterben des nordafrikanischen Atlasbären im 19. Jahrhundert gibt es keinen Vertreter der Familie mehr auf dem Kontinent.

Agriotherium africanum wurde bis zu 2,7 Meter lang und hatte eine ähnlich kurze Schnauze wie der riesenhafte eiszeitliche Kurznasenbär Nordamerikas. Zudem hatte er einen für Bären außergewöhnlich hohen Fleischanteil auf dem Speisezettel - dank seiner körperlichen Masse dürfte er sich auf große Huftiere spezialisiert haben.

Fettlutscher und Bambusknacker

Dass die Ernährung aber nicht unbedingt mit der Beißkraft korrelieren muss, konnten australische Forscher um Stephen Wroe von der University of Newcastle zeigen, indem sie die Schädel verschiedener Arten per Computertomographie untersuchten. Sie fanden dabei nicht nur heraus, dass die Beißkraft von Agriotherium die von Großkatzen sowie sämtlichen heutigen Bärenarten deutlich übertrifft. Überraschenderweise ergab sich dabei auch, dass der Eisbär, obwohl er sich ebenfalls fast ausschließlich von Fleisch ernährt, einen ziemlich schwachen Biss hat - in Relation zu seiner Größe gar den schwächsten Biss aller Bärenarten. Für ihre hauptsächliche Beute, nämlich Robben, reicht dies offensichtlich aus. Wroe schlägt deshalb gar vor, Eisbären "nicht als wahre Fleischfresser, sondern als Fettlutscher" zu kategorisieren.

Eine zweite - vermeintliche - Überraschung brachte der Vergleich ebenfalls: Einen ausgesprochen kräftigen Biss hat nämlich ausgerechnet der Panda, und das obwohl seine Nahrung fast ausschließlich aus Pflanzen besteht. Wroe weist jedoch darauf hin, dass dies keineswegs verwunderlich ist: Der Panda muss beträchtliche Kraft aufwenden können, um dicke Bambushalme zu knacken. (red)

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