Als das Wünschen nicht geholfen hat

6. November 2011, 17:33
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Alarmruf: Das Wiener Theater in der Josefstadt sieht sich strukturell vernachlässigt

Wien - Josefstadt-Theaterdirektor Herbert Föttinger kämpft an mehreren Fronten zugleich, um Ungemach von seinem Haus abzuwenden. Zum einen steht die längst fällige Gebäudesanierung der Wiener Kammerspiele an: Seit 100 Jahren habe die Dependance an der Rotenturmstraße keine Generalüberholung mehr erfahren.

"Fünf Millionen Euro habe ich bereits von Donatoren für dieses Projekt zugesagt bekommen", sagt Föttinger: "Unser Ziel ist, dass wir mit acht Millionen aus eigener Kraft diese Renovierung stemmen. Die Stifter, Bund und Stadt, sollen mit je zwei Millionen die Sanierung unterstützen." Fazit: "Den Löwenanteil bestreitet die Josefstadt mit ihren Sponsoren selbst. Das ist sicher einzigartig in der Theatergeschichte." Andernfalls, so Föttinger, werde er, wie im Standard bereits im Spätsommer angekündigt, auf der Kärntner Straße sammeln gehen.

Von noch schwindelerregenderer Brisanz aber ist jene Notsituation, die mit der erwarteten Kollektivvertragserhöhung für das Budget des Hauses unausweichlich heraufzieht. Die anstehende Erhöhung der Gehälter von rund 360 Mitarbeiterinnen - sie unterliegen dem Gemeindebediensteten-Kollektivvertrag - wird auf voraussichtlich zwei bis drei Prozent taxiert. Die Angestellten, vom Tischler über den Tapezierer bis zum Billeteur, hätten "ein Recht darauf, die von der Gewerkschaft verhandelten Erhöhungen bezahlt zu bekommen." Föttinger, noch deutlicher: "Ich finde es unverantwortlich, dass unsere Mitarbeiter den Gemeindebediensteten nicht gleichgestellt sind, dort wird die KV-Erhöhung selbstverständlich von der öffentlichen Hand finanziert."

Die Schere klafft schmerzlich auf: Die von Stadt und Bund ab 2013 in Aussicht gestellte Subventionserhöhung wird mit 380.00 Euro veranschlagt, der errechnete Bedarf schlägt mit satten 700.000 Euro zu Buche. Für Föttinger ist das Ende der Fahnenstange erreicht: "Wir können die Kartenpreise nicht weiter erhöhen. Wir sind bei den Kartenerlösen Spitzenreiter." Man erwirtschafte, so Föttinger, mehr Einnahmen aus dem Kartenerlös als Burg- und Akademietheater zusammen. Wenn nichts und niemand mehr weiterhilft, stehe die Qualität des Hauses infrage.

Föttinger glaubt, dass das verantwortungsvolle Wirtschaften in seinem unterdotierten Haus unbelohnt geblieben ist: "Wo soll man denn einsparen? 80 Prozent unserer Kosten sind Lohnkosten. Ich will mir nicht vorstellen, dass wir gezwungen werden sollen, Mitarbeiter, die wir brauchen, auf die Straße zu setzen." (Ronald Pohl, DER STANDARD - Printausgabe, 7. November 2011)

  • Herbert Föttinger schlägt einen Josefstädter Alarm.
    foto: standard/robert newald

    Herbert Föttinger schlägt einen Josefstädter Alarm.

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