Microsoft schenkt Open-Source ein bisschen Liebe

6. November 2011, 11:45
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Softwarekonzern trägt erstmals zum Samba-Projekt bei - Beobachter sprechen vorsichtig von Meilenstein

Vergangenen Mittwoch gab Samba-Projektleiter Christopher Hertel bekannt, dass Microsoft mit einem Update zur Verbesserung der Open-Source-Software beigetragen hat. Was vor wenigen Jahren noch als undenkbar erachtet worden wäre, sehen viele in der Community nun als Meilenstein. Der Redmonder Softwarekonzern hat damit eine Entwicklung unterstützt, die die eigens aufgestellten proprietären Grenzen zumindest ein Stück weit niederreißt.

Anti-Microsoft-Verhalten

Das Samba-Projekt setzt auf Microsofts Server Message Block (SMB) mit Open-Source-Code auf und ermöglicht, dass Windows-Desktops mit Linux-File-Servern kommunizieren können. In vieler Hinsicht kann es damit als Paradebeispiel für eine Anti-Microsoft-Initiative erachtet werden. Umso bemerkenswerter sei nun Microsofts Beitrag zu dem Projekt, wie Wired einige Branchenstimmen zusammenfasst: Anstatt das Microsoft-Ökosystem weiter abzuschotten, half man nun aktiv dabei mit, es etwas zu öffnen. 

"Wegweisender Moment"

"Vor einigen Jahren wäre dies noch undenkbar gewesen", so Hertel und dessen Kollegen über Microsofts Mitwirken. "Aber die Kämpfe sind zum Großteil vorbei und die Zeiten haben sich geändert. Wir sind uns noch bei einigen Punkten nicht einig - beispielsweise was Softwarepatente angeht. Aber Microsoft ist nun ganz vorne dabei, eine stärkere Community aufzubauen und die Interoperabilität in der SMB-Welt zu verbessern."

Open-Source-Experte Matt Asay sieht darin sogar einen "wegweisenden Moment". "Es hat über 10 Jahre bis zu diesem Moment gedauert, aber für mich ist er definitiv wegweisend und er deutet auf eine starke Beteiligung Microsofts an Open-Source für viele weitere Jahre hin", so Asay.

Keine voreiligen Schlüsse ziehen

Doch nicht jeder in der Open-Source-Gemeinde teilt diese euphorische Einschätzung. Zum einen gelte es zu bedenken, weshalb Microsoft sein Verhalten ändere. Wie Wired anmerkt, dürfte hier nicht nur guter Wille sondern vor allem auch das streng wachende Auge der Kartellbehörden der EU und USA Beweggrund sein. Eine Rekordstrafe der EU 2007 verpasste dem Monopolisten einen Denkzettel. Auf der anderen Seite, wiege die Beteiligung an einem Projekt wie Samba heute nicht mehr so schwer, wie vor einigen Jahren. "In einer Zeit, in der die meisten Applikationen bereits im Web sind oder sich am Weg dort hin befinden, sind wir weit weniger bedeutend", merkt Jeremy Allison, einer der Samba-Leiter, an.

Neuer Feind, alte Bräuche

Microsofts Samba-Patch bedeute weniger, weil sich die Fronten verlagert haben. Der primäre Gegenspieler ist nicht mehr Linux, sondern Google. Sowohl im Bereich Web als auch bei mobilen Endgeräten ist der Suchmaschinenriese die Bedrohung für Microsoft geworden. Und während hier Google zum großen Teil auf eine Open-Source-Strategie setzt, verfährt Microsoft wie gehabt nach alten Mustern. Hardwarehersteller, die auf Googles Handy-Betriebssystem Android setzen, werden mit Patentklagen zu Lizenzzahlungen verpflichtet und sogar alte Erzfeinde wie Apple werden zu Freunden, wenn es um die Einbremsung der offenen Plattform geht. "Man kann auch sagen, dass Microsoft (von der einstigen Ausgrenzungsstrategie) sich dazu bewegt hat, Open-Source-Projekte nun mit Patenten zu bekämpfen", so Allison. Microsofts Liebe zu Open-Source sei daher also nicht bedingungslos. (zw)

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    Microsoft-Boss Steve Ballmer tanzt ein bisschen Samba

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