Ganz Italien von schweren Unwettern erfasst

7. November 2011, 09:45
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Po droht über die Ufer zu treten

Rom - Die schweren Unwetter in Italien ziehen vom Norden jetzt nach Süden weiter. Heftige Überschwemmungen wurden in der süditalienischen Region Kampanien gemeldet. Wegen der heftigen Winde fiel in Pozzuoli bei Neapel ein Baum auf ein Auto und tötete den Fahrer. Die Bürger Neapels wurden aufgerufen, nicht auf die Straße zu gehen. Wegen der heftigen Niederschläge kam es zu erheblichen Problemen mit dem Bahn- und Flugverkehr.

Nachdem ihr Auto unweit der Stadt Matera von einem Bach weggerissen wurde, seien zwei Personen vermisst, berichteten italienische Medien am Montag. Bei den Insassen handelte es sich um eine 44-jährige Frau und ihren 86-jährigen Vater. Schwere Überschwemmungen gab es in der Region Kampanien.

Ligurien und Piemont sind auch weiterhin von den heftigen Niederschlägen betroffen, die seit Tagen die Gegend heimsuchen. Der Zivilschutz befürchtet, dass aufgrund des Regens der längste Fluss Italiens, der Po, über die Ufer treten könnte. Der Wasserpegel ist in den vergangenen Stunden beträchtlich gewachsen. Vor allem unweit der Stadt Piacenza wächst die Sorge vor Überschwemmungen.In Ligurien mussten aus Sicherheitsgründen 1500 Personen ihre Wohnungen verlassen. Auch in der piemontesischen Stadt Alessandria wurde ein Stadtviertel überschwemmt. Die Bahnlinie zwischen Turin und Savona wurde wegen Erdrutschen unterbrochen.

Feuerwehr im Dauereinsatz

Inzwischen sind Hunderte Feuerwehrmannschaften und Freiwillige im Einsatz, um die Straßen Genuas von Schlamm und Geröll zu befreien. Nach tagelangen Regenfällen haben sich die Straßen und Gassen der Lagunenstadt in reißende Bäche verwandelt. Der Fluss Bisagno trat über die Ufer und überschwemmte mehrere Stadtteile. Riesige Wasser-und Schlammmassen, die plötzlich durch eine Straße in der Innenstadt strömten, erdrückten vier Frauen und zwei Kinder, die in einem Hauseingang Zuflucht gesucht hatten. Das jüngste Opfer war erst elf Monate alt. Die Wassermassen drückten Schaufenster ein, Schlamm und Trümmer rissen zahllose Fahrzeuge mit.

Untersuchungen wegen fahrlässiger Tötung

Die Justizbehörden Genuas leiteten Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein. Offensichtlich sei in der Stadt dort gebaut worden, wo man wegen der Gefahr von Hochwasser nicht hätte bauen dürfen. Wegen wilder Zementierung und dem Bau vieler Tiefgaragen sei der hügelige Boden der Stadt Genua unsicher geworden. Unabhängig vom Klimawandel sei es unannehmbar, dass Ligurien immer wieder von Erdrutschen heimgesucht werde, betonte ein Staatsanwalt. Auch der italienische Präsident Giorgio Napolitano forderte eine Untersuchung bezüglich der Ursachen der katastrophalen Erderutsche in Genua. Empörte Bürger beschimpften am Samstag die Genueser Bürgermeisterin Marta Vincenzi und beschuldigten sie, keine Vorbeugemaßnahmen ergriffen zu haben, obwohl seit Tagen heftige Regenfälle angesagt waren. Der Papst sprach den Familienangehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Erst vor zehn Tagen hatten verheerende Unwetter die Regionen Ligurien und Toskana heimgesucht, bei denen zehn Menschen ums Leben gekommen waren. Laut Wetterexperten wird das schlechte Wetter im Norden zumindest noch über das Wochenende anhalten. Die Experten machen mangelnde Finanzierungen für den Katastrophenschutz für das Desaster verantwortlich. Zu lang habe sich die Politik in Italien nicht um die Umwelt und um den Kampf gegen Bausünder gekümmert. Das seien jetzt die Resultate. (APA/red)

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    Vier Frauen und zwei Kinder wurden von Wasser- und Schlammmassen erdrückt.

  • Der längste italienische Fluss Po droht über die Ufer zu treten.
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    Der längste italienische Fluss Po droht über die Ufer zu treten.

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    Von der Flut zusammengetriebene Autos in Genua.

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