Chevenement kandidiert wieder bei Präsidentenwahl

5. November 2011, 22:10
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Ex-Sozialist hatte 2002 zur Niederlage Jospins beigetragen

Paris - Der frühere französische Verteidigungs-, Erziehungs-, Industrie- und Innenminister Jean-Pierre Chevenement, Ehrenpräsident der linken "Republikanischen Bürgerbewegung" (MRC), hat am Samstagabend angekündigt, dass er 2012 bei der französischen Präsidentenwahl als Kandidat antreten wird. "Ich habe viel überlegt und beschlossen, zu kandidieren, um die Fronten in Bewegung zu bringen, das heißt um Frankreich auf die Höhe der Herausforderungen zu stellen, die uns bevorstehen", sagte der 72-jährige frühere sozialistische Spitzenpolitiker im Fernsehsender "France 2".

Chevenement war wie alle anderen Linksparteien dazu eingeladen, sich im Oktober an den von den Sozialisten (PS) organisierten Vorwahlen zur Nominierung des linken Präsidentschaftskandidaten zu beteiligen. Der MRC-Ehrenpräsient lehnte das Angebot allerdings ebenso wie die Kommunisten (PCF) und die "Linkspartei" von Jean-Luc Melenchon ab. Aus den Vorwahlen ging Ex-PS-Chef Francois Hollande als Sieger hervor.

Bei der Präsidentschaftswahl 2002 kam Chevenement in der ersten Runde auf 5,3 Prozent der Stimmen und trug dazu bei, dass der sozialistische Premier Lionel Jospin nicht in die Stichwahl kam, in der sich der gaullistische Amtsinhaber Jacques Chirac und Jean-Marie Le Pen, Chef des rechtsextremen "Front National" (FN), gegenüberstanden. 2007 hatte Chevenement auf eine Kandidatur zugunsten der Sozialistin Segolene Royal verzichtet.

Chevenement war 1981-83 in der ersten Linksregierung nach der Wahl von Francois Mitterrand zum Staatspräsidenten Industrie- und Forschungsminister, 1984-86 Erziehungsminister und 1988-91 Verteidigungsminister. Er trat in spektakulärer Weise zurück, weil sich Paris gegen seinen Willen in die damalige Golfkriegs-Allianz gegen den Irak einordnete. Auch gegen den Einsatz der NATO in Jugoslawien erhob er Einwände. Die Europa-Politik war der Grund dafür, dass Chevenement 1993 die Sozialistische Partei (PS) verließ und seine eigene Gruppe gründete, die Bürgerbewegung (Mouvement des Citoyens), die dann zur MRC wurde. 2002 verließ er als Innenminister die Linksregierung von Premier Lionel Jospin aus Protest gegen dessen Korsika-Politik. 2007 hatte sich Chevenement gegen die Ratifikation des EU-Reformvertrags eingesetzt. (APA)

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