Prošoustat

Einserkastl4. November 2011, 20:30
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Wenn Italien krachen geht, dann haben wir wirklich ein Replay der Dreißigerjahre in Europa

Mit der griechischen Katastrophe kann Europa wahrscheinlich noch irgendwie fertigwerden, wenn aber das drittgrößte Euroland Italien krachen geht, dann haben wir wirklich ein Replay der Dreißigerjahre in Europa. Diese von allen Informierten geteilte Ansicht sprach der tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg kürzlich auf die ihm eigene Weise aus: "Tatsache ist, dass Berlusconis Regierung fehlenden Reformeifer zu verantworten hat. Berlusconi hat leider diesen Zeitraum durchgebumst, anstatt ihn für Reformen zu nutzen."

Schwarzenberg (eigentlich Karl Johannes Nepomuk Josef Norbert Friedrich Antonius Wratislaw Mena Fürst zu Schwarzenberg) bediente sich dabei gegenüber der Tageszeitung Lidové Noviny des tschechischen Volksausdrucks prošoustat (durchreiben, durchwetzen). Standard-Poster xaeins führt dazu an, dass daraus im alten, stark tschechischen Wien das Tätigkeitswort "schustern" wurde.

Danke, Karel, für diese böhmische Volkssprache. Denn Berlusconi ist nicht nur ein unerträglicher alter Gauner, sondern die wirkliche Gefahr für Europa. Er gehört weg, schnell. Er, der einst als Retter aus der Misswirtschaft der traditionellen Parteien gesehen wurde, hat Italien mit seiner betrügerischen Politik prošoustatiert und droht, dasselbe mit Europa zu tun. Europa hat die Geduld mit Griechenland verloren, nun muss es auch die Geduld mit Berlusconis Italien verlieren, wenn es sich retten will. (DER STANDARD Printausgabe, 5.11.2011)

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    Europa hat die Geduld mit Griechenland verloren, nun muss es auch die Geduld mit Berlusconis Italien verlieren.

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