Mayers Europablog

Obama als begossener Pudel von Cannes

Blog | Thomas Mayer, 5. November 2011, 11:37
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    foto: ap/dharapak

    Präsident Obama am G-20 Gipfel vom Regen in die Traufe. Der Humor soll aber trotzdem nicht zu kurz kommen.

In Cannes am G-20-Gipfel jagte eine Sitzung die andere - und nebenbei mussten sich Staatschefs mit den politischen Eigenheiten der Europäischen Union herumschlagen

Bei dem in strömendem Regen am Abend zu Ende gegangenen G-20-Gipfel in Cannes gab es nur wenig zu lachen. Fast rund um die Uhr jagte eine Sitzung der 19 Staats- und Regierungschefs aus den Industrie- und Schwellenländern, die durch die EU-Spitzen José Manuel Barroso und Herman Van Rompuy komplettiert wurden, die andere. Die miserable Lage in Europa durch die Eurokrise, die laufende Achterbahnfahrt in Athen und etwas bizarre Auftritte von Italiens Premier Silvio Berlusconi überlagerten fast völlig die anderen Themen.

Die Vertreter Chinas, Indiens oder Brasiliens kamen oft aus dem Staunen nicht heraus, was für diffizile, widersprüchliche, für Außenstehende kaum zu entziffernde Probleme die Europäer haben. US-Präsident Barack Obama war es schließlich, der dies mit feiner Ironie ansprach und beim Gipfel für heiteres Lachen sorgte. "Es gibt wirklich viele Institutionen hier in Europa", ließ er bei seiner weltweit beachteten Pressekonferenz im Festspielhaus nebenbei fallen. Da gäbe es die Kommission, das EU-Parlament, die vielen Parlamente, die Räte, Merkel, Sarkozy, Barroso, Van Rompuy.

Nach dem ersten Gekicher unter den Journalisten legte er nach: "Wissen Sie, Sie alle gaben mir hier in den letzten Tagen einen richtigen Crash-Kurs über Europa. Hier gibt es viele, viele Sitzungen, die sind ziemlich zeitfressend", sagte er und schmunzelte verschmitzt.

Die Anspielung galt einem Donnerstagabend spontan einberufenen Euro-Minigipfel, zu dem Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach dem offiziellen G-20-Abendessen noch eingeladen hatte: den dritten nach dem Showdown mit dem griechischen Premier Papandreou zum Auftakt und dem Mini-Euro-Gipfel mit Spanien und Italien am Vormittag. Mit Sarkozy und der deutschen Kanzlerin saßen dort spätnachts also wieder Italiens Premier Silvio Berlsuconi, Spaniens Premier Zapatero, die Chefs von EU und Währungsfonds. Hauptthema: Wie kann man einem Angriff der Märkte auf Italien begegnen? Wie kann man den Eurorettungsschirm in Billionenhöhe verstärken? Dazu wurde gegen Mitternacht schließlich noch Obama dazugebeten, um die Finanzierungsfragen beim IWF abzusichern. Der US-Präsident erschien nach Angaben des Corriere della Sera im Jogginganzug.

Dennoch: Im ernsten Teil seiner Ausführungen zum Abschluss des Gipfels zeigte er sich der Präsident dann absolut überzeugt davon, dass die europäischen Partner ihre Probleme am Ende hinbekommen werden. Die USA wollten ein starker Partner sein, die G 20 seien bereit, die Europäer zu unterstützen. Obama: "Wir haben ihnen einige Ideen geliefert und einige Möglichkeiten aufgezeigt."

Cannes dürfte der US-Präsident aber auch noch aus einem anderen Grund für immer in Erinnerung bleiben. Sarkozy, der im Mai die Wiederwahl anstrebt, inszenierte am Alten Hafen vor dem Rathaus noch eine pathetische gemeinsame Feier mit Obama, bei der die enge Beziehung, die gemeinsame Geschichte bis hin zur Besiedlung Amerikas beschworen wurde, und die militärische "Waffenbrüderschaft". Eine Militärkapelle spielte die Hymnen der beiden Länder, dann wurden die Hymnen gleich noch einmal von einem Männerchor gesungen. Ein paar hundert Franzosen applaudierten und jubelten artig: in strömendem Regen. Es goss wirklich wie mit Schaffeln.

Der Clou dabei: Die Präsidenten hatten - wohl um die Würde (für die Fernseh- und Wahlkampfbilder hervorzustreichen, keine Regenschirmträger, standen ewig lange einsam im Wasser. Obama sah nach zehn Minuten aus wie ein begossener Pudel, und musste darüber sichtlich selber lachen. In seiner Abschiedsrede bedankte er sich bei Sarkozy, Frankreich, den Leuten von Cannes ganz herzlich für die Gastfreundschaft (bei dem wirklich sehr gut organisierten Gipfel), und er spottete: "Danke vor allem für das schöne Wetter!" Dann entschwand er mit Sarkozy nach Paris.

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F S 3
05
8.11.2011, 02:44
NAch der PK tratschten Obama und Sarkozy noch ein wenig in ihren privaten Gemächern weiter, wobei die Unterhaltung weniger "privat" war, da die Mikrophone noch eingeschaltet waren…

…Irgendwann ging es dann um das Thema Netanyahu und Sarkozy meinte: "Ich halte ihn nicht aus, er ist ein Lügner".

Worauf Obama antwortete: "Sie haben die Nase voll von ihm - aber ich muß mich jeden Tag mit ihm auseinandersetzen". (Ynet)

Bortolino
00
7.11.2011, 15:26
Obame weiter gegen Finanztransaktionssteuer

Hängt das vielleicht mit seinen Wahlkampfspendern aus der Wall Street zusammen?

Da wird Obama die "We are the 99%"-Bevölkerung wohl bei den nächsten Wahlen nicht für sich gewinnen können.

Oder lernt er noch dazu? Wäre fatal, wenn nicht.

"Able Danger"
02
6.11.2011, 13:29
Obama Cannes nicht

quo_vadis_austria
22
6.11.2011, 11:08

"Hauptthema: Wie kann man einem Angriff der Märkte auf Italien begegnen"

Nun ganz einfach! Man identifiziert die Strippenzieher die sich hinter "den Märkten" verstecken, verhaftet sie und - sofern uneinsichtig - verurteilt sie zu lebenlanger Haft! Wenn Einzelindividuen so wirtschaftsstark geworden sind dass sie ganze Länder in Gefahr bringen dann ist etwas falsch an diesem System!

Der einzige Nachteil an dieser Lösung ist der dass diejenigen die da über mögliche "Lösungen" in Cannes philosophieren ihre Karrieren eben diesen "Strippenziehern" zu verdanken haben!

Das ist dann im Endeffenkt so als ob man die ´Ndrangheta damit beauftragt das Problem der ausufernden Kriminalität in Kalabrien zu lösen!

Tikhonov
10
6.11.2011, 13:32
Sündenbockprinzip

Das ist für viele anscheinend eine tröstliche Vorstellung dass es da "ein paar Böse" gibt und wenn man die "hinter Gitter" bringt wird alles gut.. die Probleme sind aber vielschichtiger und "die Märkte" sind in vielen Fällen nur die Überbringer der schlechten Nachrichten, aber nicht die Verursacher.

quo_vadis_austria
03
6.11.2011, 13:40

Es bedarf nicht viel an Vorstellungskraft um einzusehen dass in einem System des Raubtierkapitalismus (der uns allen ja seit Jahrzehnten auch mit brutalster militärischer Gewalt aufgezwungen wird) aller Besitz und alles Geld in den Händen einiger weniger Individuen akkumuliert wird. Dies ergibt sich zwangsläufig aus der Natur des Systemes.

Ja was soll auch sonst dabei herauskommen wenn Grosse die Kleinen fressen - was bleibt am Schluss übrig!? Na EIN Grosser bzw eine kleine Gruppe von Grossen die sich die Weltmacht aufteilt natürlich!!

Tikhonov
11
6.11.2011, 15:17

Tatsache ist dass in den letzten Jahrzehnten die Menschen scharenweise aus den Ländern ohne kapitalistisches Wirtschaftssystem in solche mit geströmt sind und miltärische Gewalt aufgewendet wurde um eben das zu verhindern (z.B. DDR)

Wenn der Kapitalismus immer nur die Etablierten bevorzugt, wie erklären Sie sich dann den Erfolg von Schwellenländern wie Brasilien oder China, wie den Erfolg von innovativen Firmen wie Apple oder Facebook?

Freiwirtschafter
 
01
6.11.2011, 16:08
Sie haben sich anscheinend noch nicht informiert, wem dieser angebliche "Erfolg" in Ländern wie Brasilien oder China nützt.

Sicher nicht der breiten Masse der Bevölkerung. Und bezüglich Apple und Facebook, schön, dass sie Hauptnutznießer des Raubtierkapitalismus benennen können. Der überdimensionierte Wert Facebook' ist für ehrlich in der Realwirtschaft arbeitende Menschen in keinster Weise nachvollziehbar. Ich spreche nicht von der Abschaffung der Marktwirtschaft. Aber sie muss dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Wenn sie das ist, was sie ursprünglich gedacht war, Stichwort Angebot und Nachfrage (Nachfrage nach Lebensmitteln gebe es genug auf der Welt, warum wird dann nicht angeboten, bzw ist das Geld nicht dort wo es gebraucht wird um eben diese Nachfrage bezahlen zu können?) Pekunismus ist einer der Gründe dafür.

Tikhonov
00
6.11.2011, 16:24

Und ob der Aufschwung in China und Brasilien der breiten Bevölkerung nutzt. Wollen Sie behaupten der durchschnittliche Chinese lebt schlechter als vor 20 Jahren?
Facebook und Apple waren eine Anwort auf die Behauptung des Vorposters dass im Kapitalismus nur die Etablierten wachsen. Inwiefern Facebook ein Profiteur des "Raubtierkapitalismus" ist müssen Sie mir auch erstmal erklären.

Freiwirtschafter
 
01
6.11.2011, 16:42
Gut, Beispiel China (quo vadis austria weiter unten beantwortet Ihre Frage auch)

Die Chinesische Zentralregierung waren vor Jahrzenten so klug, sich die besten Aspekte aus Marktwirtschaft und Planwirtschaft herauszupicken und zu sagen, wir spielen jetzt ein bisschen mit bei der internationalen Gemeinschaft und nutzen das enorme Bevölkerungs- und Ressourcenpotential um ein enormes Wirtschaftswachstum zu erreichen. Auch heute noch spielen sie nach ihren eigenen Regeln (Stichwort Währung künstlich niedrig halten etc.) Aber der springende Punkt: Die Problematik des Geldsystems und den darin enthaltenem Zinsproblem, welche die Umverteilung des Kapital von unten nach oben bewirkt, haben sie natürlich nicht angetastet. Und dieses Geldsystem führt in jedem Land, egal wo, zwangsläufig zu Ungerechtigkeit, auch bei uns.

Tikhonov
01
6.11.2011, 17:43

Jetzt sind Sie aber kräftig von Ihrer obigen Behauptung zurückgerudert... auf einmal ist die Marktwirtschaft doch nicht mehr so schlecht und jetzt ist das Geldsystem dran. Weiter oben hat sich das doch noch viel einfacher angehört: Einfach die 'bösen Strippenzieher' ins Gefängnis stecken und alles ist gut.

Freiwirtschafter
 
00
6.11.2011, 17:50
Bittel lesen Sie das nocheinmal

"Ich spreche nicht von der Abschaffung der Marktwirtschaft. Aber sie muss dem Menschen dienen und nicht umgekehrt."
Wo hab ich jemals die Marktwirtschaft an sich kritisiert? Ich hab mich klar ausgedrückt, was mich daran stört. Und Raubtierkapitalismus ist unweigerlich mit dem Geldsystem verknüpft.

Tikhonov
00
6.11.2011, 19:35

Also zurückgerudert sind Sie von "der sogennante Erfolg in China nützt sicher nicht der breiten Masse".
Ich weiss nicht was genau Sie unter Raubtierkaptialismus verstehen aber Kapitalismus und private Geldschöpfung bedingen einander nicht. Es gab auch kapitalistische Länder mit Goldstandard wie zB die USA vor dem ersten WK.

Freiwirtschafter
 
01
6.11.2011, 20:20
Sie glauben also ernsthaft, dass es aufgrund der Golddeckung keine Geldschöpfung von Privatbanken vor dem 1.Weltkrieg in den USA gab?

Das wurde seit dem Mittelalter gemacht. Könige waren bei Banker verschuldet und schon damals haben sie bei der Deckung des ausgebenen Zahlungsmittel geflunkert.
Und sie glauben ernsthaft, dass die enorme Ausbeutung der breiten Masse der Bevölkerung und der Umwelt in China, welche zu diesem Wirtschaftswachstum geführt haben zum Nutzen dieser war und ist? Und sie glauben, dass dieser erarbeite Reichtum gerecht verteilt ist in China? Das ist Hohn für einen jeden chinesischen Arbeiter. Nennen wir es halt Kapitalismus der heutigen Prägung, um das Wort Raubtierkapitalismus weg zu lassen, der ewiges Wachstum aufgrund der Zinsen bedingt.

Tikhonov
00
6.11.2011, 22:03

Und sie glauben ernsthaft dass es dem durchschnittlichen Chinesen nicht besser geht als vor 20 Jahren?

Mit dem goldgedeckten Geldsystem kommt es mir vor wie mit dem 'wahren' Kommunismus, den es ja auch nie gab. Immer wenn man ein Beispiel bringt heisst, es 'ja schon aber das ist ja richtiges Beispiel weil blablabla..' Was schlagen Sie denn als Alternative vor?

EU-Austretter
00
6.11.2011, 23:15

Sie sollten mal lesen, "Freiwirtschafter" fordert keine Golddeckung. Waere auch seltsam bei dem Nick.

Und zu Ihrer Frage:

Es kann fuer die breite Masse wirtschaftlich dann bergaufgehen, wenn die Wirtschaftswachstumsraten ueber den Zinsforderungen (mindestens 2-3%) liegen. Das ist bei China gegenwaertig der Fall, daher auch ein Aufschwung der nicht nur oben ankommt. Die Praemisse kann aber nicht auf Dauer erfuellt werden - wie man bei uns im Westen im Moment sehr gut sieht.

Freiwirtschafter
 
01
6.11.2011, 22:25
Ein möglicher Vorschlag: Geld ohne Zinsen und Inflation

Eine Alternative (egal ob das jetzt von heute auf morgen durchführbar ist). Da der Kapitalismus der heutigen Prägung bei Sättigung des Marktes unweigerlich in den Crash führt, muss in diesen Ländern ein Geldsystem geschaffen werden der einer qualitativen Wachstumskurve folgt. Dies erfordert, die Zinsen durch eine Umlaufsicherung zu ersetzen. Diese Benützungsgebür würde einen öffentlichen Gewinn darstellen, welcher wieder in den Geldkreislauf zurückgebracht wird, damit das Gleichgewicht zwischen dem Geldvolumen und Volumen der wirtschaftlichen Tätigkeit bestehen bliebe. Das Geld würde auf Sparkonten seinen stabilen Wert behalten, aber aufgrund der fehlenden Zinserträge das Horten des Geldes verhindern. Mit der Einführung eines solchen

Freiwirtschafter
 
00
6.11.2011, 22:28

"neutralen" Geldes passt sich die Wirtschaft den Bedürfnissen der Menschen an und nicht dem Wachstumszwang des derzeitigen Geldsystems. Diese Geldreform müsste von einer Land- und Steuerreform begleitet sein. Ohne Landreform würde sonst überschüssiges Geld von der Bodenspekulation angezogen werden. Ohne Steuerreform, die uns zu einem anderem Umgang mit den Umwelt-Ressourcen zwingt, blieben die ökologischen Probleme bestehen.

Tikhonov
10
6.11.2011, 22:42

Ja, ist ein interessanter Ansatz. Zu glauben dass damit jegliche Wirtschafts- und Währungskrisen vermieden werden ist aber naiv. Wachstumszwang gibt es im momentanen Geldsystem aber nicht, da Realzinsen negativ sein können.

Freiwirtschafter
 
00
6.11.2011, 22:47

Es ist schon klar, dass manche Krisen nicht vermeidbar sind. Es geht ja nur darum ein System entstehen zu lassen, welches nicht zwangsläufig in den Crash führt, weil es nicht eine Fehlkonstruktion von Anfang an ist, und die Ressourcen Mensch und Umwelt nicht ausgebeutet.

Tikhonov
00
6.11.2011, 22:54

Und das Freigeldsystem verhindert die Ausbeutung von Mensch und Umwelt genau wie?

EU-Austretter
00
6.11.2011, 23:17

Durch Beendigung der leistungslosen Umverteilung von der Masse der Menschen nach reich.

www.webinformation.at/material/... system.pdf

Freiwirtschafter
 
00
6.11.2011, 17:56

"Einfach die 'bösen Strippenzieher' ins Gefängnis stecken und alles ist gut."
Das habens nicht von mir, sondern von quo vadis austria!

quo_vadis_austria
00
6.11.2011, 16:01

Ich habe berechtigte Kritik an Teilen des Systemes geäussert - nicht am gesamten System! Natürlich bedarf es des freien Handles um Wohlstand zu schaffen aber dieser freie Handel ist durch das momentane Pyramidensystem genauso gefährdet wie er es durch den Kommunismus war!

Die BRIC-Staaten konnten nur deswegen eine so unglaubliche Wirtschaftskraft aufbauen weil sie sich noch nicht unter der Kontrolle der internationalen Finanzoligarchie befinden. Die aktuelle Krise wurde explizit dafür geschaffen um das zu ändern!

Tikhonov
00
6.11.2011, 17:49

Sorry aber der zweite Absatz ist einfach Schwachsinn.. Die Wirtschaftskraft der BRIC-Staaten gründet sich auf Resourcenreichtum, Reichtum an Arbeitskraft, Lohnvorteilen, besserwerdenender Ausbildung und gesunkenen Transportkosten. Da braucht man keine Ostküsten-Verschwörungstheorien um das zu erklären.
Die momentane Euro-Krise lässt sich auf Überschuldung und mangelnde wirtschaftliche, lonhnpolitische und steuerliche Integration im Euroraum zurückführen.. auch hier kein Bedarf an Verschwörungstheorien.

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