Rom wird sich selbst helfen müssen

Kommentar | András Szigetvari
5. November 2011, 19:43

Mit Italien stoßen die Euro-Retter endgültig an die Grenze des Machbaren

In der Eurokrise ist es bisweilen schwer, die ständig neuen Erschütterungen richtig zu bewerten. Beim G-20-Gipfel in Cannes hat der italienische Premier Silvio Berlusconi einer Überwachung seiner Finanzpolitik durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) zugestimmt. In vielen Meldungen dazu war die Rede von einer "Kuratel", einer Sachwalterschaft. Das ist eine dramatische Darstellung. Italiens Parlament und Regierung werden weiterhin souveräne Entscheidungen treffen. Der IWF prüft regelmäßig die Haushalte aller seiner Mitgliedsländer - eine ganz neue Erfindung ist das alles nicht.

Dennoch handelt es sich um eine außergewöhnliche Maßnahme, die im Kontext zu verstehen ist: Die Eurozone hat zuletzt klargemacht, dass sie die Überwachung des römischen Haushaltes deutlich verschärfen möchte. Im Extremfall wird Rom sämtliche Reformpläne in Brüssel und Washington abnicken lassen müssen. Dafür gibt es gute Gründe. Italien entscheidet - im Gegensatz zu Griechenland, Irland und Portugal - aufgrund seiner Größe tatsächlich über das Schicksal der Eurozone. Schlittert das Land in die Pleite, würde die Gemeinschaftswährung zerbrechen. Bisher wirkte Italiens Regierung bei der Sanierung des Budgets heillos überfordert. Berlusconi kündigte überhastete Einsparungen an, zog dann wieder zurück. Hinzu kam eine veritable Regierungskrise.

Ob das Manöver mit den Kontrollen hilfreich ist, bleibt dennoch fraglich. Derzeit misstrauen Investoren der Eurozone - und zwar ganz unabhängig davon, wer welche Politik umgesetzt hat. Nicht wenige Ökonomen halten die hohen Zinsaufschläge für italienische Anleihen für eine Panik- oder Spekulationsreaktion am Markt, die momentan nicht zu stoppen sei. Auch wenn die römische Regierung noch so überfordert wirkt: Das Staatsdefizit soll heuer unter vier Prozent liegen - was noch kein Grund für Panik wäre.

Überhaupt ist es fraglich, ob der IWF der richtige Einflüsterer ist. Eurozone und Währungsfonds sind mit ihrer viel zu schnellen Sparstrategie in Griechenland fulminant gescheitert. Trotzdem setzten sie dieselbe Therapie in Irland und Portugal fort. Sollten sie Italien so wie Griechenland zurechtschrumpfen wollen, würde der Schuss nach hinten losgehen.

Zur strengeren Überwachung des Haushaltes gibt es aber kaum Alternativen. Es ist undenkbar, dass Italien, so wie zuvor Griechenland, vom Kreditmarkt genommen wird und unter den Rettungsschirm schlüpft. Weder Europa noch IWF verfügen dafür über genug Mittel. Italien ist nicht nur "too big to fail", sondern auch "too big to save". Griechenlands Schulden belaufen sich auf 340 Milliarden Euro - Italien braucht allein 2012 Kredite über 400 Milliarden. Auch politisch wäre eine Rettung Roms schwer vorstellbar: Welcher Politiker könnte den Bürgern ein solches Rettungspaket verkaufen?

Die einzige Option, die Europa noch verbleibt, ist der reformierte Eurorettungsschirm. Dieser wird ab Jahresende die Möglichkeit bekommen, Anleihen verschuldeter Staaten zu versichern. Das ist keine direkte Kredithilfe, die Lösung ist also billiger und politisch leichter zu verkaufen. Die Aktion könnte hilfreich sein, ist aber auch gefährlich. Sie bürdet den EuropasSteuerzahlern immense Risiken auf. Garantien für den Erfolg gibt es nicht

Das ist vielleicht derzeit das übelste Dilemma in Europa: Derzeit gibt es nur die Auswahl zwischen riskanten und noch riskanteren Strategien. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 5./6.11.2011)

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Zum x-ten Mal ...

... es gibt keine Eurokrise - Punkt und Rufzeichen

Der Euro notiert aktuell bei ca. 1,38 zum USD. Bei Einführung im Jahr 1999 war eine Parität von ca.
1 : 1 zum USD gegeben. Absoluter Tiefststand war bei ca. 0,82 im Jahr 2000 und absoluter Höchststand irgendwo bei ca. 1,60 im Jahr 2008.

Vergesst all diese manische Wichtigtuerei der mediengeilen PolitikerInnen und hyperaktiven Medien!

Der "Börsen-Kurs" ist die einzig relevante Wahrheit im Wirtschaftsgeschehen, und dieser Kurs lautet - per heute - 1,38!

Ergo ... Krise ade ... - man stelle sich einmal vor, der Euro wäre noch stärker, als er heute ist ...

... massive Schwierigkeiten im Tourismus und im Exportbereich wären die Folge!

Weltrangliste staatliche Dienstwagen:

(teils mit, teils ohne Chauffeur)

1.Platz: Italien - 600.000
2.Platz: USA - 73.000

kein Scherz. Kosten pro Jahr 18 Mrd

unser Budget für alle Unis liegt glaub ich bei 2 Mrd/Jahr

Das macht ja nix. Dieses Geld ist ja nicht weg, sondern geht wieder in den Geldkreislauf zurück.

Gut, dann sollten gleich für jeden Bürger 3 Bentley bestellt werden, oder nicht?

Ich hätte eigentlich gehofft die Dame meint das

sarkastisch. -kann mich allerdings auch irren. Dann wärs blöd oder?

Ich glaube nicht dass die Dame das sarkastisch meint. Sehen Sie sich mal die Antwort auf mein Posting an ...

Ich weiß nicht, was ihr zwei Hirnis euch so vorstellt, wo das Geld hin ist, wenn es ausgegeben ist.
Es ist natürlich noch da, nur hat es jemand anderer, der es seinerseits ausgibt.
Das Geld für ein Auto aus einem inländischen Betrieb geht an die Arbeiter in diesem Betrieb und an die Hersteller der Einzelteile, das Gehalt für den Chauffeur gibt dieser für seinen Lebensunterhalt aus.
Es ist völlig egal, was das alles kostet, solange das Geld im Land bleibt.

Blödsinn. Arbeitskräfte die für Autos eingespannt werden können andere Sachen NICHT erzeugen. Wenn Sie beginnen Autos gratis zu verteilen (auf Staatskosten), werden mehr und mehr Arbeiter für andere Tätigkeiten ausfallen. Gratis ist nichts im Leben.

Deswegen sag ich ja: Die Leute werden sich allerdings fragen, was das für einen Sinn hätte.
Warum sollte jeder drei Bentleys haben, wenn man mit dem gleichen Aufwand Luxus für alle machen könnte?
Stimmt, gratis ist nichts, aber das Geld bleibt immerhin im Land.

*Sigh* Sie gehen ausserdem davon aus dass Sie für die Autos keine Rohstoffe brauchen. Nein, das Geld bleibt nicht einmal im Land, ausser Italien ist autark was Rohstoffe betrifft, was ich mal stark bezweifle.

Ok, dann keine Autos, sondern einen Schwimmpfuhl für jeden Haushalt.

Wenn die Firma im Inland ist und genug Material und Arbeitskraft zur Verfügung steht, ist das sicher kein Problem. Die Leute werden sich allerdings fragen, was das für einen Sinn hätte.
Grundsätzlich ist aber Luxus für alle möglich.

vor 25 Jahren war dort alles voller Fiat, und alle heilige zeiten mal ein Alfa

jetzt sind gut die Hälfte auf der Autobahn deutsche oder (geringer) französische Autos

da geht das Geld in den Wirtschaftskreislauf - Profit für Konzerne

das Löcher stopfen zahlen dann wir (Schulden, Kürzung Sozialleistungen)

Bei aller Zuneigung zum Euro Gedanken

Könnte jetzt bitte endlich jemand der politischen Kaste erklären, dass wir seit Monaten in äußerst teures Futter investieren um mit einem toten Pferd ein Rennen zu gewinnen.

Also meiner Ansicht nach sind wir noch immer in der Finanzmarktkrise von 2007 und wir retten die ganze Zeit nicht den Euro oder Griechenland, sondern das Finanzsystem.

Ich glaube kaum, dass die Probleme bei einer Euro-Auflösung aufhören würden. Im Gegenteil. Meiner Ansicht nach würde das Drama dann erst richtig losgehen und noch teurer werden. Meiner Ansicht nach wissen nicht mal die Finanz-Heinis was unter welchen Bedingungen passieren kann, was die Politik auch nicht dazu verleitet entschlossen zu handeln. Dazu kommen noch die nationalen Egoismen. Meiner Ansicht nach ist aber genau dieses zögerliche Verhalten und diese Angst was Falsches zu machen mit ein Grund, warum es alle paar Tage rumpelt.

Widerspruch!

diesmal handelt es sich nicht um eine Bankenkrise,
sondern eine SCHULDENKRISE EUROPÄISCHER LÄNDER.

... verursacht durch???

und da samma wieder bei den banken.

die schuldenkrise ist eine folge der bankenkrise ...

Unsinn!

Schuld sind die Politiker, die nicht haushalten können

moeglich

aendert aber nicht wirklich was

naja. sie haben doch beide recht. die jetzige ursache sind staatsschulden aber retten tun wir die banken, und natürlich damit auch UNSEREN a....! WOBEI ...

ja italien sehr stark im inland verschuldet ist. wenn I also crasht muss drumherum net amal so viel passieren.

ein prob wird jetzt, dass auch andere schuldner an schuldenschitt wollen, zb irland.
wenn jetzt nicht alle vernünftig sind, sitzen wir schön da, nämlich 20-30 jahre hinten. da gehören wir schuldenmässig auch hin, nur kostet a plötzlicher crash noch viel mehr als weitere 10 jahre dahinwurschteln mit anpassen, schuldenabbauen....
wenn das nur alle kapieren!
ich hoffe das sehr für uns, unsere pensionen, unsere demokratie, unsere EU, unsere kinder.

Au contraire

Wir sind noch längst nicht am Ende. Gerade wurde wieder mal der Einsatz erhöht. Bis zum ALL IN dauert es noch eine Weile. Die paar hundert Milliarden werden uns dann lächerlich gering erscheinen.

hat bitte jemand schon einmal darüber nachgedacht,

was die finale Konsequenz, das Ziel dieses aberwitzigen Spieles eigentlich sein soll (sein könnte), mal abgesehen von der Weltherrschaft? Ist das dann die immerwährende Sklaverei?

Gab es immer Altertum schon; kommt langsam wieder

Sklaven gelten nicht als Menschen, sondern als Sachen (res), weiters hat der Sklave selbst keine Rechte, sondern unterliegt vollständig den Rechten eines anderen (persona alieni iuris)...
alles schon dagewesen.

schon die überschrift: falsch

die banken die IT bisher billig geld gegeben haben müssen sich selbst retten

denn so lange wie bei GR werden sie durch dieses rumgezappel nicht mehr zeit bekommen die schrottanleihen entweder loszuwerden (idR. an entweder noch ahnungslosere oder aber bewusst riskierende - und damit rechtsbrüchige - öff. ankäufer) oder sie langsam (=mehrjährig) abzuschreiben

die bisherigen "hilfen" für GR sichern nämlich entweder nur dessen siechtum ab (bisher alles nur - verzinst - geliehen oder garantiert) oder der echte default spielt sich demnächst ggü. den bisher stolzen helfern ab, DANN erst wäre GR erst wirklich entlastet und geholfen

auch AT: wer sich jahrel. strukturell überfressen hat muss runter mit diesen schulden, so einfach wie unvermeidbar

An die Redaktion

Es heißt nicht "too big to safe", sondern "too big to save".

Mit freundlichen Grüßen.

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