Dr. Hahns Dissertation

Ein Freispruch im Zweifel

Kommentar | Klaus Taschwer, 4. November 2011, 19:03

Das Urteil der unabhängigen Komission über die Dissertation von Hahn ist ein Armutszeugnis für die Uni Wien

Es ist also doch kein österreichischer Fall Guttenberg daraus geworden. Die Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität kam auf Basis von drei Gutachten ausländischer Philosophieprofessoren zum Schluss, dass es sich bei der Dissertation von Herrn Dr. Hahn nicht um ein Plagiat handle. Zugleich wird aber auch betont, dass die Zitierungen in weiten Teilen der Arbeit "nicht den Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis" entsprächen.

Man mag dieses knappe Urteil einer unabhängigen Kommission, die nur aus nichtösterreichischen Experten unter der Leitung des angesehenen deutschen Wissenschaftssoziologen Peter Weingart besteht, für milde halten. Ganz sicher ist es aber nicht "wissenschaftlich skandalös", wie Plagiatsjäger Stefan Weber kritisierte - oder ein von der Uni Wien ausgestellter "Persilschein", wie Peter Pilz unkte.

In Wahrheit ist das Urteil auch ein Armutszeugnis für die Uni Wien, denn es argumentiert implizit, dass dort die Qualitätsstandards vor 25 Jahren nicht nachvollziehbar waren. Logische Folge: Wenn man Hahn für seine grottenschlechte Arbeit den Titel aberkannt hätte, dann müsste man das wohl noch in einigen Dutzend anderen Fällen tun.

Und so hatte die leidige Affäre unter dem Strich auch ihr Gutes: Mit so einer Dissertation wie der von Dr. Hahn könnte man - nicht zuletzt aufgrund der durch sie ausgelösten Diskussionen - heute definitiv nicht mehr promovieren. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 133
1 2 3 4
Verleihnix
 
00
14.11.2011, 10:27
Hahn's Diss unter jeder Kritik

genauso wie die Uni Wien, die nicht einmal angeben kann, was an diesem Elaborat überhaupt beurteilt werden soll. Die Seitenzahl? Die guten Beziehungen zum Doktorvater? Die Mitgliedschaft in der Studentenvereinigung?

Kunibert Polgar
00
9.11.2011, 08:05
was nun?

nun ist das also nichts mit dem plagiat? schade, weil was machen die grünInnen jetzt? da konstruktives mitarbeiten im parlament ja nicht das ding der grünInnen ist, bleibt zu befürchten, dass denen jetzt wieder fad ist. und das ist gefährlich!!

Heavyweather
00
7.11.2011, 20:14

Und warum kann man die dann nicht einfach alle überprüfen...
Warum ist es gut dass es damals so leicht war und heute nicht mehr?
Alles Eier die Doktoren aus Hahns Zeiten?
Klingt so.

ChristianderGuru
60
6.11.2011, 18:10
Peinlich für den Möchtegernaufdecker der Nation Pilz!

Wieder ein Leider-Nein-Skandal und diesmal arbeitete er sogar mit dem anerkannten Ungustl Weber zusammen.

FLOP!

linuxforeverlinux
31
6.11.2011, 20:25

früher hat mir das schwammerl eines pilzes gefallen, aber seit einigen jahren hat sich immer mehr herauskristallisiert, dass er nur ein dampfplauderer u lügner ist, wie viele andere grünen auch ( vasilakuh, van der bellen ).
aber man darf sich auch nichts anderes von leuten erwarten, die einer bewegung huldigen, die viele menschen auf dem gewissen haben u sogar in etlichen staaten der welt überwacht werden/wurden!

uncle sam3
21
6.11.2011, 17:53
der Ö Dr. Titel

ist ja sowieso eine lachnummer.

ChristianderGuru
10
6.11.2011, 18:08
Wieso?

Damit ich Mag. Dr. DI oder sonst was wird, musste man ein Studium absolvieren und ne Diss oder Diplomarbeit machen. Solche Titel sind verdient und aus, der Rest ist Neid.
Lächerlich ist, dass sich grüne Abgeordnete mit fremden Dissertatinen beschäftigen unf auf die Nase fallen

-soso-
01
6.11.2011, 17:27
seitenweise abgeschriebene, nicht gekennzeichnete zitate

aber man will nicht mehr wissen, wie die zitierregeln damals waren.

es gilt wie immer die unschuldsvermutung. es ist immerhin möglich dass die seitenweise "abgeschriebenen" textstellen durch göttliche eingabe aufs papier gebracht wurden.

ein kleiner hinweis: lediglich ein literaturverzeichnisses zu führen war noch nie standard in den wissenschaften gewesen.

ChristianderGuru
10
6.11.2011, 18:11
Man sollte mal Pilz Diss unter die Lupe nehmen! Aber bei Soziologen ist das so eine Sache, da ...

... ist ja schon die Erkenntnis, dass nicht alle Äpfel gleich ausschauen eine wissenschaftliche Arbeit.

Michael Holzermayr2
00
6.11.2011, 17:23
Mit so einem Doktorat, Herr Dr. Taschwer,

wäre ich nicht so vorlaut.

V995
01
6.11.2011, 16:59
sowas nennt man gefälligkeitsgutachten

linuxforeverlinux
10
6.11.2011, 21:24

od auch einfach daß ein grünling es wieder mal nicht einsehen kann, dass er unrecht hatte. aber sowas ist bei den blockwarten auch nicht verwundernswert, die glauben ja die weisheit mit der schauffel gegessen zu haben!

Ain't got no how watchamacallit
14
6.11.2011, 14:47

also wenn der umstand dass wenn Hahns Arbeit nicht aberkannt werden soll weil dann auch andere schlechte arbeiten aberkannt werden müssten ausreicht dass eine Doktorarbeit die aberkannt werden müsste nicht aberkannt wird dann hört sich der spass auf. seit der zeit isaac newtons weiss man wie Zitate zu Kennzeichnen sind, vor 25 Jahren waren vielleicht die Kopiergeräte von schlechterer Qualität als die heutigen aber nicht die wissenschaftlichen Methoden. dass Hahn seinen Titel behalten darf ist meiner Meinung nach ein Skandal der sich einfügt in all die unzähligen anderen Skandale der unschärfe und wurschteleien in Österreich.

17+4
00
6.11.2011, 13:41
hat jemand im Ernst in Österreich ein andres Urteil

erwartet.
Ist ja ohnehin ein Freispruch 2. Klasse.
Aber das hängt auch am Studium, in der Philosophie kann man das Inhaltliche schwer (an)greifen, wenn es nicht ein offensichtlich völliger Blödsinn ausserhalb jeder Argumentierbarkeit ist.

Peter Heinz
13
6.11.2011, 12:22

Meiner Meinung nach konzentriert sich die ganze Aufregung (auch bei den deutschen Beispielen) zu sehr auf die Zitate.
Eine Doktorarbeit soll eine wissenschaftliche Arbeit sein,welche neue wissenschaftliche Erkenntnisse darlegt. So ist die meiner Meinung nach weit wichtigere Frage bei der Bewertung einer Doktorarbeit: Steht was neues drin ? Ich denke mal bei vielen Doktorarbeiten nicht mehr, deswegen die Konzentration auf formale Regeln. Scheinbar ist ein Doktor in vielen Fällen auch nicht mehr schwerer zu schreiben als eine etwas popiger aufgemachte Master/Diplomarbeit. Was bei der Masse der Doktorarbeiten wohl auch nicht verwundert, so viele "wissenchaftliche Ergebnisse" kanns kaum geben pro Jahr wie Arbeiten geschrieben werden.

Freund der Sanktionen
01
6.11.2011, 14:30
Der bisher beste Beitrag zu dem ganzen Geschehen.

Es ist leider wahr, daß sich kein Mensch mit dem Inhalt der Hahn'schen Dissertation beschäftigt. Ich unterstelle jetzt einmal, das der noch unbedeutender ist als die Qualität der "nach heutigen Maßstäben nicht mehr durchgehenden" Zitierungen.
Das aber reduziert Dissertationen einfach auf lästige Pflichtübungen auf dem Weg zur geplanten Karriere. Eine Dissertation aber sollte ein wissenschaftliche Arbeit sein, die den Erkenntnisstand der jeweiligen Fachrichtung erweitert und nicht eine etwas komplizierte Form von Formularausfüllen...

17+4
00
6.11.2011, 13:47
früher einmal hat es geheißen (im AHStG), dass die

Doktorarbeit den Nachweiss der Anwendung der wissenschaftlichen Methodik erbringen soll, von neuen oder sonstigen tiefschürfenden Erkenntnissen war nie die Rede: wie gesagt, gefragt war, dass man in der Lage ist, die Regeln der wissenschftlichen Arbeitsmethoden beherrscht und anwenden kann.

Aber da meist den Professoren ab einem gewissen Alter nichts mehr einfällt, was ganz normal ist, muss der Dissertand dieses Manko auffüllen - von daher kommt das Problem.
Im Gesetz wurde dmals nicht verlangt, dass neue Erkenntnisse in einer Diss ausgearbeitet werden müssen.
Aber damals ist auch im AHStG gestanden, dass man einen akademischen Grad nur EINMAL erwerben kann, der heutige Wildwuchs mit DDr oder DDDr MagDr oder sonstwie war nicht erlaubt.

Ain't got no how watchamacallit
01
6.11.2011, 15:11

man kann sehr wohl einen zweiten Doktortitel, den jedoch in einem anderen fach als den ersten erhalten, es ist ja ein ddr nicht zb zweimal Jurist sondern Jurist und Wirtschaftler…

17+4
10
6.11.2011, 16:29
sie haben das etwas nicht verstanden:

der akademische Grad ist DOKTOR, das andere ist ein Attribut oder Adjektiv oder wie immer sie es nennen wollen zur näheren Bezeichnung.
Ihre Variante müsste dann Dr. jur et soz.oec heißen, aber niemals DDr, wie es zur Vereinfachung von redziert gebildeten geschrieben wird. Dass das die Träger dieser Titel auch tun, ist mangelndes Wissen oder Charakter.

Zentner
01
6.11.2011, 12:40

Deswegen müssen Zitate ja gekennzeichnet werden. Es soll erkennbar sein was sich der/die DoktorantIn ausgedacht hat und was woanders her kommt. Diese "formale Reglung" hat sehr weitreichende Gründe...

Peter Heinz
21
6.11.2011, 13:00

Da haben sie sicher recht. Wenn nun jedoch bei einer Arbeit Zitate fehlen, jedoch abseits der formalen Mängel eine völlig neue Erkenntnis durch den Doktoranden erarbeitet wurde (ich weiss, die fehlenden Zitate erschweren es diese neuen Anteile zu erkennen) so hat diese Arbeit trotzem meiner Meinung nach eine höhere Qualität als eine andere Arbeit mit absolut perfekt eingehaltenen Zitierregeln jedoch ohne neue wissenschaftlichen Wert.

Bei der Arbeit Hahns, abseits der nicht eingehaltenen Zitierregeln, gibts da irgendwas neues drinnen ? Würde sie von einer anderen Arbeit zitiert ? Hat sie irgendeinen Wert ? Unterscheidet sie sich von einer Diplomarbeit ? Das sind meiner Meinung nach die spannenderen Fragen.

MIP1
01
6.11.2011, 12:03
"Mit so einer Dissertation ... könnte man ... heute definitiv nicht mehr promovieren"

Wieso nicht? Wegen der Zitierweise? Oder weil die Arbeit "grottenschlecht" ist? Beides ist kein Hindernis. Der Autor soll sich einfach einmal in der Nationalbibliothek ein paar Probestücke jüngeren Datums bestellen. Anfällig sind besonders Fächer, deren Absolventen im Normalfall keine wissenschaftliche Karriere anstreben (Philosophen als Glücksspielautomatenaufsteller). Von Betriebswirten, Juristen und so weiter wird nach wie vor Müll en gros geliefert.

BetterWorld
 
01
6.11.2011, 11:39
wissenschaftlich arbeit?

was genau wird herrn hahn vorgeworfen?
hat er ohne quellenangabe abgeschrieben und defacto fremdes wissen als seines "verkauft"? .... oder hat die arbeit keine wissenschaftliche qualität .... oder beides?
ich finde es irgendwie schräg: einen akademischen grad bekommt man u.a. eben, weil man sich mit wissenschaft auseinander setzt. ich finde es bringt einem im leben viel mehr, wenn man für ganz kurze zeit bei einem thema wissenschaflich voll auf der höhe ist. das ist natürlich knochenarbeit, bringt aber sich auch mit sich, komplexere themen systematisch abzuarbeiten. gerade das ist es, was vielen in wirtschaft und politik fehlt. haben viele Mag. Dr. und DI ihre wissenschaftliche arbeit nicht ernst genommen?

Zentner
01
6.11.2011, 13:09

"hat er ohne quellenangabe abgeschrieben und defacto fremdes wissen als seines "verkauft"? oder hat die arbeit keine wissenschaftliche qualität oder beides? "
Das ist dasselbe - Um eine Annahme zu verifizieren muss die Quelle klar sein.

Kontrahent1
10
6.11.2011, 11:10
Die meisten Dissertationen

aus jener Zeit, bzw. älter, würden wohl einer Überprüfung mit heutigen Maßstäben nicht standhalten.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 133
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.