Provisionen an der Tagesordnung

4. November 2011, 19:16
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Banknotendruckerei und Münze Österreich kooperierten in Syrien und Aserbaidschan

Wien - Die beiden Notenbank-Töchter Banknotendruckerei und Münze Österreich haben auf ihren Absatzmärkten Syrien und Aserbaidschan seit langem kooperiert. Wie berichtet ermittelt die Staatsanwaltschaft Wien wegen fragwürdiger Provisionen (rund 14 Millionen Euro), die für Aufträge in Syrien und Aserbaidschan geflossen sein sollen. Beschuldigt sind unter anderem drei Exmanager der OeBS, sowie ein ehemaliger Vertriebsmanager der Münze; es gilt die Unschuldsvermutung. Ins Rollen kam die Sache durch eine Anzeige der OeNB.

In den Jahren 2007 und 2008 wurden Verträge mit den beiden Staaten fixiert - die Münze Österreich (sie prägt Geld- und Goldmünzen) war dabei sozusagen Subunternehmer, weil sie ihre Verträge damals nur mit der OeBS geschlossen hatte. Aserbaidschans Notenbank, die gerade das Geldsystem im Lande umgestellt hatte, hatte den Österreichern auch den Designauftrag für alle Münzen und Banknoten gegeben. Die Entwürfe fürs Papiergeld stammten vom österreichischen "Euro-Designer" Robert Kalina: Das Land hatte möglichst Euro-ähnliches Geld bestellt. Fürs Aussehen der Münzen waren die Grafiker der Münze Österreich zuständig. Die Volumina der Syrien und Aserbaidschan-Aufträge waren sehr hoch - und Provisionen bei den Geschäften selbstverständlich, wie es heißt.

An Syrien hatte die Münze Österreich schon in den Jahren davor Münzen geliefert - auch da lief die Geschäftsanbahnung über Regionalvertreter, die allerdings "lupenreine Verträge mit der Münze hatten, in denen ihre Leistungen genau festgeschrieben waren", wie ein Involvierter erzählt. Und: Die Finanz habe diese Provisionen stets als Betriebsaufwendungen anerkannt - was sie, wie berichtet, bei den nun aufgeflogenen Provisionen aus der Banknotendruckerei, die auf Konten in Panama landeten, nicht tut. Deswegen droht der OeBS nun auch eine Steuernachzahlung von fünf Mio. Euro.

Einkauf und Vertrieb der beiden Geldtöchter der Nationalbank werden seit Jahren zum Großteil gemeinsam abgewickelt - so dürften sich auch die personellen Überschneidungen im laufenden Verfahren erklären. Einer dieser Beschuldigten aus der Münzgesellschaft soll durch allzu große Nähe zu den internationalen Kunden und durch wenig Kommunikationsfreude bei seinem Arbeitgeber aufgefallen sein - er musste Ende 2009 seinen Hut nehmen.

Die Banknotendruckerei, die übrigens auch Patente für Maschinen hält und Detektoren selbst herstellt, hat im Vorjahr einen Gewinn von 2,7 Millionen Euro gemacht, bei 37,2 Mio. Euro Umsatz. 2009 war der Gewinn noch bei 7,9 Mio. Euro gelegen. Der Aufwand für Löhne und Gehälter lag bei knapp neun Mio. Euro. Der Cashflow war mit rund vier Mio. Euro negativ, bedingt durch die Gewinnausschüttung an die Mutter OeNB.

Wie wichtig die Märkte außerhalb der Eurozone sind, erschließt sich aus dem Lagebericht im jüngsten Geschäftsbericht, der die Produktion von "Banknoten für kaukasische Staaten und den Nahen Osten" hervorstreicht. (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 5./6.11.2011)

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