Frust und Hass

Kommentar4. November 2011, 18:40
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Der Niedergang der UdSSR hinterließen einen Phantomschmerz und massive Armut - Die Wut darüber entlädt sich im Rassismus

Gewalt gegen Ausländer ist kein neues Phänomen in Russland. Im Land, das vor 66 Jahren maßgeblich zum Sieg über den deutschen Faschismus beigetragen hat, verstärkt sich seit dem Untergang der Sowjetunion selbst eine fremdenfeindliche Stimmung innerhalb der Bevölkerung, der "Russische Marsch" am Freitag zeugt davon.

Es gibt viele Gründe für diese Tendenz: Der Zerfall der UdSSR hinterließ einen Phantomschmerz wegen eines verlorenen Imperiums, zudem verarmte das Land massiv. Die einstigen "Brüder" aus der GUS-Region wurden zu unliebsamen Konkurrenten. Nur wenige Menschen sind in jener Zeit zu superreichen Oligarchen aufgestiegen, doch echte Russen sind unter ihnen kaum zu finden. Das Volk fühlte sich bei der Privatisierung betrogen. Der Frust sitzt tief.

Auch der Aufschwung unter Wladimir Putin konnte den Fremdenhass nicht schmälern, denn an vielen Menschen ging er vorbei. Ungerechtigkeit und Korruption sind weiterhin Merkmal des russischen Staats. Die Erfolgsmeldungen der staatlichen Propaganda kontrastieren mit der täglich erfahrenen Realität, was die Wut verstärkt. Diesen Hass auf Zentralasiaten und Kaukasier zu richten fällt den Rassisten nicht schwer. Der Frust entlädt sich stets an den Schwächsten der Gesellschaft. Das ist nicht nur in Russland so, doch gerade hier wird das Prinzip "Nach oben buckeln und nach unten treten" von der Beamtenschaft, den Trägern des Staates, schamlos vorgelebt. (DER STANDARD Printausgabe, 5.11.2011)

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