Iran legt "Beweise" gegen US-Terror vor

4. November 2011, 21:05
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Die Debatte über angebliche iranische Terrorpläne in den USA gehen an Teheran nicht spurlos vorüber - Das Regime will nun US-Terror im Iran beweisen

"Wir besitzen hunderte handfeste Beweise für terroristische Aktivitäten der USA im Iran", sagte Religionsführer Ali Khamenei am Vorabend des Jahrestags der Besetzung der US-Botschaft in Teheran. Vor 32 Jahren stürmten Militante, die die Ausweisung des gestürzten Schah aus den USA verlangten, die amerikanische Botschaft in Teheran und hielten die Botschaftsangehörigen 444 Tage lang gefangen. Zu diesem Anlass versammeln sich jedes Jahr bestellte Massen vor dem Gebäude der ehemaligen US-Vertretung.

Der Sprecher des nationalen Sicherheitsrats, Said Jalili, nutzte den diesjährigen Jahrestag am Freitag, um die Terrorismusanschuldigungen des Regimes gegen die USA mit zwei bisher unbekannten Dokumenten zu untermauern. Wie weit die vorgelegten Papiere - die laut Jalili dem Schweizer Botschafter in Teheran, der im Iran die US-Interessen vertritt, ausgehändigt wurden - gerichtstauglich wären, ist schwer zu beurteilen. Die ganze Aktion steht fraglos im Zusammenhang mit dem US-Vorwurf gegen die Revolutionären Garden, sie hätten bei einer Verschwörung zur Ermordung des saudi-arabischen Botschafters in den USA mitgewirkt. Und in den vergangenen Tagen ist man besonders nervös angesichts der Angriffspläne gegen den Iran, die in Israel und anderswo wieder diskutiert werden.

Teheran behauptet seit Jahren, mehr als andere Länder Opfer von Terrorismus zu sein. Man bezieht sich auf eine lange Liste von Anschlägen, angefangen bei jenen in den ersten Tagen der Revolution 1979 bis zur jüngsten Ermordung von Atomwissenschaftern. Der Iran beschuldigt die USA und Israel, bei all diesen terroristischen Anschlägen direkt oder indirekt beteiligt gewesen zu sein. Abgesehen davon hat der Iran ein Terrorismusproblem in der sunnitischen Provinz Balutschistan, wo Teheran neben den USA auch Saudi-Arabien und Pakistan beschuldigt, bei Anschlägen auf Exponenten der schiitischen Staatsmacht mitzuwirken.

Die Sanktionen tun weh

Die Menschen auf der Straße haben aber andere Sorgen als den Dauerkonflikt der Führung mit den USA. In Teheran macht sich ein Zustand der Ratlosigkeit bemerkbar. Die Inflationsrate steigt täglich, und nach neuesten Statistiken befindet sich die Wirtschaft in einer noch nie da gewesenen Rezession. Die Produktion ist wegen steigender Energiekosten und dem Wirtschaftsboykott enorm zurückgegangen - und neue Sanktionen sind zu erwarten.

Dies wurde sogar von Mahmud Ahmadi-Nejad in einer Sitzung im Parlament diese Woche direkt erwähnt. "Noch nie in der Geschichte der Islamischen Republik wurden wir so unter Druck von allen Seiten gesetzt wie jetzt", meinte der Regierungschef im Parlament, bei der Befragung seines Wirtschaftsministers Shamsoddin Hosseini - der letztlich eine Vertrauensabstimmung überlebte. "In dieser brisanten Lage ist es ratsam, dem Wirtschaftsminister das Vertrauen auszusprechen", rettete ihm Parlamentspräsident Ali Larijani den Job.(DER STANDARD Printausgabe/05.11.2011)

*Der Name des Autors wird aus Sicherheitsgründen nicht genannt.

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    Skulptur vor dem "Heiligen Verteidigungsmuseum" im Norden Teherans.

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