Russlands Rechte marschiert am Tag der Einheit

4. November 2011, 18:12
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Fremdenhass im Vielvölkerstaat Russland wird zum Alltagsphänomen

Moskau/Wien - Kahlköpfig, vermummt, die Hand zum Nazigruß erhoben. "Russland den Russen" und "Sieg Heil", brüllen sie. Die Polizei schaut zu, obwohl rassistische Parolen in der Verfassung verboten sind. Am 4. November, dem "Tag der nationalen Einheit", sät die Rechte Zwietracht im Vielvölkerstaat. Sie findet Zulauf, da die Regierung die ethnischen Konflikte nicht in den Griff bekommt.

Rund 10.000 Menschen sind zum "Russischen Marsch" am Stadtrand Moskaus gekommen, russlandweit finden dutzende ähnlicher Aufmärsche statt. Die vermummten Randalierer machen nur einen kleinen Teil der Menge aus. Es ist ein breites Sammelsurium, das sich zusammengefunden hat: von gemäßigten Nationalisten, Monarchisten und jenen, die dem untergegangenen Imperium nachtrauern, bis hin zu eben jenen Skinheads.

Deren Zahl soll in Russland bei etwa 70.000 Personen liegen, viele sind minderjährig. Die Hälfte von ihnen gilt als gewaltbereit. Regelmäßig kommt es so zu Übergriffen gegen Ausländer und Fremde. Meist trifft es Gastarbeiter aus Zentralasien oder Kaukasier.

Heuer sei die Zahl der extremistischen Straftaten rückläufig, rapportierte kürzlich stolz die Generalstaatsanwaltschaft. Trotzdem liegt sie von Jänner bis September noch bei gut 600 Taten. Laut dem Sova-Zentrum, das rechtsextreme Gewalt in Russland beobachtet, wurden seit Jahresbeginn 18 Menschen bei Übergriffen getötet.

Gewalt auch gegen Russen

Anderseits werden auch immer wieder Russen Opfer von Gewalt. Der letztjährige Mord an einem Moskauer Fußballfan durch Kaukasier führte zu einer Massendemo direkt vor den Kremlmauern, die Nationalisten dann als Plattform für Randale und rassistische Losungen nutzten.

Die Vorurteile sind beiderseits stark; und das innerhalb breiter Bevölkerungsschichten. Fühlen sich die Gastarbeiter ausgenutzt und erniedrigt, lasten die Russen den Zuwanderern Kriminalität und die Wegnahme von Arbeitsplätzen an. Die Regierung tut wenig, um die Konflikte auszuräumen. Im Gegenteil: Die grassierende Korruption, durch die etwa Milliarden Aufbaugelder für den Kaukasus verschleudert wurden, ist eine der Ursachen für das gegenseitige Misstrauen. (DER STANDARD/Printausgabe, 5.11.2011)

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    Auch Minderjährige sind teil der radikalen Rechten.

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