Gesundheitsakte

Elga soll sich nach nur einem Jahr rechnen

4. November 2011, 17:37
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    foto: dapd/milauer

    Zwei Untersuchungen wegen ein und demselben Problem: Mit Elga, meint der Gesundheitsminister, sollen unnötige Doppelbefunde Geschichte sein.

130 Millionen Euro Errichtungskosten und ebenso viel Einsparungspotenzial pro Jahr: Gesundheitsminister Stöger präsentierte Zahlen zur elektronischen Gesundheitsakte - die ÖVP glaubt sie nicht

Wien - Unaufgeregt, aber unbeirrbar: So verfolgt Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) das Projekt Elektronische Gesundheitsakte (Elga), das seit Monaten massiv von der Ärztekammer (ÄK) torpediert wird - aktuell mit einer groß angelegten Inseratenkampagne. Am Donnerstagabend präsentierte Stöger die Details jenes Gesetzesentwurfs, der in seinem Ressort gerade ausgearbeitet wird. Dann stehen die Gespräche mit der ÖVP an, danach der Beschluss im Ministerrat. Stöger sagte, er habe "kein Problem damit, wenn das heuer nicht mehr ist" - der zuständige Sektionschef im Gesundheitsministerium, Clemens Martin Auer, versicherte aber, es werde mit Hochdruck an dem Projekt gearbeitet.

Elga soll nicht nur Gesundheitsdaten vernetzen - sie soll auch Millionen an Kosten sparen. Ab 2017, wenn das Projekt im Vollbetrieb laufen soll, könnten laut Berechnungen des Ministeriums fast 130 Millionen Euro im System frei werden, der Großteil durch gezieltere Verschreibung von Medikamenten; auch doppelte Befunde, etwa beim niedergelassenen Arzt und im Spital, könne man sich durch Elga ersparen, hofft Stöger.

18 Millionen laufende Kosten

Der Minister präsentierte erstmals eine konkrete Kostenschätzung für das Projekt: Insgesamt 130 Millionen Euro für die Errichtung bis 2017, danach 18 Millionen Euro pro Jahr laufende Kosten. Wenn Stögers Rechnung aufgeht, würde sich das Projekt also in gut einem Jahr amortisieren.

Die Ärzte hatten vor allem Bedenken zum Datenschutz geäußert; in einem von der Wiener ÄK beauftragten Gutachten des Verfassungsjuristen Heinz Mayer hieß es gar, Elga stelle den "gläsernen Menschen" her. Stöger versicherte, er sei "sehr kritisch" beim Datenschutz, ihm sei aber auch der "Menschenschutz" wichtig - und dieser würde Elga rechtfertigen. Konkret sollen die Daten dezentral gespeichert werden, also dort, wo sie entstehen: der radiologische Befund beim Radiologen, die Krankenhausakte im Krankenhaus. Abgerufen können sie nur werden, wenn der Patient seine E-Card steckt. Tut er dies etwa beim Hausarzt, dann werden die Daten von den verschiedenen Einrichtungen zusammengeführt und sind dann für den Arzt 28 Tage lang einsehbar.

Es handle sich um einen "Quantensprung im Umgang mit Gesundheitsdaten", meint Stöger, denn schon bisher würden Ärzte oder Spitäler Daten speichern. Was damit passiere, sei aber für den Patienten völlig uneinsichtig. Künftig soll mittels Webportal jeder Versicherte Einsicht nehmen können, wer wann auf seine Gesundheitsdaten zugegriffen hat und was damit passiert ist.

"Zerstrittener Haufen"

Mit den Ärzten ging Stöger für seine Verhältnisse ungewöhnlich hart ins Gericht: Diese seien "ein zerstrittener Haufen, der einen Außenfeind braucht", schließlich würden in der Kammer im Frühjahr Wahlen anstehen. Die Verhandlungen erschwere zusätzlich, dass die Österreichische und die Wiener ÄK unterschiedliche Positionen zu dem Thema hätten. Als anderen Grund für den Protest sieht Sektionschef Auer, dass Elga die Zahl der Untersuchungen und damit auch den Umsatz der Ärzte reduzieren soll. Zusätzliche Kosten sollen auf die Ärzte nicht zukommen, wenngleich sie natürlich weiterhin für EDV Geld ausgeben müssten - "wie jeder andere Unternehmer auch".

Auer versuchte auch, ein weiteres Argument gegen Elga zu entkräften: Für die Ärzte ist unklar, wer in Zukunft haftet, falls ein Behandlungsfehler passiert, weil in der Elga gewisse Informationen wie psychische Erkrankungen oder eine HIV-Infektion nicht enthalten sind. Schon bisher würden Ärzte der Sorgfaltspflicht unterliegen, meint Auer. Daher würden sich an der Haftungsfrage nichts ändern.

Nicht nur bei den Ärzten, auch beim Koalitionspartner hat Stöger wohl noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten. ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger - selbst praktischer Arzt - hält die Vorgangsweise des Ministers für "grob fahrlässig", "keine einzige Zeile" des Gesetzesentwurfes sei mit ihm akkordiert worden. Dass der Entwurf bald in den Ministerrat gehe, ist für ihn "denkunmöglich", das Projekt dürfe man nicht im "Husch-Pfusch-Verfahren" durchziehen. Und Stögers Kosten-Nutzen-Rechnung hält Rasinger für "haltlos", er geht von Elga-Kosten von einer halben Milliarde Euro aus. Allein die Software werde mit 150 Millionen Euro zu Buche schlagen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.11.2011)

Kommentar posten
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michael sky
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11.11.2011, 16:30
.. und wieder mal eine Prognose !

mal sehen, um wieviel diesmal "geirrt" werden wird!

hot doc
00
8.11.2011, 12:14
kostenschätzung 130 mio in österreich und 14 mrd in deutschland?

"Kostenschätzung für das Projekt: Insgesamt 130 Millionen"...
warum geht man in deutschland für deren elga-projekt von 14,1 milliarden (!!!) aus?

man besch... uns hier wissentlich über die wahren kosten!!!

und so viele "teure doppeluntersuchungen" können wir gar nicht machen, dass man mit einem relevanten einsparungspotenzial kalkuliert.
auch mit argumenten besch... man die bürger!!!

wehren wir uns gegen den totalen überwachungsstaat. die demokratie ist schon viel zu sehr am gängelband der finanzindustrie, dass man der datensicherheit noch vertrauen könnte.

Kontrahent1
00
11.11.2011, 11:10
Wenn Sie sehen,

was an Medikamenten im Müll landet, wenn Sie sehen, mit welcher 'Begeisterung' manche, meist ältere Menschen sich alles verschreiben lassen ohne an ihre armen Organe zu denken, die diese Chemie alle verarbeiten muss, dann sind Doppeluntersuchungen nur der geringere Teil der Einsparung.- Abgesehen davon, wenn eine Patientenverfügung auf der Karte dokumentiert wird - was glauben Sie, wieviele Tage Intensivmedizin hier gespart werden kann?

hot doc
00
11.11.2011, 12:00

ja die pöhse chemie und die pöhse intensivmedizin. sie müssen sich nicht von mir behandeln lassen, sie müssen keine medikamente nehmen, und sie dürfen eine patientenverfügung erstellen.

wenns ums sparen geht, dann wäre der kostengünstigste ansatz, der krankenwagen nimmt den patienten nicht mit ins spital, sondern fährt über ihn drüber, oder etwa nicht? denken sie, wieviel intensivaufenthaltstage und medikamente wir mit dieser simplen maßnahme einsparen könnten!

Kontrahent1
00
11.11.2011, 12:19
Weder die Chemie

noch die Intensivmedizin habe ich gescholten. Sinnverstehend lesen sollte man von jemandem mit 'Doc' im nik schon erwarten. Gerade in den letzten fünf Jahren habe ich intensivmedizinische Betreuung bei vier Personen meines engsten Umfelds erleben müssen, welche voll für den A.... war da die Patienten die Tortur gerade noch ein paar Monate überlebten. Bei zweien wusste ich definitif, daß sie die Behandlung abgelehnt hätten. Ich für mich habe darauf sofort eine verbindliche Patientenverfügung hinterlegt in der Hoffnung, daß sie beachtet wird. Und bezüglich Tablettenkonsum können Sie einmal in die Abfalltonnen einer Apotheke schauen (oder ins Nachtkastl eines älteren Mitbürgers;-)

Anna Lukoschenko
21
10.11.2011, 13:11
Der Grünkatholik und Kurpfuscher postet wieder

hot doc
00
10.11.2011, 13:35

ist ihnen irgendwie nicht gut? wollens darüber sprechen?

iPost
00
13.11.2011, 14:19

zahlt das die SV?

Micha Do
 
00
8.11.2011, 09:12
Kann sich schon nach einem Jahr rechnen:

Wenn man gegen Gebühr den diversen Begehrlichkeiten seitens diverser anderer "Interessenten" nachgibt und Einblick gewährt.
Ich bin überzeugt,dass das geshehen wird.
Passierts nicht offiziell, dann inoffiziell.

Walter Fenz
00
10.11.2011, 20:31
Dolezal, keine Verschwörungstheorien, die

man der Dorner`schen Paranoia nachbetet, bitte.

Dolezal haben sicher selbst genügend Schweinereien miterlebt, die mit ELGA jedenfalls leichter auffliegen würden.

sainty1
00
7.11.2011, 11:48
wann rechnet sich denn die "Transparenzdatenbank"????

Franz Stefan
00
6.11.2011, 23:06
Man muß ELGA nur als "Friends of Health"-Karte vermarkten

Die Leute haben keine Problem, ihre Einkaufsgewohnheiten einer Supermarktkette anzuvertrauen. Da schreit keiner, oder?

hot doc
00
8.11.2011, 10:50

doch, ich habe ein problem.

und ich denke bereits an eine klage gegen einen handelskonzern, weil er kundenrabatte nur dann hergibt, wenn ich mich bereit erkläre, dass er meine einkaufsgewohnheiten sammeln und verwerten darf. das ist ein erpresserischer weg, den datenschutz zu umgehen.

iPost
00
13.11.2011, 14:23

ich schließe mich dem heissen doktor an,
rewe und co sparen dadurch milliarden(!) an marketing/umfragen kosten.

Gib Herrn Müller 10% auf seine Chips und er wird dir unfreiwillig seine ganze Lebensmittelgeschichte von Merkur bis Billa erzählen.

Tipp am Rande - Hingehen, ich hätt gern so ein Formular, irgendeinen Namen draufschreiben und pro Einkauf mit dem "Papier"-Wischkarterl seinen Tribut zollen.

Anna Lukoschenko
21
10.11.2011, 13:11
Du hast mehr als ein Problem

Franz Stefan
01
10.11.2011, 13:04
Natürlich gibt es ein paar Menschen, die da nicht mittun

Ich habe weder von normalen Supermärkten noch von Baumärkten eine Kundenkarte.
Ich denke aber, der Mehrheit ist das ziemlich wurscht, immer nach dem Motto "Geiz ist...

Das mit der Klage wäre eine interessante Geschichte.

Kontrahent1
00
11.11.2011, 12:23
Ich habe keinerlei Kundenkarte,

denke aber, mit ELGA kein Problem zu haben. Anders bei Menschen, welche z.B. HIV-positiv sind und bei denen wäre der Vermerk am wichtigsten.

hot doc
00
11.11.2011, 15:39

wenn sie schicksalhaft an einer chronischen erkrankung leiden, ich denke da etwa an den M.Bechterew, dann hätten sie ein problem mit elga.
dann wirds nix mit dem kredit für die eigentumswohnung, und so manche arbeitgeber werden sie nicht einstellen wollen.

Kontrahent1
00
12.11.2011, 12:06
Das meinte ich ja,

aber sollen Banken und Vermieter auf die e-card Daten zugreifen können? Ich ging davon aus, die Karte wird nur beim Arzt oder im Spital präsentiert.

hot doc
00
12.11.2011, 20:24

daten, die systematisch gesammelt werden, sind dem risiko der missbräuchlichen abfrage ausgesetzt wer glaubt, daten seien beim hauptverband oder sonst wo sicher, der glaubt wohl auch an den osterhasen.
wenn man dann noch weiss, dass die engagiertesten betreiber des elga projekts jene sind, die auch die privatisierung des gesundheitssystems wollen (schon vergessen, was kdolsky mit ihre ambulanzzentren versuchte???), dann weiss man, dass nach ihren vostellungen bald auch uniqa und konsorten legalen zugriff auf die daten bekommen. dann gute nacht, datenschutz.

Kontrahent1
00
13.11.2011, 12:20
Dann dürfte ich auch keine Bankkarte haben

denn sträflicher Missbrauch ist auch da möglich. Im übrigen glaube ich aber, daß, sieht man so die diversen Datensammlungen von USA-Reisen bis Interneteinkauf an, der Bürger sowieso schon ziemlich genau erfasst ist. Aber zurück zum Thema: Für den Arzt müsste es doch von Vorteil sein zu sehen, wie der Patient bereits therapiert wurde. Besonders, wenn der Patient keine Auskunft geben kann. Und im Sinne des Patienten wäre es die Patientenverfügung/Organspendeausweis im chip gespeichert zu haben.

hot doc
00
13.11.2011, 16:55

wenn ihr konto blank ist, bekommen sie trotzdem eine anstellung - im gegenteil, im wissen, dass sie dringend geld brauchen, sind sie als vermutlich unkomlizierter mitarbeiter sogar sehr willkommen.
wenn sie aber multiple sklerose haben, und selbst wenn sie damit voll arbeitsfähig sind, und ihr dienstgeber bekommt wind davon, dann wars das.

Kontrahent1
00
14.11.2011, 11:27
Die Krankheit

ist wahrscheinlich schon in Ihren Einreisedaten für USA gespeichert.

hot doc
00
14.11.2011, 13:17

auf diesem niveau brauchen wir nicht diskutieren.

Kontrahent1
00
15.11.2011, 11:29
Fehlt das Gegenargument?

Auch gut!

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