Steuerskandal um deutsche Schiedsrichter weitet sich aus

4. November 2011, 17:06
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Auch die UEFA überwies Honorare auf Auslandskonten - Ermittler: "Beihilfe zur Steuerhinterziehung"

Frankfurt - Der Steuerskandal um deutsche Schiedsrichter weitet sich aus: Wie nun bekannt wurde, hat neben dem Weltverband FIFA offenbar auch die UEFA die Honorare der Referees auf Auslandskonten überwiesen. Deutsche Steuerfahnder werten die Zahlungen der FIFA und der UEFA auf Konten in der Schweiz und Liechtenstein nach Informationen von Spiegel online als "Beihilfe zur Steuerhinterziehung". Es soll um sechsstellige Summen gehen.

Die internationalen Dachverbände  sollen "die Idee", den Unparteiischen Honorare auf Konten im Ausland zu zahlen, "verbreitet und aktiv gefördert haben". Nach Einschätzung der Ermittler ist diese Praxis ein "eindeutiger Verstoß gegen die eigenen Ethik- und Compliance-Richtlinien", die sich die UEFA und die FIFA selbst auferlegt haben.

Die UEFA bestätigte "Spiegel online" die Zahlungen, wehrte sich aber vehement gegen die Interpretation der Ermittler: "Kein Reglement der UEFA erwähnt, dass Schiedsrichter, die im Auftrag der UEFA tätig sind, ihr Honorar auf Konten in Ländern gezahlt bekommen sollten, in denen sie ihren Wohnsitz haben. Dennoch ist allen Schiedsrichtern sehr deutlich gemacht worden, dass sie ihre Einnahmen durch die UEFA gemäß der Regelungen in ihren jeweiligen Ländern versteuern müssen."

Auch die FIFA bewertet die Vorgänge ähnlich: "Die FIFA überweist das Geld auf das Konto, das die jeweilige Person der FIFA angibt. Das kann ein Schweizer Konto sein, ein deutsches, irgendein Konto. Die betreffende Person ist selbst dafür verantwortlich, dass sie das Geld richtig und sauber versteuert im eignen Land." Der Verband könne die "angebliche Einschätzung der deutschen Ermittler nicht nachvollziehen".

Deutschlands Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel wehrte sich am Freitag nach einer Krisensitzung mit 35 der 41 Erst- und Zweitliga-Referees in der DFB-Zentrale in Frankfurt gegen einen Generalverdacht. "Wir können den Schiedsrichtern nur anbieten, dass sie sich selbst von dem öffentlichen Druck entbinden können, wenn sie vorerst keine Spiele leiten möchten", sagte Fandel, der aber bislang offenbar noch nicht genau weiß, welche 21 Schiedsrichter unter Verdacht stehen: "Wir dürfen uns nicht von der Hektik treiben lassen. Es liegt in unserem Interesse, die offenen Fragen zügig aufzuklären. Wir werden die Namen der betroffenen Schiedsrichter in aller Ruhe aufarbeiten", so Fandel. (sid/red)

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