Kein Risikomanagement

Kontrollamt kritisiert Risikogeschäfte der Wiener Stadthalle

Bericht | Bettina Fernsebner-Kokert, 4. November 2011, 17:12
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    apa-foto: georg hochmuth

    Die Halle F ist seit 2006 in Betrieb, die Stadthallen-Betriebsgesellschaft least sie um monatliche 94.500 Euro. Der laufende Betrieb spiele die Leasingraten nicht zur Gänze herein, moniert das Kontrollamt.

Um Halle F zu finanzieren, setzte die Stadthalle auf risikoreiche Derivatgeschäfte und verweist auf positiven Gesamtertrag

Wien - Die Wiener Stadthallen-Betriebsgesellschaft wollte bei der Errichtung der Halle F das Risiko einer Zinsänderung für die Finanzierung minimieren - dies allerdings mit einem risikoreichen Derivatportfolio. Zu diesem Schluss kam das Wiener Kontrollamt in einem Bericht, der am Freitag veröffentlicht wurde.

Zum Stichtag 30. Juni 2011 bestand das Portfolio aus zwei Optionen, zwei Swaptions sowie einem Cross-Currency-Swap. Der drohende Verlust aus einem hoch riskanten Devisenoptionsgeschäft mit Schweizer Franken könnte das vorläufig positive Gesamtergebnis ins Minus drehen, zudem habe es keinerlei Risikomanagement gegeben, kritisieren die städtischen Prüfer.

Eine Bewertung des Kontrollamts ergab, dass zum Stichtag der Gesamtertrag 123.878,66 Euro betrug. Abzüglich der Aufwendungen für einen externen Finanzdienstleister, der 2010 engagiert wurde, sei ein vorläufiger Gewinn von 65.227,66 Euro erwirtschaftet worden.

Keine Vergleiche eingeholt

Dass mit dem Finanzdienstleiter erst im Mai 2010 ein Vertrag abgeschlossen wurde, monieren die Prüfer ebenfalls. Bis dahin habe sich die Betriebsgesellschaft lediglich von jener Bank bei den Derivatgeschäften beraten lassen, die diese auch abgewickelt hat. "Solange nicht unabhängige und zum Vorteil der Stadthalle agierende Beraterinnen bzw. Berater beauftragt waren, hätte die Beratung im Zusammenhang mit Einzelabschlüssen grundsätzlich durch mehrere Kreditinstitute erfolgen müssen, um seitens der Stadthalle Vergleiche hinsichtlich angebotener Konditionen anstellen zu können", schlussfolgern die städtischen Prüfer.

Die Halle F wurde von einer Fremdfirma errichtet und von der Stadthalle - als Teil der Wien Holding eine 100-Prozent-Tochter der Stadt - geleast. Das Investitionsvolumen beträgt 29,50 Millionen Euro. Die Vereinbarung wurde ursprünglich mit einem Restwert von 9,075 Millionen Euro und einer Laufzeit von 25 Jahren abgeschlossen. Im Oktober 2010 wurde die Laufzeit um fünf Jahre verlängert, der neue Restwert beträgt nun acht Millionen Euro. Die Stadthalle betonte am Freitag, dass es durch die Derivatgeschäfte keine Verluste gegeben habe, mit Ende Oktober 2011 liege der Gesamtertrag sogar bei 340.000 Euro.

Kein Aufbau von zusätzlichem Kapital

Doch auch die wirtschaftliche Performance der Halle F lässt laut Kontrollamt eher zu wünschen übrig. Diese erwirtschaftet zwar "durchwegs positive Deckungsbeiträge aus dem laufenden Veranstaltungsbetrieb", allerdings können die nötigen Finanzmittel, um die jährlichen Leasingaufwendungen von 1.134.000 Euro zu bedienen, nicht zur Gänze aufgebracht werden. Ganz zu schweigen davon, dass zusätzliches Kapital aufgebaut werden kann, um den Restwert nach Ablauf des Leasings zu finanzieren. Das, so das Kontrollamt, "konnte zu keinem Zeitpunkt realisiert werden". (Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.11.2011)

Einundzwanzig
01
17.11.2011, 12:08

Dass sich die Stadthalle mit einem vorläufigen Gewinn brüstet ist als ob ein blinder Alkofahrer sich um 4 in der Früh auf der Autobahn brüstet bisher keinen Unfall gebaut zu haben obwohl er noch 4 Stunden fahrt vor sich hat o.O

Hellcat
01
6.11.2011, 11:46

Gesamtertrag 123.878,66 Euro. Das sind die Zahlungen, die die Stadthallen-Betriebsgesellschaft aus den Derivativgeschäften bisher erhalten hat, abzüglich der Zahlungen, die sie bisher aus diesen Geschäften geleistet hat.
Interessanter wäre aber die Frage, wie viel diese Gschäfte heute wert sind. Wie viel würde es kosten, diese Geschäfte heute glatt zu stellen. Es dürfte sich um eine ähnliche Konstruktion wie bei der Stadt Linz handeln. Das Risiko einer Zinsänderung wurde minimiert, dafür wurde das Schweizer Franken- Wechselkursrisiko maximiert.

Übrigens, auch eine Swaption ist eine Option. Eine Option auf einen Swap.

Walter B.Stechlich
02
4.11.2011, 22:12

da wollten doch wohl nur ein oberamtsrat mit einem sektionschef zeigen was sie in internet-zocker-foren "gelernt" haben.

Mazzesinsulaner
 
00
4.11.2011, 18:00

ist das jetzt schon wieder ein fast identer Spiegelartikel zum gleichen Thema?

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