Wettbewerbsbehörde aktiv

ÖBB wollen Westbahn-Tickets nicht anerkennen

4. November 2011, 15:22

Laut Bundeswettbewerbsbehörde gebe es keine kartellrechtlichen Bedenken, wie die Bundesbahnen behaupten

Wien - Angesichts des bevorstehenden Starts der privaten Bahngesellschaft Westbahn auf der Strecke zwischen Wien und Salzburg hat der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) eine gegenseitige Anerkennung von Fahrkarten zwischen den ÖBB und dem privaten Mitbewerber gefordert. Die Westbahn unterstützt diese Forderung. Die ÖBB betonten, dass dieses Vorhaben gesetzlich nicht umsetzbar sei. Dem widerspricht jedoch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB).

Schon vor Monaten habe die Westbahn den ÖBB vorgeschlagen, Tickets des Mitbewerbers gegenseitig anzuerkennen, was von den ÖBB abgelehnt worden sei, hieß es in einer Pressemitteilung der privaten Konkurrenz. "Eine kurzsichtige Entscheidung, denn von einem attraktiveren und einfacherem Angebot für die Kunden würden alle Anbieter profitieren", zeigt sich Westbahn-Geschäftsführer Stefan Wehinger überzeugt. Eine Einigung bis 11. Dezember sei nun nicht mehr zu erzielen, das Angebot der Westbahn gelte aber weiterhin.

BWB sieht keine kartellrechtlichen Bedenken

Laut ÖBB ist die Anerkennung von Mitbewerber-Tickets wettbewerbsrechtlich aufgrund möglicher Kartellbildung ausgeschlossen. Die Staatsbahnen weisen in einer Aussendung auf die Verkehrsverbünde hin, jene Plattform, in der die gegenseitige Anerkennung von Tickets unterschiedlicher Verkehrsunternehmen geregelt ist. "Eine Forderung zur Anerkennung der Tickets außerhalb der Verbünde ist aus Kundenperspektive nachvollziehbar. Die rechtlichen Rahmenbedingungen lassen dafür jedoch - aufgrund möglicher Preisabsprachen und Kartellbildung - keinen Platz", so die ÖBB.

Für die BWB ist die Rechtsansicht der ÖBB, wonach eine gegenseitige Ankerkennung von Zugtickets wettbewerbsrechtlich unzulässig sei, nicht nachvollziehbar. "Die Anerkennung wäre kartellrechtlich durchaus möglich", sagte Behördensprecher Stefan Keznickl.

"Systemische Schwächen" im Vergleich mit Schweiz

Laut VCÖ seien Fahrgäste in Österreich mit verschiedenen Ticketsystemen und einem Tarifdschungel konfrontiert. Es fehlt ein bundesweiter Taktfahrplan, ein einheitliches Ticketing-System und eine koordinierende Stelle, "die darauf achtet, dass die Liberalisierung den Fahrgästen und dem Gesamtsystem Öffentlicher Verkehr zugutekommt", sagte Expertin Bettina Urbanek.

Eine vom Verkehrsclub veröffentlichte Studie macht darauf aufmerksam, dass der Öffentliche Verkehr in Österreich im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zwar gut abschneidet, im Vergleich zur Schweiz aber "systemische Schwächen" zeigt, erläuterte Urbanek. In der Schweiz sei die Zahl der Bahnverbindungen in den vergangenen Jahren massiv erhöht worden, was auf die dort geltenden verkehrspolitischen Maßnahmen zurückzuführen sei.

Die Schweiz hat u.a. eine Lkw-Maut auf allen Straßen, Diesel wird höher besteuert als Benzin, es gibt Verkehrserregerabgaben (Unternehmen wie Einkaufszentren, die viele Parkplätze haben und Verkehr generieren, müssen Abgaben leisten, Anm.) und es gibt ein klares Bekenntnis der Parteien zur Verbesserung und zum Ausbau des Öffentlichen Verkehrs, so der VCÖ. Nicht zuletzt wird von der öffentlichen Hand deutlich mehr in die Bahn investiert als in Österreich (4,5 Milliarden Franken - also 3,70 Milliarden Euro - jährlich im Vergleich zu 1,5 Milliarden Euro hierzulande).

Elektronisches Ticketing gefordert

Zumindest wichtige Städte sollten im Zwei-Stunden-Takt miteinander verbunden sein. Ähnlich wie in anderen EU-Staaten solle rasch mit der Einführung von elektronischem Ticketing (papierlose Fahrkarte) begonnen werden. Dafür fehlt aber eine koordinierende Stelle auf Bundesebene. Durch die Liberalisierung erhalten Regeln zur "Integration der Angebote neuer Unternehmen in den Taktfahrplan, für die Anschlusssicherheit und für Mindestversorgungsstandards" eine besondere Bedeutung.

Die Zahl der Fahrgäste wird nach Überzeugung des VCÖ auch in den kommenden Jahren weiter steigen. "Nicht zuletzt aufgrund steigender Erdölpreise", meinte Urbanek. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 552
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
armin delmenhorst
 
00
Obwohl ich die westbahn begrüße

verstehe ich hier auch die ÖBB. Warum sollen sie die Tickets von der westbahn anerkennen?
Ein Ryanair-Ticket wird auch von der Lufthansa nicht anerkannt und umgekehrt.

Franz Oberlechner
00
20.11.2011, 23:59
ad papierlose Fahrkarte

haben die ÖBB seit 1999, waren im übrigen die ersten ... heißt Handyticketing

sonja1978
00
13.12.2011, 19:05

und dann funktioniert es nicht und man sitzt im zug und zahlt 5 euro drauf.
hat 15x super funktioniert und dann mit dem selben handy wie sonst auch und mit einem zweiten --> nix. strafe gezahlt.

rudi ratlos3
03
7.11.2011, 11:08
westbahn

dieser wehinger ist doch nur noch zum kotzen. zuerst rosinenpicken, dann sieht er dass es doch nicht so einfach wird wie gedacht. da holt man sich die sncf ins boot und dann soll die öbb auch noch die fahrkarten anerkennen. dreister gehts nicht mehr. und zum überdrüber möchte dieser dilo auch noch im öbb fahrplan scotty eingebunden werden. aber österreich ist ja innerhalb der EU aus lauter arschkriecherei führend beim diskriminierungsfreien zugang für private evu. es wird der öbb auch noch vorgeschrieben werden dass sie die westbahn im fahrplan aufnehmen. kann man auf der homepage einer fluglinie auch den flugplan einer anderen linie sehen?

Club-der-dichten-Toten
10
7.11.2011, 16:14

Wenn Sie ein bisschen ausgewähltere Vokabeln verwenden würden, könnte man eventuell diskutieren.

Die Frage ist zudem, von dem Scotty bereitgestellt wird. Ich gehe mal davon aus, dass das von der Infrastruktur gemanaget wird und dann hat die Westbahn selbstverständlich ein Recht, auch dort gelistet zu sein, so wie jeder andere private Bahnbetreiber auch.

Umgekehrt möchte nämlich die ÖBB auch in den italienischen Faheplänen vorkommen mit dem Zug, den sie gemeinsam mit der DB und einem oberitalienischen Anbieter von München Richtung Italien betreibt.

Es ist nunmal die Liberalisierung am Bahnsektor durchgeführt, mit der Umsetzung im Personenbeförderungsbereich hapert's aber überall noch ein bisschen. Im Güterverkehr ist das zB. kein Thema.

knork
 
00
7.11.2011, 17:28
Scotty wird

vom ÖBB-PV betrieben.

Club-der-dichten-Toten
22
7.11.2011, 17:43

Tatsächlich...
Auch noch ein Punkt der Liberalisierung, der nicht ganz sauber gelöst wurde.

knork
 
02
8.11.2011, 17:36
?? Scotty ist die Fahrplanauskunft des ÖBB-PV

und als solches für den Nutzer erkennbar ausgewiesen.

a) der Infrastrukturbetreiber ist nicht verpflichtet eine elektronische Fahrplanauskunft zu betreiben

b) das eine EVU ist nicht verpflichtet die Verbindungen des anderen EVU auf der eigenen Serviceseite

Klar ists blöd für den Reisenden, aber wenn Liberalisierung die Förderung des freien Wettbewerbs sein soll, wie soll das mit dem WESTbahn Ansinnen (wurscht ob Fahrplanauskunft oder Anerkennung der anderen Tickets) zusammenpassen? Das ist doch pervers.

Club-der-dichten-Toten
10
8.11.2011, 22:24
Scotty ist die Fahrplanauskunft des ÖBB-PV

Ja, eben.
Das ist eben nicht sauber gelöst.
Eigentlich hätte Scotty der Infrastruktur zugeordnet werden müssen.

der_kleine_pariser
 
01
10.11.2011, 22:01

Was ist daran nicht sauber gelöst?

Der ÖBB PV bietet seinen Kunden ein fahrplaninformationssystem an. Wer soll das sonst tun?

R. Lexer
10
7.11.2011, 15:52

Naja, in den Fahrplan aufgenommen zu werden empfinde ich allerdings als Selbstverständlichkeit, schließlich zahlt die Westbahn GmbH ja auch Netzentgelt.

Daniel Zwick
03
8.11.2011, 14:47

Die Westbahn zahlt Netzentgelt an die ÖBB-Infrastruktur AG. Und steht daher auch in den Fahrplänen der ÖBB-Infrastruktur AG, das sind die Papieraushänge, Monitore und Bildschirme an den Bahnhöfen.
Die Westbahn zahlt aber nicht an die ÖBB-Personenverkehr AG, die unter anderem Scotty betreibt.
Wiener Lokalbahn (Personenverkehr), oder BLB oder auch tschechiche oder russische Staatsbahn stehen natürlich in Scotty, weil sie Angebote sind, die das ÖBB-Angebot erweitern und nicht zu diesem in Konkurrenz stehen. Die ÖBB verkauft für die meisten dieser Verbindungen sogar Fahrkarten.

Auf der Internetseite der Lufthansa gibts keine Ryanair-Flüge.
Auf der Internetseite der Westbahn gibts komischerweise auch keine ÖBB-Züge.

BraS
 
03
8.11.2011, 09:43

in den Fahrplan diverser Verbünde und Auskunftssysteme, ja.
in den Fahrplan von ÖBB-PV, nein.

Die Lufthansa bietet auf ihrer Seite ja auch nicht die AirBerlin Flüge an, dafür gibts eigene Suchmaschinen.
Mag zwar nicht kundenfreundlich sien, aber das ist eine zwangsläufige Folge der Liberalisierung, die ja angeblich so viele Vorteile hat.

R. Lexer
20
8.11.2011, 10:12

Der Vergleich hinkt, weil der Luftraum "allen" gehört. Die Westbahn fährt aber am Netz der ÖBB (IS).

Die ÖBB (PV) haben sonst ja auch kein Problem damit, Auskünfte über fremde Bahnen (zB Wiener Lokalbahnen oder Berchtesgadenerland Bahn) zu geben.

moski0815
01
11.11.2011, 12:25

Wie BraS sagte hinkt der Vergleich nicht. Vergleiche: Flughafen = Bahnhof bzw. ÖBB Infra, Fluggesellschaft = ÖBB PV Und Westbahn GmbH.

Am Bahnhof/Flughafen bekommst du unabhängig von der verwendeten Gesellschaft Informationen über An- und Abfahrtszeiten, Verspätungen, Ausfälle, etc. Auf der Homepage der Fluggesellschaft bekommst du nur für die jeweilige Gesellschaft Informationen bzw. Tickets.

Das Problem ist dass man bei der Aufteilung der ÖBB dies alles immer noch als ÖBB kennzeichnet und die beiden Unternehmen oft als eines erscheinen - der Unterschied also oft nicht ehbar ist.

BraS
 
01
8.11.2011, 16:02

nein, der Vergleich hinkt nicht.
Der Ansprechpartner ist einfach der falsche.

ÖBB-Infrastuktur hätte die Fahrpläne der Westbahn selbstverständlich einzuarbeiten.
ÖBB-Personenverkehr muss das aber sicher nicht tun.

Man findet auf der Westbahn-Homepage ja auch nciht die ÖBB-IC von Wien nach Linz.

Quim Barreiros
01
8.11.2011, 11:47

Die WLB und die BLB sind aber "Partnerbahnen", für die die ÖBB-PV Fahrkarten verkauft. Im Luftverkehr bietet die Lufthansa auch durchgehende Flugtickets unter Benützung von anderen Fluglinien (mittels code sharing) an.

Franz Oberlechner
00
21.11.2011, 00:03
ad Flugtickets

Codesharing: ist Partnergesellschaft
Ticket von Lufthansa für British Airways: möglich, aber sauteuer.
und: In der Luftfahrt ist das Verhältnis billigstes zu teuerstem Ticket ungefähr 1:10, bei der Bahn ca. 1:2.
Da ist also wenig drin bei der Bahn für Spielereien.

der_kleine_pariser
 
00
7.11.2011, 21:35

den kriegt aber nicht die PV sondern die Infra.

Scotty macht aber die PV.

R. Lexer
10
8.11.2011, 10:01

Und da fängt meiner Meinung nach schon der Fehler an. Warum hat der PV die Onlineauskunft? Warum nicht die Infrastruktur oder die Schienencontrol?

cafelatten
01
6.11.2011, 23:58
egalo

es ist doch egal ob die ÖBB die Westbahn-Tickets anerkennt oder nicht. Wer mit einem öbb zug fahren will ,kauft die tickets dort und wer mit westbahn fährt kauft halt westbahn tickets :)

Just N. Opinion
 
04
6.11.2011, 17:59
Ich buche also bei German Wings, fliege aber mit der AUA und mach' einen Mordsaufstand beim Check-in, wenn sie mich nicht an Bord lassen wollen.

Oder ich kaufe bei Meinl am Graben ein und geh nebenan beim Billa zur Kassa...

Warum um alles in der Welt sollen die ÖBB Tickets des Konkurrenten anerkennen?

Moser Hans
 
00
7.11.2011, 15:23
Ich habe noch einen

Ichkaufe mir für ein Spiel von Austria Wien eine Karte und gehe dann zu einem Spiel von Rapid.

Werden sie mich wohl reinlassen?

Chocoholic
00
6.11.2011, 16:20
Ok ich gründe eine bahnlinie, verkaufe tickets, fahre mit einem zug pro tag, die öbb 20 mal auf gleiche strecke, und alle meine kunden fahren mit der öbb....

Oder hab ich da was falsch verstanden? Ah ja, meine tickets sind billiger, also alle kaufen bei mir....

Verbal Kint
00
7.11.2011, 13:10
Ich denk, es ist schon daran gedacht, die Kosten auszugleichen.

Die interessante Frage ist, wie dieser Ausgleich stattfindet. Muss der Kunde beim Schaffner aufzahlen? Oder wird dem Konkurrenzunternehmen ein interner Tarif verrechnet? Dann wäre es ja wirklich bequem mit einem Halbpreisticket im ÖBB Zug zu fahren - die Frage wäre dann ja wirklich, wieviel die Westbahn zahlen muss.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 552
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.