Moody's prüft Herabstufung der Erste Group

4. November 2011, 15:50
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Während die Anzeige gegen Erste-Chef Treichl vorerst auf Eis gelegt ist, rechnet die Ratingagentur mit einer Herabstufung der Bank von "Baa1" auf "Baa2"

Wien/Frankfurt - Die Ratingagentur Moody's prüft eine Herabstufung des Bank-Finanzkraftratings (BFSR) der Erste Group Bank AG sowie ihres Einlagenratings und des Ratings für langfristige Verbindlichkeiten. Im Zusammenhang damit werde auch die Herabstufung der Ratings für Nachrangdarlehen überprüft, gab Moody's am Freitag bekannt. Das Kurzfrist-Rating wurde mit "P-1" bestätigt.

Mit "P-1" bewertet Moody's Schuldner mit "hoher Fähigkeit zur Rückzahlung ihrer kurzfristigen Verbindlichkeiten". Das "C-" beschreibt eine "angemessene innere Finanzkraft" der Bank, dem entspricht ein Langfrist-Rating von "Baa1" (moderates Risiko). Eine Herabstufung auf "Baa2" sei wahrscheinlich, eine Verschlechterung von "C-" nicht ganz auszuschließen, schreibt Moody's.

Grund für die mögliche Herabstufung sei das Bekanntwerden eines höheren Verlustes der Ersten, der zum Teil aus zuvor unbekannten CDS-Risiken (Credit Default Swaps) stamme. Die Moody's-Analysten haben Bedenken hinsichtlich der Risikobereitschaft der Bank und damit zusammenhängend hinsichtlich ihres Risikomanagements, der internen Kontrollen und der Finanztransparenz, nachdem für das dritte Quartal 2011 überraschend ein Verlust von 1,5 Mrd. Euro ausgewiesen wurde.

Treichl-Anzeige vom Tisch, FMA ermittelt aber noch

Bessere Nachrichten gab es für Erste-Group-Chef Andreas Treichl, der der Bilanzfälschung bezichtigt wurde. Die Staatsanwaltschaft Wien hat das Verfahren gegen Treichl "ohne formelles Ermittlungsverfahren" eingestellt, das aufgrund einer Anzeige eines Aktionärs der Bank mit dem Vorwurf der Bilanzfälschung eingeleitet wurde, bestätigte der Sprecher des Staatsanwaltschaft einen Bericht des Magazins "Format". Die Anzeige hatte zu wenig Substrat, so Vecsey. Das Verfahren könnte aber wieder aufgenommen werden, sollten "die Ermittlungen der FMA etwas ergeben", bekräftigte er. Die Bank hatte überraschend eine Neubewertung von Credit Default Swaps (CDS) angekündigt, sodass die Bilanzen für 2009 und 2010 korrigiert werden müssen.

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) ermittelt seit Oktober gegen den Erste-Chef wegen möglicher Verletzung der Ad-hoc-Pflicht bzw. wegen des Verdachts auf Marktmanipulation. Im Zentrum der Vorwürfe stehen Aussagen von Treichl gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters am 29. September. Damals hatte er gesagt, er wolle an der Gewinnprognose festhalten. Nur knapp zwei Wochen später, am 10. Oktober, musste der Erste-Chef die Ergebnisprognose deutlich nach unten revidieren. (APA)

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