Propofol bei Kindern nicht für längere Sedierung zugelassen

4. November 2011, 14:41
26 Postings

Laut AGES PharmMed-Chef nur für die Einleitung und die Aufrechterhaltung einer Narkose bei Operationen

Innsbruck - Nach dem Tod einer Dreijährigen an der Innsbrucker Kinderklinik hat es am Freitag Diskussionen um die Verwendung des Narkosemittels Propofol bei Kindern gegeben. Laut dem Chef der AGES PharmMed, Marcus Müllner, ist das Mittel für eine Sedierung von Kindern über eine längere Zeit nicht zugelassen. Das Mittel soll eigentlich nur für eine Narkose im Zuge von Operationen verwendet werden. Das Mädchen lag aber mindestens 36 Stunden im künstlichen Tiefschlaf.

"Zugelassen ist es bei Kindern für die Einleitung und die Aufrechterhaltung einer Narkose bei Operationen", erklärte Müllner. Für eine Sedierung zum Zweck einer Intensiv-Betreuung über einen längeren Zeitraum sei es aber nicht geeignet. Laut dem Beipackzettel ist es zur Sedierung für Kinder unter 16 Jahren verboten. Für Narkosen sei es ab dem ersten Lebensmonat zugelassen.

Mögliche Nebenwirkung bei Tod von Kind

Die ärztliche Direktion der Innsbrucker Klinik hatte am Donnerstag die Verwendung des Narkosemittels Propofol zur Sedierung auf Kinder-Intensivstationen gänzlich untersagt. Im Rahmen der laufenden Untersuchungen habe sich der Verdacht erhärtet, dass eine sehr seltene Nebenwirkung des Narkotikums zum Tod des Kindes geführt haben könnte, hieß es. Diese trete in einem von 10.000 Fällen auf und werde Rhabdomyolyse genannt. Dabei handelt es sich um die Auflösung der quer gestreiften Muskelfasern, wozu die Skelettmuskulatur, Herzmuskulatur und Zwerchfell gehören.

Das schriftliche Gutachten der Obduktion lag am Freitag bei der Innsbrucker Staatsanwaltschaft vorerst noch nicht schriftlich vor. "Erst danach wird über weitere allfällige Gutachten entschieden", sagte Hansjörg Mayr, Sprecher der Anklagebehörde. Die Staatsanwaltschaft hatte nach dem Tod des Kindes ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Täter eingeleitet.

Multiorganversagen

Das Mädchen war am 15. Oktober in das Bezirkskrankenhaus Schwaz eingeliefert worden, weil es beim Spielen Klebstoff verschluckt hatte. Von dort war das Kind aber umgehend an die Innsbrucker Klinik überwiesen worden. Noch am selben Tag wurde unter Narkose eine endoskopische Untersuchung der oberen Atemwege vorgenommen.

Die Narkose selbst war laut der ärztlichen Direktorin "ohne Zwischenfälle" verlaufen. Das Kind wurde danach routinemäßig auf die Intensivstation verlegt und weiterbehandelt. Zu der Verschlechterung, die schließlich in ein Multiorganversagen des Kindes mündete, sei es schließlich rund drei Tage später gekommen. (APA)

Share if you care.