Pneumokokken: Belage­rung der Schleimhäute

6. November 2011, 17:52
  • Peumokokken sind für einen Großteil der Mittelohrentzündungen veranwortlich. Im Bild: Eine Ohr-Silikonprothese.
    foto: apa/peter förster

    Peumokokken sind für einen Großteil der Mittelohrentzündungen veranwortlich. Im Bild: Eine Ohr-Silikonprothese.

Pneumokokken sind überall und für 80 Prozent der Lungen- und Mittelohrentzündungen bei Kindern verantwortlich. In Österreich denkt man über eine kostenlose Impfung nach und wägt Kosten und Nutzen ab

Die winzigen Bakterien haften an Händen, vorwiegend an kleinen klebrigen und derzeit häufig verschnupften Kinderfingern, aber auch an Türgriffen, Bussitzen, in angehusteten Schals. Das Besondere an ihnen: Diese Schnupfen- und Hustenerreger haben ein gefährliches Potenzial.

Ihren Bekanntheitsgrad gewannen die Pneumokokken als Auslöser von Lungenentzündungen. Sie machen vor allem älteren Menschen zu schaffen, sind aber für etwa 80 Prozent der Lungenentzündungen und Mittelohrentzündungen bei Kindern verantwortlich. "Dramatisch wird so eine Infektionen, wenn es Pneumokokken schaffen, den Blutkreislauf zu erreichen", sagt Walter Zenz, Kinderarzt an der Uniklinik Graz. Dann nämlich droht eine Sepsis: Die Bakterien überschwemmen den Körper und können Infektionen an Organen auslösen - auch am Gehirn. Eine durch Pneumokokken ausgelöste Hirnhautentzündung endet nicht selten tödlich oder hat schwere mentale Schäden zur Folge. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jährlich bis zu zehn Millionen Menschen an Pneumokokken-Infektionen. "Damit führen Pneumokokken die Sterblichkeitsrate unter den Infektionskrankheiten an", so Zenz.

Kostenlose Impfung für Risikogruppen

Gerade bei geschwächten Menschen - vor allem Kindern - könne eine Pneumokokken-Infektion "fulminant verlaufen", warnt Zenz. Fulminant heißt: Tod innerhalb von 48 Stunden. Bereits seit knapp 30 Jahren existiert ein Impfstoff. Im Jahr 2001 kam der erste hinzu, der auch bei Kindern wirkt. Seit 2003 können in Österreich Risikogruppen - dazu gehören Frühgeborene, chronisch Kranke sowie Menschen über 65 - auf Kosten der Krankenkassen geimpft werden, alle anderen müssen den Schutz selbst bezahlen.

Im Bundesgesundheitsministerium plant man jedoch derzeit, alle Kinder kostenfrei gegen Pneumokokken zu schützen. Anlass für diese Überlegungen ist die Einführung zweier neuer Impfstoffe. Mit dem bisher Verfügbaren deckte man lediglich sieben Pneumokokken-Typen ab, die vor allem in den USA wüteten. "Die neuen Impfungen sind an die in Europa verbreiteten Stämme angepasst", so Zenz.

Volkswirtschaftlicher Nutzen

Impfen ist längst keine reine Gesundsheitsangelegenheit mehr. Es ist ein Finanzierungsthema: Impfstoffpreis steht gegen Krankenheitskosten. Laut Nationaler Referenzzentrale führten Pneumokokken 2010 in Österreich bei 325 Menschen zu schweren, meldepflichtigen Krankheiten, an denen 16 Patienten starben. Abseits der menschlichen Tragödie lassen solche Betrachtungen auch Zweifel aufkommen. Die Impfstoffe kosten durchschnittlich 70 Euro pro Dosis. Würde man nur 90 Prozent der rund 78.000 Neugeborenen pro Jahr impfen und ältere Kinder vernachlässigen, müsste das Gesundheitswesen für die empfohlenen vier Impfdosen etwa 20 Millionen Euro aufbringen.

Zahlt sich das aus? Schließlich schützen auch die neuen Impfstoffe lediglich gegen zehn bis 13 der 91 Pneumokokken-Stämme, "die allerdings etwa 70 Prozent der Infektionen abdecken", so Zenz. Zudem soll auch Lungen- und Mittelohrentzündungen Einhalt geboten werden. Doch ein Blick in den Jahresbericht der Nationalen Referenzzentrale für Pneumokokken zeigt, dass etwa die Sterblichkeit trotz Impfung der Risikogruppen in den letzten Jahre zunimmt sowie auch die Zahl der Erreger, die im derzeitigen Impfstoff enthalten sind.

Sigrid Heuberger, Leiterin der Nationalen Referenzzentrale für Pneumokokken, führt beides auf die uneinheitliche Datenlage in Österreich zurück. Doch Studien aus Spanien, Frankreich und den USA kommen zum Schluss, dass die Vakzinen zwar sehr erfolgreich gegen "ihre" Erreger schützen, dafür aber andere der 91 Pneumokokkenstämme ihren Platz einnehmen. Replacement, also Austausch, nennt man das im Fachjargon. Erst im April bestätigte das eine Untersuchung aus Großbritannien, wo seit 2001 Kinder durchgehend gegen Pneumokokken geimpft werden.

"Replacement ist ein natürlicher Vorgang", hält Heuberger entgegen. Wann immer Keime vom Immunsystem bekämpft werden, würden andere deren Platz einnehmen. "Durch die Impfung wird dieser Vorgang nur beschleunigt", fügt sie hinzu. Das sei nicht nur schlecht. So haben in England schwere Pneumokokkeninfektionen abgenommen.

In der Forschung sucht man unterdessen nach neuen Impfstrategien. Philipp Henneke vom Centrum für Chronische Immundefizienz an der Uniklinik Freiburg hält die Ausweitung der Impfstoffe auf immer mehr Pneumokokken-Stämme für ein viel zu umständliches und teures Verfahren.

Er plädiert dafür, neue Vakzinen zu entwickeln, die alle Pneumokokken-Stämme anhand ihrer Zelloberfläche erkennen.

Neue Ansätze

So setzen US-Forscher vom Children Hospital in Boston auf die Stimulierung eines körpereigenen Abwehrmechanismus, der gewöhnlich die Schleimhäute der Atemwege vor der bakteriellen Belagerung schützt - den Pneumokokken aber umgehen können. Im Mausmodell waren sie erfolgreich. Und auch das österreichische Biotech-Unternehmen Intercell arbeitet an diesem Ansatz.

Denn tatsächlich gibt es in immer mehr Ländern triftige Gründe, sich vor Pneumokokken zu schützen: Die Erreger werden zunehmend resistent gegen Antibiotika. Dem Stamm 19A etwa sehen Ärzte in Frankreich und Spanien mit Argwohn entgegen. Gegen ihn hilft mancherorts keines der Mittel mehr. "Noch stehen wir in Österreich gut da, aber resistente Keime setzen sich durch. Dann haben wir ein Problem, vor dem Impfen bewahren kann", so Zenz. (Edda Grabar, DER STANDARD, Printausgabe, 07.11.2011)


Wissen: Impfen

Bei Impfungen wird das körpereigene Abwehrsystem "vorgewarnt". Manchmal lösen die Impfstoffe keine ausreichende Immunantwort aus. Gerade bei Kindern unter zwei Jahren wirken die sogenannten Polysaccharidimpfstoffe (PPV) gegen Pneumokokken und Meningokokken nur unzureichend. So wird der PPV gegen Pneumokokken nur für Erwachsene empfohlen.

Für Kinder gibt es die Konjugatimpfstoffe, die um einen Träger ergänzt werden, der die Abwehrreaktion des Körpers verstärkt. Prevenar 7 oder das neue Prevenar 13 sowie Synflorix wirken gegen sieben, 13 bzw. zehn Pneumokokkenstämme.

Die Zulassungsbeschränkung auf Kinder sorgt für Unmut. Denn gerade der Erwachsenenimpfstoff ist umstritten. Eine Schweizer Arbeitsgruppe fand heraus, dass der Impfstoff kaum wirkt. Für Experten ist dies kein Wunder - das Immunsystem ist bei älteren Menschen geschwächt und lässt sich nicht mehr so gut stimulieren. So wünscht man sich in Fachkreisen, dass die Vakzinen nach Auftreten der Stämme in den verschiedenen Altersklassen verabreicht werden könnten. (eg)


Zum Thema

Impfen oder nicht? - Interview mit Pneumokokken-Expertin Sigrid Heuberger


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21 Postings
Zweiklassenmedizin

Also die Pneumokokkenimfung ist seit Jahren in Österreich allgemein empfohlen, leider muss sie für die meisten Säuglinge privat bezahlt werden. Im Gegensatz zur Ländern denen es finanziell schlechter geht als uns wie Ungarn, Türkey.
Ringsherum wird seit Jahren flächendeckend geimpft. Bei uns erkranken noch Kinder an invasiven Pneumokokkeninfektionen, einige davon sterben, werden taub und lebenslang behindert (Pneumokokken meningitis).
Das wäre zum Grossteil vermeidbar und letztlich auch kostensparend.
Wir leisten uns also eine klassische Zweiklassenmedizin und sind nicht fähig schwere und schwerste Infektionen durch Impfung zu vermeiden und sind auch noch unfähig auf diese Weise Kosten einzusparen. Ein Trippel AAA für Unfähigkeit

wieso die meisten menschen davon NICHT krank werden.... das fragt wieder mal keiner.

hauptsache, der impfstoff wird verkauft!

Österreichs Kinder

Ich glaub ich träum!!

Österreichs Kinder erhielten bislang einen US-Impfstoff, der zwar die in den USA verbreiteten Stämme erfasst, nicht aber die Österreichischen??

Bitte warum redet man dann den Eltern ein, ihre Kinder unbedingt impfen zu lassen.

Hauptsache die Pharmakonzerne verdienen gut -oder was?

klar! und werner zenz, welcher sich sogar öffentlich bei glaxosmithkline für die unterstützung bedankt, ist der fürsprecher. schöne "experten", die hier befragt werden.

konj.Pneumokokkenimpfstoff für Erwachsene

da wurde etwas übersehen, ein konjugierter Pneumokokkenimpfstoff für Kinder erhielt im Okt.2011 die Zulassung auch für Erwachsene.

Bitte immer ordentlich recherchieren.

Wer was gegen Impfungen hat kann MMS verwenden

von Jim Humble entdeckt, geht es gegen Bakterien und Viren im sauren Bereich vor, also alle schädlichen.

die meisten menschen haben mit pneumokokken kein problem und bleiben völlig gesund. aber es fragt sich keiner, warum.

probieren Sie das bitte bei sich selbst aus

ist ja nicht zu fassen.... Danke für die Wikipedia Links von user "Godesberg". Immer wieder diese Irren :-( "Sure.... MMS can heal cancer" -wow.

Wobei ich Impfungen auch zum Großteil kritisch sehe und unsere Tochter nicht gegen Pneumokokken impfen lies.
Übrigens auf Empfehlung eines befreundeten kritischen Arztes, der seine eigenen Kinder auch nicht impfen lies. Mumps, Masern, Röteln und Feuchtplattern ja. Er meinte er macht seine Kinder nicht zu Versuchsobjekten für die Pharmafirmen. Was weis er was wir nicht wissen?

wogegen haben sie impfen lassen?

Was weis er was wir nicht wissen?

Gar nichts. Die Pneumokokkenimpfung hat die gleichen potentiellen Nebenwirkungen wie alle anderen Impfungen auch (außer vielleicht, dass es direkt nach der Impfung kurzfristig zu vermindertem Appetit kommen kann). Ich schätze mal, er erkennt den Sinn der Impfung nicht. Verglichen mit anderen Kinderkrankheiten sind Pneumokokkeninfektionen mit 830 000 Kindern pro Jahr noch harmlos. Problematisch wird es dann wenn die Erkrankung da ist und man dann zu Antibiotika greifen muss, denn auch Pneumokokken entwicklen mit der Zeit Resistenzen gegen Medikamente - die Impfung würde den ganzen Spuk verhindern.

sind Sie Arzt?

woher beziehen Sie Ihre Informationen?

Ja

...aber kein Kinderarzt.
Informationsquellen sind die Ergebnisse der Kinderstudien der Pneumokokkenimpfungen (und für Zahlen schaut man meist auf Wikipedia - geht schneller und die sind dort auch meist seriös belegt).

du und arzt? dafür hast du zu viel zeit zum sinnlos posten.

Eigentlich geht das ganz schnell...

...Ihre Unwahrheiten zu widerlegen dauert nicht wesentlich länger als die Zeit, die man zum Schreiben des Textes braucht. Große geistige Herausforderungen sind Ihre Behauptungen in aller Regel ja nicht ;)

Und welche meiner Postings sinnvoll sind, kann ich selbst entscheiden, danke.

besten Dank für Ihre Antwort

es ist immer gut, mehrere Meinungen zu hören.

ein arzt, der auf wikipedia hinweist und keine studien postet? bitte hinterfragen.

Sie haben noch nie irgendeinen Beleg gepostet.
Naja, immerhin muss man ihren Schwachsinn gar nicht erst hinterfragen da offensichtlich.

Ein geistig gesunder Mensch kann doch nicht allen Ernstes so einen Schwachsinn glauben?

Nehmen wir mal an, das würde tatsächlich funktionieren (was es nicht tut):

Man kann sich also einmal im Leben impfen lassen (bzw. alle zehn Jahre), oder man trinkt jeden Tag Chlorbleiche. Na Glückwunsch!

Etwas billiger wäre es statt des MMS gleich Domestos zu trinken. Da ist im Prinzip das gleiche drin und es hat den unschätzbaren Vorteil, dass es das auch in der Geschmacksrichtung "lemon" gibt!

Anmerkung:
NEIN, DAS IST KEINE AUFFORDERUNG DOMESTOS ZU TRINKEN!

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