Nasenspray als Influenza-Impfstoff

Vor 2014/15 ist mit einer allfälligen Zulassung der Vakzine nicht zu rechnen

Wien  - Schon im Jahr 2002 gegründet, bemüht sich das kleine Wiener Biotech-Unternehmen Avir Green Hills Biotechnology des Virologen Thomas Muster seit damals, auf der Basis von genetisch veränderten Influenza-Viren einen neuen Grippeimpfstoff als Nasenspray zu entwickeln. Vielleicht führt dieser "Lange Marsch" sogar via China oder Indien zum Ziel, hieß es am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien. Jedes Jahr erkrankt rund eine Milliarde Menschen an der Influenza, bis zu fünf Millionen Patienten erleiden schwere Komplikationen, bis zu 500.000 Erkrankte sterben.

Körpereigene Abwehr in Gang setzen

Das Konzept der Kandidat-Vakzine deltaFlu besteht darin, dass als Antigene Influenza-Viren dienen, bei denen das Gen für den krank machenden Faktor NS1 entfernt ist. Damit drehen die Viren die körpereigene Immunreaktion auf die Viren ab, es kommt zu keiner bzw. einer zu geringen Produktion von Interleukin als Immunbotenstoff, der die körpereigene Abwehr in Gang setzt. Die Viren können sich ungehindert vermehren. Influenzaviren ohne das NS1-Gen wirken hingegen stark als Reiz für das Immunsytem, können sich nicht vermehren, eine Applikation als Nasenspray soll in Nase und Rachen - also genau an den Orten, wo die Krankheitserreger in den Körper eindringen - zu einer schützenden Immunantwort führen.

Muster: "Wir haben gerade die vorläufigen Ergebnisse einer Phase I/II-Studie an 80 Probanden mit einem trivalenten Impfstoffe gegen H1N1-, H3N2- und Influenza-B-Viren bekommen. Es kam zu einem Anstieg von Antikörpern gegen alle Komponenten des Impfstoffes." Zwischen Placebo-Gruppe und jenen Probanden, welche die echte Vakzine bekamen, gab es keinen Unterschiede bei den Nebenwirkungen. Eine Injektion entfällt genauso wie die eventuelle Beimischung eines Adjuvans zur Vakzine, was häufig zu Lokalreaktionen führt. Als nächstes soll eine Phase-II-Studie an Probanden mit einer höheren Dosis der Vakzine erfolgen. Auch an der Formulierung einer oralen Applikation als Sublingualtablette wird gearbeitet.

Doch die Sache war bisher schon ein sprichwörtlich "Langer Marsch". Schneller vorwärtsgehen - es steht ja noch eine große Phase-III-Studie zur Dokumentation der Wirksamkeit und für die Zulassung mit 6.000 Probanden aus - soll es in Zukunft mit Partnern. Laut Business-Vorstand Martin Götting ist man dabei im Gespräch mit zwei potenziellen chinesischen Interessenten, mit einem indischen Impfstoffhersteller und europäischen bzw. US-Unternehmen. China, Indien und die USA sind, was die Zulassung von Arzneimitteln betrifft, jeweils autonom. Die Lizenzvergabe an dort tätige Unternehmen ab der Phase-II würde deren weitere Entwicklungszeiten minimieren. Vor 2014/15 ist allerdings mit einer allfälligen Zulassung der Vakzine nicht zu rechnen. (APA)

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