VW-Fusion beschert Porsche SE rote Zahlen

4. November 2011, 12:34
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Ohne bilanziellen Sondereffekt hätte Porsche nach drei Quartalen Milliardengewinn eingefahren - Fusion noch nicht absehbar

Stuttgart - Die auf Eis gelegte Fusion mit Volkswagen hat den Porsche-SE-Konzern tief in die roten Zahlen gedrückt. Unter dem Strich stand bei der Dachgesellschaft Porsche Automobil Holding SE nach den ersten neun Monaten ein Verlust von 462 Mio. Euro, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Auch für das Gesamtjahr 2011 schließen die Stuttgarter rote Zahlen nicht aus.

Eine Überraschung ist das nicht: Porsche hatte bereits Anfang September angekündigt, dass sich der geplatzte Zeitplan für das Zusammengehen mit VW negativ in der Bilanz niederschlagen wird. Damals hatten die beiden Autobauer eingeräumt, wegen zahlreicher ungelöster Probleme nicht mehr wie ursprünglich geplant noch 2011 zusammenzufinden. Der Verlust fällt bei der Porsche Porsche Automobilholding in stuttgart, niacht aber bei der im März in den VW-Konezrn überneommenen Porsche Holding Salzburg an.

Die Belastung von 3,7 Mrd. Euro auf dem Papier bedeutet aber nicht, dass bei den Schwaben weniger Geld in der Kasse ist. Es geht um einen rein rechnerischen Sondereffekt, ohne den die Porsche SE ein deutlich positives Ergebnis von 3,4 Mrd. Euro eingefahren hätte.

Optionen

Hintergrund des Sondereffekts: Nach dem Übernahmekampf mit Volkswagen und dem anschließenden Friedensschluss 2009 räumten sich beide Autobauer Optionen ein, mit deren Hilfe VW auch die restlichen Anteile an der Porsche AG übernehmen kann. Derzeit halten die Wolfsburger 49,9 Prozent.

Zwar ist in Verträgen festgelegt, innerhalb welcher Fristen die Partner ihre Anteile zu welchem Preis übertragen können. Die Optionen müssen aber nach einheitlichen Bilanzierungsregeln jeweils zu Stichtagen bewertet werden. Dies schlug bei Porsche negativ zu Buche. Bei VW wirkte sich der Effekt dagegen positiv aus - mit Plus 6,8 Milliarden Euro beim Vorsteuerergebnis.

Von Juli bis September reduzierte die Porsche SE ihre Schulden weiter auf noch rund 1,5 Mrd. Euro. Die Schwaben hatten wegen der gescheiterten Übernahmeschlacht mit VW einen Schuldenberg von mehr als elf Milliarden Euro angehäuft, dieser wird seit 2009 nach und nach abgebaut.

Konsortialkredit

Mit den Banken hat Porsche im Oktober einen neuen Konsortialkredit über bis zu 3,5 Mrd. Euro mit besseren Konditionen abgeschlossen, der den bisherigen ablöst. Der Kredit besteht aus einer Kredittranche von zwei Mrd. Euro, die die derzeitige Bruttoverschuldung abdecken, und einer bisher ungenutzten Kreditlinie in Höhe von bis zu 1,5 Milliarden Euro. Diese dienen als Reserve.

Unter dem Dach der Porsche Automobilholding sind 50,1 Prozent der Anteile an der Porsche AG gebündelt und die gut 50 Prozent, die die Stuttgarter an VW halten. Die Wunschlösung der beiden Autobauer war, die Porsche SE mit der Volkswagen AG zu verschmelzen. Doch juristische Streitigkeiten in den USA sowie in Deutschland und damit verbundene milliardenhohe Risiken ließen VW davon abrücken.

Derzeit wird mit Hochdruck nach neuen Wegen für eine Fusion gesucht. Der VW-Vorstand will die Ideen noch in diesem Jahr dem Aufsichtsrat präsentieren. Eine Möglichkeit ist Plan B, ein Hintertürchen, das die beiden Partner bereits bei ihrer Vereinbarung 2009 eingebaut hatten, falls die Verschmelzung 2011 nicht gelingt. Dank der wechselseitig eingeräumten Kauf- und Verkaufsrechte kann VW das Porsche Sportwagengeschäft (Porsche AG) komplett übernehmen. Von 15. November 2012 bis 31. Jänner 2015 öffnen sich dafür mehrere Fenster. Der Vorteil: Volkswagen könnte sich so das operative Porsche-Geschäft sichern, ohne die ungelösten Probleme der Porsche SE am Hals zu haben. Der Nachteil: Diese Variante wäre erst ab Mitte 2014 steuerfrei.

Ungeachtet all dieser Probleme läuft das Sportwagengeschäft der Stuttgarter glänzend. In den ersten neun Monaten steigerte der Autobauer sein operatives Ergebnis um 25 Prozent auf 1,5 Mrd. Euro, wie das Unternehmen vergangene Woche berichtete. Der Umsatz legte um 20 Prozent auf 7,93 Mrd. Euro zu. Der Absatz verbesserte sich um 26 Prozent auf 85.872 Autos. (APA)

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