Elektronische Akte

ELGA soll Kosten in einem Jahr wieder hereinspielen

4. November 2011, 10:41

Laut Stöger 130 Mio. Euro Ausgaben bis 2017 - Überarbeiteter Gesetzentwurf noch nicht fertig

Wien - Die elektronische Gesundheitsakte ELGA wird in Errichtung und Betrieb bis Ende 2017 insgesamt rund 130 Mio. Euro kosten, soll laut Berechnungen des Gesundheitsministeriums dann aber jährlich fast gleich viel, nämlich 129 Mio. Euro an Kostendämpfung bringen. Das dafür nötige Gesetz hat Minister Alois Stöger (SPÖ) noch nicht ganz fertig. Vor Journalisten schwärmte er vom Patientennutzen und der Datensicherheit, von den Kritikern gab er sich wenig beeindruckt.

In den Gesamtkosten sind die 30 Mio. Euro für "Architekturkomponenten" aus der Bund-Länder-Vereinbarung für die ELGA ebenso eingerechnet wie die Ausgaben für die E-Medikation, rechnete Stöger vor. Die Finanzierung wird zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung aufgeteilt. Ab 2018, wenn das System in Vollbetrieb ist, sollen Betriebskosten von 18 Mio. Euro jährlich anfallen.

Stöger erwartet Einsparungen

Gleichzeitig erwartet Stöger von dem System, bei dem Ärzte und Spitäler einen jeweils auf 28 Tage limitierten elektronischen Zugang zu den Gesundheitsdaten ihrer Patienten bekommen, beachtliche Einsparungen. Rund 44,9 Mio. Euro soll allein die E-Medikation dem Gesundheitssystem jedes Jahr bringen, 27,6 Mio. Euro der E-Befund und die damit verbundene Vermeidung von Spitalseinweisungen. Unterm Strich sind 129 Mio. Euro an Kostendämpfung (Beispieljahr 2017) vorgesehen.

Offen ist noch, wann der Minister das ELGA-Gesetz in den Ministerrat bringen wird. "Ich habe kein Problem, wenn es heuer nicht mehr ist", sagte Stöger bei einem Hintergrundgespräch am Donnerstagabend, er mache aber durchaus Druck auf seine Beamten. Österreichweit verwendbar soll das System jedenfalls Mitte 2013 sein, die ELGA-Pflicht für Vertragsärzte und Krankenhäuser 2015 kommen. 2017 will der Minister private Krankenanstalten einbinden, 2022 auch Zahn- und Wahlärzte.

Stöger: Einziger Gegner ist Ärztekammer

Gegenüber dem Begutachtungsentwurf wird es im Gesetz laut Stöger noch einige Änderungen geben. Vorgesehen ist nun die verpflichtende elektronische Identitätsüberprüfung, der Ausschluss geheimer psychiatrischer Daten und genetischer Analysen, eine einfachere Widerspruchsregelung, eine längere Speicherdauer der Daten (zehn statt drei Jahre für Dokumente, ein Jahr statt sechs Monate bei der E-Medikation) und die Einbindung auch der Pflegeeinrichtungen.

"Die einzige, die wirklich konsequent dagegen ist, ist die Wiener Ärztekammer", meinte Stöger zu seinen Kritikern. "Das ist ein zerstrittener Haufen von Ärzten, die natürlich einen Außenfeind brauchen, um im Inneren die Widersprüche auszuhalten". Der Gesundheitsminister vermutete finanzielle Motive hinter den Angriffen, schließlich sollen ja Behandlungen und Befunde eingespart werden. Außerdem scheine sich Vizepräsident Johannes Steinhart für den kommenden Ärztekammer-Wahlkampf in Position zu bringen.

Sorgen um den Datenschutz muss man sich nach Ansicht Stögers nicht machen, zu erwarten sei nämlich ein Quantensprung bei der Sicherheit und dem Zugang zu Gesundheitsdaten. Außerdem sei auch der "Menschenschutz" wichtig: "Ich will nicht, dass irgendjemand ein Gesundheitsproblem hat, weil wir irrational mit dem Datenschutz umgehen", sagte er. (APA)

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25 Postings
sirius5one
00
6.11.2011, 19:29
www.gesundemeinung.at

"Der Gesundheitsminister vermutete finanzielle Motive hinter den Angriffen, schließlich sollen ja Behandlungen und Befunde eingespart werden." Die Ärzte brauchen keine Angst haben, es wird schon genug´g für jeden weißen Kittel übrigbleiben.

Auge des Osiris
00
4.11.2011, 18:15

"zu erwarten sei nämlich ein Quantensprung"

Was soll man von so einem Minister halten? Kann ihm vielleicht jemand ausrichten, dass in der Physik ein Quantensprung etwas sehr, sehr, seeeeehr kleines ist. Eigentlich wollte er ja "Meilenstein" sagen.

Oder weiß er was er redet und hofft nur, dass wir es nicht mitkriegen ...

Interessierte1
00
4.11.2011, 17:37
was heißt "Architekturkomponenten"...

aus der Bund-Länder-SV-Vereinbarung, horcht sich aus dem Mund eines völlig Unbedarften zusätzlich SEHR lächerlich an...

Würde eher meinen: 30 Millionen dafür, dass Bund, Länder und Sozialversicherungen weiterhin ihren Mist beitragen dürfen und zusätzlich keine OFFENE Ablehnung gegen irgendetwas aus dem derzeitigen Gesundheitsministerium "erkauft wird"...

...wer gibt solche Interviews...wer sendet solche Pressemitteilungen...warum sagt KEINER was, warum...

ErikaGutjahr
00
4.11.2011, 17:30

Es soll ja eine Opt-Out-Funktion geben, natürlich nur auf Antrag. Ich hoffe, die geben dann rechtzeitig die Infos bekannt, wie man zu so einem Antrag kommt bzw wo man den herbekommt.

Clemo
01
4.11.2011, 17:13

Ich hab vor ca 10 Jahren in den Niederlanden ein Auslandssemester verbracht.
Damals hat dort ein praktischer Arzt schon per Computer Befunde von anderen Ärzten erhalten.

Keine Ahnung, wie viele Ärzte an das System angeschlossen waren oder sind, aber diese Ärztekammer bei uns scheint den "Beamtenkomplex" von Neugebauer zu haben:
Warum was verändern, es ist doch eh alles super...

P.S.: Das soll nicht heißen, dass genau diese Maßnahme von Stöger auch richtig ist und noch dazu richtig umgesetzt wird. Dazu kenne ich zu wenige Details. Aber die Idee dahinter macht mE zu 100% Sinn.

duckdive
00
4.11.2011, 17:45

auch hier bekommen ärzte befunde von kollegen elektronisch geschickt. aber nur dann,wenn sie an denjenigen überwiesen haben. das macht sinn, ein allgemeiner zugriff auf eine krankenakte halte ich jedenfalls für höchst brisant.

ErikaGutjahr
00
4.11.2011, 17:28

solange das mit der Datensicherheit so ganz und gar nicht geklärt ist (soviel ich da mal mitbekommen habe, funktioniert das gar nicht so optimal) und solange nicht sicher ist, dass dann wirklich nur der Arzt auf Daten zugreifen darf, dem ich das vorher per E-Card auch gestatte, solange halte ich das nicht sinnvoll. Und was, wenn irgendeine Versicherung an meine Daten kommt und ich dann Probleme damit bekomme??
Also ehrlich gesagt, ich würde es mir dann doppelt und dreifach überlegen, vielleicht nicht doch öfter mal privat zum Arzt zu gehen.

ErikaGutjahr
00
4.11.2011, 17:10

Das letzte Mal beim Orthopäden erlebte ich mit, dass da ein Patient dort war, der "aus Angst vor der E-Card" privat gezahlt hat! (und der sah nicht sehr wohlhabend aus und der bekam dann auch noch Einlagen uvm, die er alle privat gezahlt hatte, eine sehr stattliche Rechnung) wie wird das wohl erst werden, wenn ELGA kommt, dann werden viele Ärzte wohl mit einem signifikanten Anstieg von Privatpatienten zu rechnen haben.

plusminus 50 milliarden?
11
4.11.2011, 16:49

Für diese Milchmädchenrechnung sollte Stöger eigentlich zurücktreten.

bonifatius pangratius
00
4.11.2011, 16:02

einzig dagegen sind nicht nur die ärztekammer, sondern auch ich! ;-)

M F
22
4.11.2011, 15:57
ich bin absolut dafür......

...wer weiß,wie viel geld durch doppelt- und dreifachbefundugen, fehlende kommunikation zwischen den diversen gesundheitseibrichtungen verloren geht, der weiß, daß hier die notwendigkeit eiber verbesserten erfassung der befunde und aktuellen medikation erforderlich ist. stöger hat mit seinem befund über die abzockerpartie ärztekammer vollkommen recht. elga soll zum opfer der mediengeilheit von äk präponenten werden, die um die nachfolge von dorner kämpfen. statt elga zu bekämpfen, sollten sie lieber eine verfassungsreform mit austrittsermöglichung aus der inzestiösen, prunksüchtigen ärztekammer initiieren und endlich den unnötigen wohlfahrtsfonds auflösen.

Interessierte1
01
4.11.2011, 17:22
...da gebe ich Ihnen Recht, dass die

Ärztekammer sehr dubios ist, lange (bis vor ca einem Jahr noch) an der Weißen Gottschaft festhielt und damit sich auf das Niveau von völlig ungebildeten Extremisten begab und auch die Wortmeldungen der autorisierten Vertreter heute noch davon zeugen, dass diese Spezies, die heute noch immer ohne Diplom- oder Doktorarbeit zum Doktro "erkoren" wird, weltfremd ist...

ABER: Herr MI Stöger, amtlich ungebildet, stolz darauf, dass er ein Jahr Hauptschule besuchen durfte, weil es da dann einen Bus gab und auf die Ausbildung zum praktischen!! Soziologen=absurd in Luxemburg stolz ist....kann mir gar nichts erzählen, weil dumm - ungebildet - inkompetent - naiv irgendwelche Texte ließt...horchen Sie weg...einem Hausl würden Sie auch kein Ohr schenke

duckdive
01
4.11.2011, 17:43

und welche ausbildung haben sie?

user 13
04
4.11.2011, 15:55
ein IT projekt mit einer laufzeit von 5 jahren, einer kostenschaetzung von 130 mio und einer amortisierung innerhalb eines jahres ...

Der war wirklich gut

Amen ich sage euch: das projekt wird am ende des tages 700 mio gekostet haben und der laufende betrieb jaehrliche zusatzkosten von 130 mio verursachen.

Aber das wird sich alles argumentieren und schoenrechnen lassen.

suboptimal
 
26
4.11.2011, 13:13
naja, ich bin auch sehr dagegen,

dass das so abläuft, wie der sich das vorstellt und dass Hinz und Kunz meine Daten an Hinz und Kunz verteilen und austauschen können, wie es ihnen beliebt.
Das Innenministerium hat uns ja erst kürzlich bei der Polizeidatenbank bewiesen, dass es nicht mal seine eigenen Daten beschützen kann. Davon hört man ja gar nichts mehr.
*rofl*

A. Raunzer
11
4.11.2011, 15:56
Das stimmt ja überhaupt nicht!

Es ist keinesfalls so, dass Hinz und Kunz Zugriff auf irgenwelche Daten haben. Das ist eine bewusste Falschinformation. Die Daten sind genauso sicher wie ein Bankkonto oder die Daten in einem Krankenhausinformationssystem. Auch dort sind sensible Daten gespeichert und meistens nicht verschlüsselt wie in der ELGA.

Die Polizeidatenbank wurde auch nicht gehackt, sondern die Adresskartei eines Polizeivereins, in der Adressen von Polizisten gespeichert waren.

Leider wird das alles durcheinandergebracht, oft um gezielt Stimmung gegen an sich sinnvolle Projekte zu machen:

Und die Überprüfung, wie sicher Daten jetzt auf Computern jeder Arztpraxis sind, möchte ich lieber nicht Anonymus überlassen...

Interessierte1
11
4.11.2011, 17:31
@A Raunzer

Sie sind DER Widerspruch in sich und dürften mit der Datenbank der Ärzte gut verdienen...

Jedes Aufzeichnen und Speichern ist mit Unsicherheit behaftet...und bei Gesundheitsdaten kann es existenzbedrohend oder -einschränkend sein (Kunden, Arbeitgeber, Konkurrenten) - kein Fixifoxi daher...

UND Hr. MI Stöger ist so vertrauensselig wie ein gutmütiger Bulldocke...es ist eine Anmaßung durch diese Person überhaupt etwas argumentieren oder nicht argumentieren zu lassen...gehen Sie in die Volksschule oder Kindergarten und fragen dort wahlweise ein Kind zu diesem Thema und den Zahlen hierzu, hat die gleiche oder mehr Aussagekraft...

gimme hope
14
4.11.2011, 13:09
Angenommen ...

Angenommen die Umsetzung erfolgte mittels neuer Technologien und unter Bedachtnahme auf die Datenschutz- und Datensicherheitsaspekte, DANN spricht insbesonders das Loch in den Finanzen der Krankenkassen für die ELGA-Einführung.

Denn mit ELGA
... müßten Ärzte und medizinische Institute von der x-ten gleichen Untersuchung für ein-und denselben Patienten innerhalb von 1 Monat Abstand nehmen

... müßten Ärzte genauer hinschauen, wessen ECard sie annehmen (derzeit kann ja beinahe jeder mit der ECard eines anderen Leistungen in Anspruch nehmen)

Des weiteren bin ich für eine jährliche Evaluierung des ärztlichen Könnens und Publikation ebendessen (quasi eine Transparenzdatenbank des ärztlichen Könnens).

duckdive
10
4.11.2011, 17:50

und ich bin für die jährliche evaluierung ihrer kommentar-befähigung....

user 13
11
4.11.2011, 15:48
welche publikationen ihres hausarztes wollen sie evaluieren?

Unpolitisch
05
4.11.2011, 12:39
Versicherungen

Den privaten Krankenversicherungen wird ein kleiner Blick in die Gesundheitsdaten der einzelnen zukünftigen Versicherungsnehmer eine ordentliche Stange Geld wert sein.

Wäre doch gelacht, wenn sich da nicht ein paar Hacker finden, die ihr Können zu barer Münze umwandeln wollen.

anders and
 
10
4.11.2011, 16:00

die Krankenkasse hat doch schon die Liste der Medikamente, die Sie verschrieben bekommen haben - daraus lassen sich schon die entsprechenden Rückschlüsse ziehen.

ganzsichernicht
 
30
4.11.2011, 12:33
...die ganze Aufregung um diesen Dreck ist vergeudete Liebesmüh.

das HAT zu kommen. "EU-wunsch".

Jack Flash
01
4.11.2011, 11:56
jaja ....

Quantensprung bei der Sicherheit und dem Zugang zu Gesundheitsdaten .... genau - nämlich für die die es NICHT dürfen sollten ...

doctor schiwago
12
4.11.2011, 12:57

Quantensprung nach hinten, ELGA ist Stögers Lieblingsidee, er will sie ohne Rücksicht durchsetzen. Profiteure sind IBM u. Siemens, bezahlt wird mit der Sicherheit der Patientendaten.

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