Nicola ist brav

6. November 2011, 16:36
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Ein Kind muss auch einmal schlimm sein, erklärt Nicola und macht klar, dass das Bravsein nur vorübergehend ist

Nicola hat beschlossen, brav zu sein. Dieser Zustand hält schon zwei Wochen an. Das ist insofern bemerkenswert, da Nicolas Normalzustand das Schlimmsein ist. Und sie kann richtig schlimm sein. "Ein Besen", pflegt die Oma zu sagen.

Nicola ist von ihrem Bravsein selbst überrascht, aber sie trägt es stolz vor sich her. Und es wird ausführlich gewürdigt, es spricht sich schon herum. Vergangenes Wochenende durfte der Onkel Zeuge des absonderlichen Zustands werden: Nicola, drei Jahre alt, war brav, einen ganzen Tag lang.

Aber sie wolle niemanden verwöhnen und keinen falschen Eindruck erwecken. Das sei jetzt kein Zustand, der ewig anhalten würde, warnte sie vor. Weil: Ein Kind muss auch einmal schlimm sein, erklärte sie. Sie selbst mache jetzt nur Pause vom Schlimmsein. Und wenn sich Mama und Papa so freuen, ist das auch etwas Schönes.

Wir sangen gemeinsam im Auto, gingen das ganze, ohnedies eng gefasste Kinderlied-Repertoire des Onkels durch. Und Nicola gab noch ein paar selbst getextete Prinzessinnen-Lieder drauf. So lieb war sie! Und sie scheute nicht davor zurück, den Onkel zu loben. Für seinen Einsatz als Onkel, aber auch für seine samtene Stimme! Wie schön der Onkel singen kann! Was ganz klar eine Lüge war, aber eine sehr charmante. Und wir gingen ins Blumengeschäft, um ihrer Mama einen Strauß zu kaufen. Und Nicola bekam dort selbst eine schöne Blume geschenkt, rosa und groß. Weil sie so, jawohl: brav ist. Das zahlt sich auch aus. Aber machen wir uns nichts vor: Lange wird das nicht anhalten. (Michael Völker/DER STANDARD/Printausgabe/Automobil/04.11.2011)

  • Brave Kinder schenken Blumen und manchmal bekommen sie auch welche geschenkt.
    foto: photodisc

    Brave Kinder schenken Blumen und manchmal bekommen sie auch welche geschenkt.

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