EU-Kommissar Hahn behält Doktortitel

4. November 2011, 09:40
  • Die Stellungnahme der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität.

    Download
  • Chronologie

    11. Jänner 2007: DER STANDARD veröffentlicht eine erste Rezension der Dissertation und befand sie nicht für "Gut" - was die folgende Diskussion lostrat.

    24. Mai 2007: Der Salzburger Medienwissenschafter Stefan Weber wirft Hahn "seitenweises unzitiertes Abschreiben" in seiner Dissertation vor. Hahn habe "absolut schlampig gearbeitet" und aus Leopold Kohrs einige Jahre zuvor erschienenem Buch "Die überentwickelten Nationen" "abgeschrieben".

    1. Juni 2007: Die Uni Wien lässt die von Weber inkriminierten Passagen durch die für Fragestellungen der guten wissenschaftlichen Praxis zuständigen Ombudsstelle der Universität Zürich prüfen.

    11. Juni 2007: Die Universität Wien verzichtet nach Vorliegen des Gutachtens der Uni Zürich auf die Einleitung eines Plagiatprüfungsverfahrens, da die untersuchten Passagen laut Gutachten "nicht plagiatverdächtig" seien.

    12. Juni 2007: Nach einer "systematischen Überprüfung weiterer Unterkapitel" beschuldigt Weber Hahn nun erstmals des Plagiats.

    22. Februar 2011: Im Zuge der Plagiatsaffäre des damaligen deutschen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg gerät Hahn, der mittlerweile EU-Kommissar ist, erneut ins Visier. Der Grünen-Abgeordnete Peter Pilz gibt bei Weber ein neues, umfassendes Gutachten in Auftrag.

    18. April 2011: Die Uni Wien kündigt eine neuerliche Überprüfung von Hahns Dissertation an. Diesmal wird die österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität (OeAWI) mit dem Gutachten beauftragt.

    23. Mai 2011: Laut dem neuen Gutachten Webers hat Hahn rund ein Fünftel seiner Dissertation abgeschrieben. Hahn habe sich "offensichtlich seine Dissertation erschwindelt", interpretiert Auftraggeber Pilz das Ergebnis. Die OeAWI kündigt an, das Gutachten in ihrem Urteil zu berücksichtigen.

    4. November 2011: Die OeAWI kommt zu dem Schluss, dass es sich bei der Dissertation Hahns nicht um ein Plagiat handelt.

Plagiatsverfahren abgeschlossen - "Zitierweise entspricht nicht guter wissenschaftlicher Praxis"

Johannes Hahn darf seinen Doktortitel behalten. Das gab die Universität Wien nach einem Gutachten in einer Pressekonferenz am Freitag bekannt.

Hahn, EU-Kommissar für Regionalpolitik und ehemaliger Wissenschaftsminister, ist Doktor der Philosophie. 1987 promovierte er an der Uni Wien, Thema damals: "Die Perspektiven der Philosophie heute - Dargestellt am Phänomen Stadt". Doch in den letzten Jahren kamen mehrmals Plagiatsvorwürfe auf. Ganze Passagen sollen abgeschrieben oder zumindest schlecht zitiert worden sein. Mehrmals wurde die Doktorarbeit schon nach Plagiaten durchsucht.

Keine Plagiat, kein wissenschaftliches Fehlverhalten

Nach neuerlichen Vorwürfen im Jahr 2011 suchte die Uni Wien bei der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität um eine Überprüfung an. Heute wurde das Ergebnis des Plagiatsverfahrens gegen Hahn präsentiert. 

Dabei kommt die Kommission der Agentur zu dem Schluss: "Bei der Dissertation von Herrn Dr. Hahn handelt es sich nicht um ein Plagiat. Entsprechend liegt auch kein wissenschaftliches Fehlverhalten vor."

Gegen "Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis"

Die Uni Wien stellt in weiterer Folge das Verfahren gegen Hahn bezüglich des Widerrufs des akademischen Grades ein. Diese Entscheidung traf die zuständige Studienpräses der Uni Wien, Brigitte Kopp. Diese begründet die Einstellung damit, das das Gutachten zu dem Schluss kommt, dass Hahn keine Täuschung begangen habe um sich einen akademischen Grad zu erschleichen.

Jedoch wird in dem Gutachten festgestellt: "In weiten Teilen entspricht das Zitieren von Texten anderer Autoren bei Zugrundelegung heutiger allgemein anerkannter Standards nicht den Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis."

Engl: "Heute würde so eine Disseration nicht angenommen werden"

Das Ergebnis der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität basiert auf drei "externen Gutachten ausländischer ProfessorInnen", nach Ablauf von 25 Jahren sei es jedoch schwierig zu verifizieren, ob die Dissertation den "damals an der Universität Wien geltenden Standards" entsprochen habe. Der Rektor der Uni Wien, Heinz Engl, betont jedoch: "Heute würde so eine Dissertation nicht angenommen werden. Die Standards waren damals offenbar lockerer als jetzt." Es sei jedoch nicht Aufgabe der Prüfung gewesen ob die Dissertation "eine gute, mittelmäßige oder nicht so gute Dissertation war",sondern ob eine Täuschung vorlag.

Engl sieht die Debatte nun für beendet, es "bleibt uns gar nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren". Das Urteil einer unabhängigen Stelle wie der Österreichische Agentur für wissenschaftliche Integrität zähle mehr als eine "Einzelmeinung", kommentierte er die Vorwürfe gegen Hahn etwa durch Herbert Hrachovec, Philosoph an der Uni Wien.

Hahn zufrieden

Johannes Hahn zeigte sich in einer ersten Stellungnahme zufrieden mit dem präsentierten Ergebnis. Hahn sieht "die von mir immer betonte Grund- und Haltlosigkeit der Plagiatsvorwürfe" bestätigt. Der Kommissar zeigt sich überzeugt, dass "mit der eindeutigen Feststellung, dass es sich bei meiner Arbeit um kein Plagiat handelt und dass kein wissenschaftliches Fehlverhalten meinerseits vorliegt, dieses Kapitel nun endgültig abgeschlossen ist". (seb, derStandard.at, 4.11.2011)

Share if you care
Posting 76 bis 125 von 720
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Sorry, wenn man auch nur den Unterschied zwischen einem direkten und einem indirekten Zitat kennt, und sich dann die entsprechenden Stellen ansieht - hatte der Standard ja gebracht vor einigen Jahren -, dann ist wirklich mit einem Blick schon für jeden Erstsemestrigen erkennbar, dass es sich hier um Plagiate handelt. Man muss auch kein Verkehrsexperte sein, um zu erkennen, dass es Unrecht ist, wenn jemand bei Rot über die Straße geht.
Es ist ja nicht so, dass bloß ein paar Quellenangaben oder Anführungszeichen vergessen worden wären. Und zufällig sind mir genau in der Zeit die Kriterien des korrekten Zitierens an der Uni Wien beigebracht worden, von der hier behauptet wird, dass nicht mehr eruierbar ist, was damals die Anforderungen waren.

Sie halten also die negative Bewertung der Doktorarbeit des Dr. Hahn für ein Erfolg für ihn?

Ja. Weil die meisten Österreicher jetzt denken, dass es normal ist, so wie er abzuschreiben.

Dass es nicht akzeptabel wäre seitenweise abzuschreiben, kann man jetzt ja nicht mehr ehrlich behaupten. Offensihtlich ist es ja zumindest wenn man politische Verbindungen hat akzeptabel.

Er behält seinen Titel und das zählt.

Un dein starkes Signal für die österreichische Wissenschaft: Politische Verbindugnen zählen mehr als die Einhaltung wissenschaftlicher Standards.

Wenn interessiert gute Forschung oder exzellente Wissenschaft - wenn man dadurch exzellent wird, dass politsch Finanzierung verteilt wird, und es auf Gefälligkeit mehr ankommt als auf Inhalte.

Das Problem lässt sich ja leicht lösen, indem man als Voraussetzung für eine Diss eine bestimmte Anzahl von Pubs in Journalen mit Mindestimpactfactor verlangt. Dann erübrigen sich solcherart Diskussionen (und wahrscheinlich die Häufigkeit von Drs in der Politik ...)

Nicht unbedingt. A) Auch da gabs immer wieder Betrüger. B) "Impact Factor" hat auch mehrere Probleme, erstens ist es unfair zwischen den Disziplinen, manche Themen sind einfach mehr in Mode, daher mehr Publikationen insgesamt daher höherer IF. Auch wurde erwiesen wie der von den Publishern auch gerne nach belieben manipuliert wird.

Fassen wir also zusammen:

Um einen Dr. zu erlangen, reichte es offensichtlich, Arbeiten anderer möglichst fehlerfrei abschreiben zu lassen - und ein Inhaltsverzeichnis zu bauen?

'nach Ablauf von 25 Jahren sei es jedoch schwierig zu verifizieren, ob die Dissertation den "damals an der Universität Wien geltenden Standards" entsprochen habe' - ja waren die Standards denn geheim - oder wieso kann man diese nicht mehr herausfinden?

"Die Standards waren damals offenbar lockerer als jetzt." - wie kommt man auf das, wenn man die Standards nicht kennt??

Es bleibt nur eine Erklärung: Die Gutachter hatten den Auftrag, als Ergebnis ein "Kein Plagiat" zu liefern - und wollen ihr Hände mit dem Satz "offenbar lockerer" in Unschuld waschen.

Sowie es eine offizielle Hierarchie gibt und oft eine inoffizielle nebenbei existiert, die noch dazu Mächtiger ist als die offizielle, so gilt das auch für Standards.

Und diese inoffiziellen Standards sind es, die schwierig festzustellen sind.

Wer diese Zusammenhänge nicht kennt, bzw. außer Acht läßt, wird den Gutachten nicht zustimmen können.

rechtliches gesetz vs. sittengesetz

das meinen sie wohl, oder?

dass die övp aufs rechtliche pfeift, das wissen wir eh. darum können sie auch gegen schwächere in der gesellschaft hetzen, da sich um die eh keiner kümmert und die sich mit rechtlichen dingen eh nicht auskennen.

wie sagte hitler so schön: man muss das "gefühl für das recht" haben. und genau das glaubt die övp zu haben. - deshalb auch diese arroganz der macht.

Wenn sie unter inoffiziellen Standards verstehen ...

... dass hier Politisches in die Beurteilung von Hahns Diss. eingeflossen ist - agree. Wenn sie damit aber meinen, dass Zitierregeln inoffizielle Standards wären, dann muss ich (zumindest für die Philosophie, & um diese Disziplin geht es ja) absolut widersprechen. Zitierregeln sind vielleicht sogar unser offiziellstes Gut. Wir produzieren Texte über Texte, da sind Zitierregeln bzw. das konsequente & richtige Anwenden einer Notation zentral. Das formale Regelwerk ist so ziemlich das einzige festgeschriebene & festschreibbare Regelwerk, das wir haben. Entsprechend wird auch gefordert, damit umzugehen (heute wie auch vor 25 Jahren, aber womöglich sieht das Hr. Kampits nicht so ;)). PS: mind the spelling: »so wie« Abstand & »mächtiger« klein ;)

hihihi - jetzt weiß ich warum die gesagt haben, dass

das heute so nicht mehr akzeptiert wird.

da würdens ja einige heute wieder machen und wenn sie vom prof kritisiert werden, dann würden sie ganz gemütlich auf den herrn dr. hahn verweisen. bei dem hats ja auch passt.

Gutachter aus dem Ausland wurden nicht mit Namen genannt

Interessant, und ein möglicher Hinweis daß die Sache intern "geregelt" wurde:

" "Das Urteil der sechsköpfigen Kommission basiere "unter anderem auf drei externen Gutachten ausländischer Professoren, (...) ". Die Namen der ausländischen Gutachter nennt das Schreiben nicht." (http://www.spiegel.de/unispiege... 6,00.html)

Die Nase des Philosophen

Der Dissvater Prof. Kampits hatte eine feine Nase. Er hat den damaligen Jungpolitiker Hahn die Diss. geschenkt.
Der Minister Hahn hat er sich bei seinem Mentor auch artig bedankt. Z.B. hat er die Waldviertel-Akademie von Kampits fleissig gefördert. Man konnte Stars wie den Sloterdijk nach Weitra einfliegen. Hahn hat bei der Eröffnung auch artig die Aktentasche vom Kampits getragen.
Wenn der Hahn nix wird, ist's auch wurscht. Da würde kein Hahn um die Diss. krähen.

muss man wohl akzeptieren ...

Diese windschiefe Erklärung

find ich erbärmlich. Es spricht Bände über den Opportunismus der Professoren.
Dass der Hahn keine Leuchte war, wusste man auch so. Ich habe ihn einmal live erlebt und habe zu meiner Frau gesagt: Ein geistgies Hendl und sowas wird Minister.
Die Antwort meiner Frau war: Gegenüber der Gehrer wirkt er noch ziemlich überqualifiziert. Das kleine 1x1 kann er sicher.

Wie stehn Sie dann zu Person wie Darabos, Bures, Faimann?

Ich schliess mich der Meinung meiner Frau an.

Sei nicht so streng, ...

Die Standards waren lockerer als heute??

Ich habe ungefähr zur selben Zeit meine Statistik-Diss. gemacht. Die Behauptung, damals hätte es keine anerkannten Zitierregeln gegeben, ist eine Chuzpe.
Es steckte die Textverarbeitung in den Kinderschuhen. Daher waren die Ansprüche an Formatierung und Grafiken niedriger.
Die wissenschaftlichen Standards waren sicher nicht niedriger.
Die Stellungnahme der Uni ist erbärmlich. Man will es sich offensichtlich mit der Politik nicht verscherzen.

uni wien ist ja bekannt dafür forderungen der politik als erste ganz brav zu erledigen.... also nicht weiter verwunderlich

Man braucht halt innovative Spitzenkräfte bei der EU

und deshalb muss man sie so gut bezahlen.

da hat die övp wieder einige vater unser gebetet
aber diese partei ist nach wie vor im T I E F

Ich würd eher vermuten

dass man die Profs ins Gebet genommen hat keine schlafenden Hunde zu wecken und überhaupt sollen sie doch an die Lage der Uni denken ....

mir fällt in diesem zusammenhang das thomas theorem ein - wahr ist wohl, was als wahrheit verkauft wird ....

und die alte dame wird wieder einen brief schreiben - da bin ich mir sicher ;-)

Und die Moral von der Geschicht?

An schwarzen Gauner gibts in Österreich nicht!

Kleiner Milderungsgrund, hohe Richter des Forums.

Immerhin hat Meister Hahn seine nicht ausreichend gekennzeichneten Zitate noch selbst abgetippt (Arbeit!) und nicht durch "Copy and Paste" erlangt.

Da wär ich nicht so sicher

Es war damals üblich, dass zumindest die Reinschrift eine Sekretärin gemacht hat.

wenns zu dem gehalt führt - dann mache ich das auch - bestimmt ;-)

Wenns zu dem Gehalt führt ...

Bitte darauf hinweisen zu dürfen, dass Hahns Vater Klubchef der ÖVP in Wien war, allzuviel dürfte da möglicherweise nicht Hahn jun.selbst getippselt haben.

cut and paste diss

wieder einmal ain prominenter politiker, der seine diss im cut and paste verfahren verfasst hat. da wurde sicher schon damals bewust weggeschaut, ist ja ein parteifreund, und heute erst recht. waer ja noch schoener wenn die oevp ihrem alten freund gio nicht ein bisschen helfen koennte. das gutachten ist da nur ein (un)geschicktes ablenkungsmanoever.
peinlich fuer die uni wien und ihre akademischen standards!

böswillig könnte man sagen wollte man den argumenten der gutachter glauben schenken dass hahn das gehrersche zerstörungswerk fortsetzte um das avancement von typen wie ihn zu erleichtern. das die akademischen benchmarks des praehandykums nicht nachzuvollziehen wären glaubt ausser denen die solches behaupten auch keine sau

Ich kann Hahn partout nicht leiden, aber: was er gemacht hat, ist kein Plagiat

er hat nämlich zitiert, und das wird in jeder nicht empirischen Arbeit so gemacht. Dass eine reine Literaturarbeit als Dissertation sehr schwachbrüstig ist (mittlerweile nicht einmal mehr bei Diplom- / oder Masterarbeiten erlaubt), ist eine andere Geschichte, aber: sie wurde angenommen, er hat sie verteidigt und ist nicht damit durchgefallen. Und er hat selbst zugegeben, dass sie schwach ist, das muss man ihm zugute halten. Nun, für eine akademische Karriere hat er sich eh nicht entschieden. Muss man als Wissenschaftskommissar summa cum laude promovert haben oder reicht ein grad mal durchgerutscht- oder iregndwas dazwischen?

Hast du dir die Textstellen-Beispiele, um die es geht, angesehen??? Wohl nicht, denn in Kenntnis der Stellen kann man einfach nicht zum Schluss kommen, dass es sich hier bloß um Schlamperei oder Versehen handeln würde.
Und ich kann dir versichern, dass das mit dem Zitieren GANZ SICHER NICHT in jeder nicht-empirischen Arbeit so gehandhabt wird! (Und auch damals nicht wurde!)

nur mal wieder so: die diss um dies geht

http://www.scribd.com/doc/50189... men-Stadt#

Immer wieder für einen Lacher gut.
z.B.:
"Eine Stadt ist mehr als die Couch eines Psychoanalytikers!"

so gehts ...

.. in österreich.
der unterschied zu deutschland ist ganz klar an diesem beispiel ersichtlich. wo korroption, parteibuchwirtschaft und freunderlwirtschaft ihre blüte erleben, darfs nicht verwundern wenn jemand wie hahn unbeschadet durchkommt.

wetten das niemand mehr in diplomarbeiten von österreichischen politikern herumschnüffelt, könnt ja was passieren.

Weil ich danach gefragt wurde, zur Erinnerung - hier ein paar Beispiele zur Ansicht: http://derstandard.at/2893714 Weitere finden sich im Weber-Gutachten, das beim Artikel vom 23. Mai 2011 im Standard veröffentlicht ist: http://derstandard.at/130455258... rschlichen

Weil ich danach gefragt wurde, zur Erinnerung - hier ein paar Beispiele zur Ansicht: http://derstandard.at/2893714

Weitere finden sich im Weber-Gutachten, das beim Artikel vom 23. Mai 2011 im Standard veröffentlicht ist: http://derstandard.at/130455258... rschlichen

sorry für das Doppelpost, dachte irrtümlich, dass der 2. Link hier auch nicht funzt

naja, mal sehen ...

Hahn hat zu einer Zeit studiert...

...als es das Diplomstudium noch nicht gab. Das heißt, die Doktorarbeiten, zumal in den Geisteswissenschaften, wurden halt viel lockerer beurteilt als heute. Hahn herauszupicken, hat natürlich rein politische Gründe. Heute sind die Kriterien strenger, aber dafür ist es eben in Zeiten des Internets mit ein bisschen Geschick ganz easy, wirklich ein unerkennbares Plagiat herzustellen.

es gab ein Diplomstudium

man konnte sich aber aussuchen, ob man einen Mag. machen wollte oder gleich in einem durch das Doktorat, ohne vorherige Diplomprüfung. Vergleichbar mit der alten Studienordnung, wo man "gleich" den Mag machte, ohne vorher Bakk/ Bachelor zu machen.

Kluge Worte

Aber geh, so einen Schmarrn wie "die breite Straße war schon vor der Erfindung von Fahrzeugen entstanden, da sie wahrscheinlich zuerst für religiöse Prozessionen und marschierende Soldaten geschaffen wurde." (Hahn, S.115) durfte man auch damals nur dann unbeschadet in einer Diss. vorlegen, wenn man im beiliegenden Lebenslauf stehen hatte: "1984: persönlicher Referent des ÖVP-Generalsekretärs Dr. Michael Graf"und "1986: Mitarbeiter der Stabsstelle Generealsekretariat der Vereinigung österr. Industrieller" (Alle Zit. aus: Johannes Hahn, Perspektiven der Philosophie heute. Dargestellt am Phänomen Stadt. Diss. 1986, S. 283)
http://www.scribd.com/doc/50189... men-Stadt#

"Hahn herauszupicken, hat natürlich rein politische Gründe"

Ich seh das ohne politische Gründe, er sticht schon so genug hervor.

Hahn hat ja keine wissenschaftliche Karriere angestrebt...

Das wissenschaftliche Niveau seiner Arbeit entspricht eben dem üblichen - wenn nicht gar sogar guten - Durchschnitt der damaligen Doktoranden...
...und das ist auch für das Politikerdasein mehr als ausreichend!
Das Niveau der Maturanten umfasst ja auch ein relativ breites Spektrum...
Mit solch einer hoch angelegten Messlatte gäbe es ja dann vielleicht nur mehr zehn Prozent Akademiker mit rechtmäßig erworbenem Doktortitel... ;)
Außerdem: Wozu gäbe es dann u. a. auch noch Post Graduate...?
Von allen Doktoranden ein Höchstmaß an wissenschaftlichem Niveau zu erwarten ist weltfremd und auch total unrealistisch, weil im üblicherweise herrschenden akademischen Alltag gar nicht möglich...

Ich selbst kenne einen Spitzenpolitiker...

..dem - obwohl kaum jemals persönlich in einer Vorlesung oder einem Seminar anwesend - von einem ihm nahestehenden Parteifreund im Uni-Lehrkörper der Doktortitel mit unglaublichen Minimalstanforderungen ermöglicht wurde...
Literaturliste, "Dissertation" und – statt real absolvierter Wochenstunden - nur ein paar "überprüfende" Vier-Augen-Abschlussgespräche…! …zählt ja nur das unterschriebene Zeugnis..
Einem bereits prominenten Jungpolitiker ist doch nicht zuzumuten, sich mit Durchschnittsstudenten in einen Hörsaal zu setzen! ;) …Was so alles geht….
Sozusagen bequem per heimischem Lehnstuhl und Leselampe zur Promotion...
Allein schon durch die Optik des "Dr." hat ein promovierter Politiker natürlich mehr Renommee!;)
inkl. Karriereschub!

Ist's der Faymann?

Unter den Politikern gibt es eben eine Menge reiner Opportunisten, die in ihrem politischen Leben - der Wiederwahl wegen - nur gekonnt "mitspielen" und eigentlich nur ihre Wähler verarschen...
Die sehen die Politik bloß als - recht angenehmes - Business...

Der Werner Faymann ohne akedemischen Grad? Eher nicht.

Oder wirtschftliche Gründe: Kleinvieh macht auch Mist!

Bitte schreib nicht so einen Topfen zusammen. Was es nicht gab, war das Bachelor-Master-System. Diplomstudium mit Abschluss Magister war schon in den 80ern das Übliche. Und im Studium wurde (möglicherweise mit Ausnahme der philosophischen Fakultät) gerade in den Geisteswissenschaften auch schon damals großer Wert auf korrektes Zitieren (einheitlich, nach bestimmten Standards) gelegt - und zwar nicht erst bei der Diplomarbeit, sondern auch schon zuvor in den Proseminararbeiten und Seminararbeiten. Und was man schon von den Diplomstudierenden erwartete, erwartete man dann ganz bestimmt auch von den DoktorandInnen. Wobei bei Hahn ja hinzukommt, dass anhand der Beispiele offensichtlich wird, dass es sich nicht um bloßes Versehen handeln kann.

Posting 76 bis 125 von 720
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.