Ausgang offen

Griechischer Premier stellt Vertrauensfrage

4. November 2011, 10:12

Das Referendum ist vom Tisch, für Papandreou geht es heute ums politische Überleben, einen Rücktritt schließt er nicht mehr aus

Athen - Für den griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou geht es am Freitag ums politische Überleben: Er will sich nach bisherigen Plänen am Abend im Parlament in Athen einer Vertrauensabstimmung stellen. Es galt als offen, ob der Regierungschef das Votum überstehen würde.

Die innenpolitische Lage in Athen hatte sich immer weiter zugespitzt, nachdem Papandreou eine Volksabstimmung über Milliardenhilfen und den dafür nötigen Sparkurs angekündigt hatte. Versuche am Donnerstag, die Krise in Griechenland durch einen Rückzug von diesem Plan wieder zu entschärfen, schienen zunächst Wirkung zu zeigen. Der angeschlagene sozialistische Premier und die verfeindete konservative Opposition gingen nach monatelangem Streit aufeinander zu, um eine Übergangsregierung zu bilden. Am Abend aber forderte Oppositionschef Antonis Samaras im Parlament den Rücktritt Papandreous.

Rückzug möglich

Der Premier signalisierte unter bestimmten Umständen seine Bereitschaft zum Rückzug. "Ich klebe nicht an irgendeinem Stuhl", sagte er im Parlament. "Ich will nicht unbedingt wieder gewählt werden." Papandreou warf Samaras aber vor, Forderungen zu stellen, die nicht sofort umsetzbar seien. Das Land könne nicht so einfach auf Anhieb ohne Regierung bleiben. Er erklärte sich bereit, weitere Gespräche mit der Opposition zu führen. Unter Umständen sei er sogar bereit, einen Schritt weiter zu machen.

Papandreou forderte die Abgeordneten seiner sozialistischen Fraktion auf, ihm am Freitagabend das Vertrauen auszusprechen, damit er weiter für die Bildung einer Übergangsregierung arbeiten könne. Die PASOK-Partei verfügt im Parlament nur über eine hauchdünne Mehrheit von 152 der 300 Abgeordneten. Sollte Papandreou die Vertrauensabstimmung verlieren, müssen binnen 30 Tagen Wahlen stattfinden.

Noch am Nachmittag hatte es in Athen nach einem Telefongespräch zwischen Papandreou und Samaras Hoffnungen gegeben, dass die Krise schnell beendet werden könnte. Es sah danach aus, dass das seit fast zwei Jahren pleitebedrohte Land nach vielen Monaten erbitterten innenpolitischen Streits vor einer "Regierung der nationalen Rettung" stehen könnte.

Gespräche

Papandreou hatte zuvor gesagt, die Absage des Referendums sei die Voraussetzung dafür gewesen, dass Gespräche mit der konservativen Oppositionspartei "Neue Demokratie" (Nea Dimokratia/ND) zur Bildung einer Übergangsregierung zustande kommen. "Wir werden jetzt verhandeln", sagte Papandreou. Der einzige Weg, damit Griechenland in der Eurozone bleibt, sei die Einhaltung der Vereinbarungen mit den Partnern in der EU.

Finanzminister Evangelos Venizelos sagte, es sei nun dringend notwendig, sofort Verhandlungen mit der Troika von Internationalem Währungsfonds (IWF), EU und Europäischer Zentralbank (EZB) aufzunehmen. Zudem müssten dringend bis 15. Dezember die Gelder der sechsten Tranche der Hilfe für Griechenland kommen.

Nach Informationen des Staatsfernsehens NET soll Papandreou eine politische Regierung aus PASOK und ND anstreben, die für etwa ein halbes Jahr die Geschicke des Landes in die Hand nimmt. Bei hochrangigen ND-Quellen hatte es zunächst geheißen, die Übergangsregierung solle aus Experten und nicht aus Politikern bestehen. "Diese Regierung wird das Land nur solange führen, bis das Hilfspaket unter Dach und Fach ist. Danach Neuwahlen", sagte ein Mitarbeiter der ND. Diese Wahlen könnten sogar im Dezember stattfinden.

Mehrere Szenarien

In Athen galten zunächst mehrere Szenarien als möglich: Die beiden Parteien könnten sich bis zur Vertrauensabstimmung einigen. Dann wäre dies eine Abstimmung über die neue Regierung. Als wahrscheinlicher galt aber, dass Papandreou das Vertrauensvotum verlieren würde, ohne, dass er sich zuvor mit der Opposition einigt. Dann würde es Sondierungsgespräche unter der Regie von Staatspräsident Karolos Papoulias geben mit dem Ziel, eine neue Regierung zu bilden.

Mit seinen Referendumsplänen hatte Papandreou unter den Euro-Partnern und an den Finanzmärkten Entsetzen ausgelöst. Sie befürchteten eine neue Hängepartie um die Euro-Rettung und eine Staatspleite Griechenlands, sollte die Bevölkerung die an harte Sparzusagen geknüpfte Rettungsvereinbarung ablehnen. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Nicolas Sarkozy machten deutlich, dass es für Griechenland um den Verbleib in der Eurozone gehe. Die Aussicht auf einen Verzicht auf das Referendum gab den Börsen weltweit Auftrieb. Auch die Wall Street ging am Abend mit kräftigen Kursgewinnen aus dem Handel. Die Tokioter Börse legte im Vormittagshandel ebenfalls zu. 

Fekter glaubt an Parlamentsmehrheit

Österreichs Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) wollte am Freitag noch nicht sagen, ob die Absage des griechischen Referendums schon reicht, um die zuletzt eingefrorenen Hilfskredite von 8 Mrd. Euro an Athen loszueisen. Dazu wartet sie auf Berichte an die Finanzminister der Eurogruppe am Montag. Dort werde diskutiert, "ob die Nachhaltigkeitsanalyse noch aufrecht ist". Fekter zeigte sich zuversichtlich, dass am Montag berichtet wird, "dass die Mehrheit im griechischen Parlament die Beschlüsse mitträgt."

Die Fekter Referendums-Idee an sich war für Fekter "aus ökonomischer Sicht zu wenig durchdacht". "Als Politikerin kann ich mir gut vorstellen, wie das in Griechenland gelaufen ist", räumte die österreichische Ministerin ein. Im kleinen Kreis dürfte in Athen beraten worden sein, dass man angesichts der beängstigenden aufkeimenden sozialen Spannungen wegen des Sparprogramms einen "Befreiungsschlag" bräuchte. Papandreou habe sein Referendum offenbar als Befreiungsschlag geplant, eingetreten sei das Gegenteil: Das Korsett sei noch enger geworden.  (APA/Reuters)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
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jesus mohammed
00
4.11.2011, 13:07
Am besten treten alle 300 von ihren Parteien abgeordneten Verbrecher zurück

Schön wäre es zu flüchten, bevor sie von Arbeiter- und Soldatenräte interniert werden.
Sie können ja dann ihr Athener Bordello in Brüssel uraufführen.

patriotin
00
4.11.2011, 12:34

Na dann kommt halt die nächste inkompetente Person! Was solls!

Toxo Logic
 
11
4.11.2011, 11:25

Selbst wenn alle Politiker in Griechenland für die rigorosen Sparpakete stimmen, nützt das nichts mehr.
In Griechenland regiert jetzt die Straße.

</ lustig>
13
4.11.2011, 11:11
Das Kernproblem ist,

daß das Land von Feta und Oliven den gleichen Lebensstandard haben will, wie das Land von BMW und Mercedes.

Die Differenz, die sich daraus zwangsweise ergibt, wurde bisher auf Kosten der Zukunft (=Konsumschulden) beglichen. Und diese Politik hat ein Ablaufdatum.

eltor09
12
4.11.2011, 10:47
Welche Alternativen gibt es?

Es stellt sich die Frage, was kommt nach Neuwahlen? Glaubt man, dass die Konservativen bessere Möglichkeiten haben? Gerade unter Mithilfe der Konservativen ist dieses Land in den Eurobund unter Vorspiegelung falscher Tatsachen aufgenommen worden.
Bei allen Diskussionen um Griechenland ist in Europa noch nie die Frage nach der Verantwortung jener Politiker gestellt worden, die die Aufnahme der Griechen betrieben haben. Das trifft sowohl auf die Griechen als auch auf verantwortliche Politiker in der EZB und in der Kommision zu.

Dass das Referendum abgesagt wurde, zeigt wohl welche Macht die Banken in der Politik spielen. Die EU wird mangels demokratischer Strukturen genauso aus einander brechen wie der Ostblock. Meine Prophezeiung.

powerpack
02
4.11.2011, 10:41
also manchmal frage ich mich wirklich ob die europäer noch zu retten sind

jetzt sind doch tatsächlich die konservativen die griechenland jahrzehnte regiert und in den abgrund manövriert haben, die gefälschte daten nach brüssel geschickt haben und milliardenschulden aufgetürmt haben in den umfragen wieder vorne?!

ist den griechen überhaupt noch zu helfen, kapiert ein großteil der bevölkerung die einfachsten zusammenhänge nicht mehr.

es ist aber nicht so, dass dieses phänomen auf griechenland beschränkt wäre - es ist in ganz europa verfolgbar, dass nämlich die bevölkerung mit begeisterung wieder jene parteien wählen die ihnen die ganze misere eingebrockt haben.

ich denke europa wird aufgrund der unfähigkeit seiner politiker und wirtschaftstreibender und der dummheit der bevölkerung schlußendlich untergehen.

uncle sam3
00
4.11.2011, 10:28
ich wette das er bleibt -

wer will sein job schon haben?

poster1231
00
4.11.2011, 11:09

die konservativen wollen. wahrscheinlich weil die wieder misswirtschaften und bilanzen fälschen wollen...

ÄäÖöÜüß
31
4.11.2011, 10:24
Offensichtlich hat der Chef internationalen Sozialisten Papandreou noch nicht begriffen dass er diesmal nicht nur eine Firma sondern ein ganzes Land zu Grunde richtet

Wer aus Prinzip auf Schuldenbasis lebt und versucht seine Gläubiger zu hintergehen hat jedes Vertrauen verloren.
Wenn kein Geld mehr ausgeborgt werden kann bricht das Sozialdemokratische Wirtschaftssystem zusammen.

Die Griechische Bevölkerung tut mir leid, da sie zu Bettlern Europas gemacht werden.

Lord Chaos
11
4.11.2011, 11:33

Schuldzuweisungen zwischen Konservativen und Sozialisten wer denn nun die Verantwortung für das Debakel trage sind sinnlos. Seit dem Ende der Diktatur wechseln sich beide in der Regierung ab, hemmungslose Wahlversprechen um an die Macht zu kommen waren Standard, ausufernde Klientelpolitik beider Seiten, usw.

Da die Kommunisten den Ernst der Lage offenbar noch überhaupt nicht erkannt haben und populistische Nationalisten grundsätzlich als Problemlöser untauglich sind, steht Gr offenbar ein politisches Beben wie in Italien in den 90gern bevor.

ghostworld
20
4.11.2011, 10:59

Bist Du erst drei Jahre alt oder hast Du die Gedächtnisleistung eines Meerschweinchens?

powerpack
11
4.11.2011, 10:44
nur so zu kleinen info

in griechenland haben die letzten jahre die konservativen regiert. und genau die haben diese schuldentürme aufgebaut und gefälschte zahlen richtung brüssel gemeldet. die sozialisten waren in griechenland schon lange nicht mehr in regierungsverantwortung.

der mann hat jetzt das los, dass schon der obama hat - er steht vor einem von den rechten total runierten land und kann die suppe auflöffeln. wäre halt auch ganz nett und fair von der bevölkerung, wenn die das auch mitbetrachten würden.

ÄäÖöÜüß
00
4.11.2011, 11:45
Von den letzen 18 Jahren wurde Griechenland 13 Jahre durch die Sozialisten regiert - sowas prägt eben

Zusätzlich ist Papandreou als aktueller Regierungschef für die Bewältigung der Krise verantwortlich.

Wenn er es nicht schafft soll er zurücktreten...

Nichtschweiger
 
11
4.11.2011, 11:22
Unsinn! In Griechenland haben BEIDE Parteien....

...Sozialisten und Konservative verantwortungslose Politik gemacht - Papandreo ist halt jetzt zufällig an der Regierungsspitze und muß die Suppe alleine auslöffeln. Die Konservativen tun so als ginge sie das ganze nichts an. Aber mit dem Sozialisten Papandreo trifft es auch nicht den Falschen.

Araquin
00
4.11.2011, 10:09
Endlich einmal..

..erlebt eine größere Öffentlichkeit quasi live, wie's bei den Griechen seit eh schon immer zugeht.

Interessant wären Befragungen aller jener - so noch am Leben - Entscheidungsträger in Europa, die 1981 dieses Land (hauptsächlich auf Wunsch der USA) in die damalige EG hineinpushten, obwohl es weit davon entfernt war, beitrittsfähig zu sein.

Was sie sich dabei eigentlich gedacht haben, das würde man doch gerne erfahren.

Eine Übersicht über aller Geldflüsse sämtlicher EU-Fonds in Richtung Griechenland im Laufe der Jahrzehnte wäre ebenfalls aufschlußreich. Das war nämlich sicher ein sehr ordentlicher Batzen.

powerpack
00
4.11.2011, 10:47

wenn es darum geht, welches land tatsächlich beitrittsreif war, dann können sie 2/3 gleich wieder rauswerfen. etwa gesamt osteuropa. oder glauben sie die waren oder sind jemals eu-beitrittsreif gewesen. oder kroatien, dass ab 2012 mitglied wird??!!

Araquin
00
4.11.2011, 11:28

Immerhin gibt es inzwischen die Kopenhagener Kriterien. Die gab es 1981 noch nicht.

Aber: Bin ganz Ihrer Meinung. Nicht nur Kroatien ist nicht so weit.

Auch die Osterweiterung hätte nicht mit Big Bang, sondern mit der langsamen Aufnahme der jeweiligen best performers bei der Erfüllung der Kriterien (was auch ein Ansporn gewesen wäre) stattfinden sollen.

Es waren übrigens besonders die EU-Skeptiker (UK und Skandinavien), die alle gleichzeitig reinhaben wollten.

Schon Macchiavelli meinte sinngemäß, daß man jede Gruppe eintscheidungsunfähig machen kann, indem man sie ordentlich vergrößert.

...and miles to go before I scream
11
4.11.2011, 09:41

Papandreou hat sich mit diesem Gehampel in den letzten Tagen doch selbst total diskreditiert. Wer soll dem noch glauben? Die EU? Das eigene Volk?

Baumhaus
10
4.11.2011, 10:24

wer soll der EU noch glauben? :-)

hellman
 
34
4.11.2011, 09:34
Die Absage des Referendums ist eine Schande!

Griechenland plant ein Euro Referendum-Ohgottohgott! Ein Austritt Griechenlands wäre für die Plutokraten in Griechenland, in Europa und weltweit ein klitzekleiner Dämpfer aber für die Mehrheit der Griechen wahrscheinlich die angenehmere Alternative. Der Kniefall Papandreous vor der Macht des Geldes ist eine Schande und sollte von jedem der noch ein bischen an die Demokratie glaubt, als solche empfunden werden.

lebenslauflücke
00
4.11.2011, 10:29

"Das griechische Volk" war intelligent genug, sich voll Fachverstand absichtlich in diese missliche Lage zu bringen. Und muss daher das harte Sparpaket erdulden - weil selber schuld. Ein Referendum über die Zukunft ist natürlich abzulehnen: "Das griechische Volk" hat doch keine Ahnung von Finanzmarktmechanismen - viel zu d*umm. Denen darf man diese schwere Verantwortung nicht aufbürden. Alles klar...

Natürlich hätte mMn ein Referendum stattfinden müssen!

Rüdiger Nachmann
00
4.11.2011, 10:26
soo viel verstehen sie aber auch nicht...

von demokratie, gell? von ökonomie sowieso nicht. weder nationalismus (den gibt's in zwei varianten. 1. österr. provinzler: raus mit den bösen griechen aus der eu 2. griech. provinzler: raus aus der bösen eu) noch die tägliche volksabstimmung werden die finanzprobleme griechenlands lösen.

hellman
 
00
4.11.2011, 11:52
Der Verbleib im jetzigen Konstrukt aber mit Sicherheit auch nicht!

Ausnahme vielleicht, die EU kapierts und gibt endlich Eurobonds aus. Aber selbst dann bleibt Griechenland ein dritte Welt Land und wirds sehr, sehr schwer haben.

</ lustig>
30
4.11.2011, 10:03
Ein Austritt Griechenlands wäre

Ihren Plutokraten wurscht.

Das griechische Volk hätte die Folgen zu tragen:

.) Bankenkollaps
.) Keine Gesundheitsversorgung mehr
.) Öffentliche Ordnung und Sicherheit bricht zusammen
.) Bürgerkriegsähnliche Zustände

Sehen Sie sich Somalia an und Sie bekommen eine ungefähre Ahnung davon, was blüht, wenn der Geldhahn von außen (incl. bösem IWF) zugedreht wird.

Ist es das, was Sie wollen, um Ihrer Weltanschauung willen?

Gratuliere zu Ihrem Weitblick.

Nicolas Castillo
00
4.11.2011, 10:44
so wie der Bürgerkrieg in Argentinien um das Jahr 2001?

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