Mutige Schritte zur Lösung der Euro-Krise

Leser-Kommentar | 4. November 2011, 08:27

Der Finanzmarkt ist kaputt, daher sind mutige Lösungen notwendig

Der Finanzmarkt ist zerstört, die Übeltäter werden mit Steuergeldern belohnt. Und es leiden vor allem die weniger betuchten, weil sie die Steuern relativ am schwersten bezahlen und am meisten bei Kürzungen von Sozialausgaben verlieren.

Wichtige Schritte zur Lösung

Die kleinen Steuerzahler (95 Prozent der Bevölkerung) dürfen nicht als Prügelknabe herhalten. Und die Schuldfrage ist bereits irrelevant, ebenso wie unhaltbare aber lieb gewonnene Markt-Theorien. Daher pragmatische mutige Schritte setzen, die eine echte Lösung herbeiführen:

  1. Man könnte die Zinszahlungen auf alle Staatsanleihen für zwanzig Jahre stoppen und dann weiter sehen. Dabei fallen die Eigentümer von Staatsanleihen einige Zeit um die Zinsen um.
  2. Die EZB könnte das Geld für alle Staatsanleihen schöpfen und an die Eigentümer von Staatsanleihen zurückzahlen. Dabei fallen die Eigentümer um die Zinsen um. Und weil das meiste Geld für Staatsanleihen von den Banken geschöpft wurde, gäbe es nur eine geringe Inflationsgefahr, das Geld wird meist annulliert.

Der Verlust der Zinsen ist wohl eine legitime Bestrafung der unvorsichtigen Investoren, die auch ein freier Markt laut neoliberaler Theorie herbeiführen hätte müssen.

Schuldfrage

Wer ist oder war schuld? Niemand! Die Politiker haben nach eigenen Angaben immer nur für absolut notwendige Kredite gestimmt und empfanden nur solche Kredite als unnötig, bei denen sie nicht mit stimmten. Und die Bankmanager sind nicht schuld, weil sie laut eigenen Angaben nur den Marktgesetzen folgten und die Politiker zu viele Kredite nahmen.

Auch wenn die Schuldigen identifiziert werden, können sie die Rettungsmaßnahmen nicht bezahlen. Und ob eine Bestrafung der Schuldigen irgendeine Erleichterung bringt, ist äußerst fraglich. Außerdem findet man die Schuldigen nur durch Anwendung divergierender politischer Doktrinen.

Die EU-Länder sind durch kollektives Versagen in eine finanzielle, moralische und politische Sackgasse geraten und wurden zu Geißeln eines skrupellosen Finanzmarktes/Bankensektors. Versagt haben die Politiker (weil sie undiszipliniert zu viele Kredite aufgenommen haben), die Bankenmanager (weil sie aus Gewinnsucht zu viele Kredite vergeben haben) und auch die BürgerInnen (weil sie diese Fehlentwicklung durch ihr Wahlverhalten über Jahrzehnte gutgeheißen haben).

Freie Marktwirtschaft

Sind die geforderten mutigen Schritte konform mit der Heilslehre vom "freien Markt"? Zumindest so konform wie der Eingriff in den Markt durch Bankenrettung, großzügige Garantien und Quantitative Easing. Man greift bereits derzeit in bestehende Anstellungsverträge ein, indem man verhindert, dass fahrlässige Bank-Manager zur Verantwortung gezogen werden. Und man greift derzeit in Wettbewerbs- und Insolvenz-Gesetze ein, indem man Banken mit Steuergeldern oder Garantien rettet. Die Konformität mit dem "freien Markt" ist nicht mehr relevant, weil der "freie Finanzmarkt" offensichtlich versagt hat und wegen seines klar erkennbaren Zusammenbruchs auch weiterhin versagen wird.

Offensichtlich ist es unmöglich in einem "freien Finanzmarkt" das verantwortungslose Aufnehmen von zu vielen Krediten durch Politiker und das gewinnsüchtige Vergeben von zu vielen Krediten durch private Banken in den Griff zu bekommen.

Daher sind unkonventionelle Lösung notwendig, z.B. die oben angeführten mutigen Schritte. Vor allem ist es nicht möglich einen zusammengebrochenen "freien Finanzmarkt" auf Dauer mit Steuergeldern aufrecht zu erhalten. Das führt unweigerlich zu sozialen Unruhen auf Grund der Verarmung der Massen und der ungerechten Bereicherung weniger. (Leser-Kommentar, Reinhard Sündermann, derStandard.at, 4.11.2011)

Autor

Dipl.Ing. Reinhard Sündermann, war Software- und System-Ingenieur und dann zweiundzwanzig Jahre Patentprüfer. In der Pension beschäftigt er sich als politisch interessierter Autodidakt mit dem Thema Finanzmarkt.

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15 Postings
I like Austria
00
9.11.2011, 05:21
An den Autor:

Ich empfehle einmal das zu lesen:

http://www.martinarmstrong.org/files/Fin... 4-2011.pdf

Die Loesung:
Entweder die Schulden monetarisieren (=(Hyper?)Inflation) oder einfach "pleite" gehen. Zurueckzahlen wird man diese nie mehr koennen.

Bzw. weitere Infos:

http://www.martinarmstrong.org/economic_... ctions.htm

Viele Gruesse

Reinhard Sündermann
Reinhard Sündermann
00
5.11.2011, 11:35
Zentralbanken verbuchen bereits heiße Luft

http://www.bloomberg.com/news/2010... risis.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Quan... te_note-12

Nur naive Buchhalten denken, eine ausgeglichene Bilanz der Zentralbanken sei ehernes Gesetz. Das Aufkaufen bedenklicher „Papiere“ (z.B. von Staatsanleihen überschuldeter Länder) ist bereits Praxis (verschiedene Formen des „easing“). Was bedeuten „uneinbringliche Werte“ (negative Bilanz) in einer Zentralbank? Eine Zentralbank kann über Jahrhunderte negativ bilanzieren, solange man sich darüber nicht aufregt.

Das reflexartige zitieren von Inflation beim „Geld-Drucken der Zentralbanken“ trifft selten die wahre Sachlage. Es kommt immer darauf an, was mit dem „gedruckten Geld“ geschieht. Das „gedruckte Geld“ oder die „heiße Luft“ in den Rachen maroder Banken zu werfen, ist sicher schlecht (und das geschieht leider derzeit). Man könnte jedoch Arbeitsplätze in wirtschaftlich angeschlagenen Ländern erzeugen, indem man dort mit dem „gedruckten Geld“ die Infrastruktur ausbaut.

Die Bilanzierung der Zentralbanken und der eigentlich bankrotten privaten Banken ist derzeit schon so abenteuerlich (siehe die Jo-Jo-Bilanz der Erste Bank), dass man mit konventionellem Buchhaltungswissen daneben liegt. Das schlimme dabei ist, dieser Kosten dieser Tricks trägt der Steuerzahler. Wenn schon Buchhaltungs-Tricks, dann wenigsten Tricks auf Kosten der angehäuften Scheinwerte (nicht mehr marktfähigen Papiere).

Heefcleeve
00
7.11.2011, 12:54
Sie haben Recht: man nimmt einen Zentralbankdefekt derzeit bewusst in Kauf

Die Lösung kann nun allerdings nicht sein, diesen noch weiter zu verstärken: Eine Zentralbank kann durchaus über einen gewissen Zeitraum mit negativem Eigenkapital bilanzieren. Allerdings nur, wenn davon ausgegangen werden kann, dass sich in normalen Zeiten auch Ertragsüberschüsse erzielen lassen (Seignorage). Was natürlich dann wegfallen muss, wenn man zinslose! Forderungen als Aktiva bei der "Geldschöpfung" verbuchen will! Das würde die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit einer Zentralbank stark gefährden, um es mal euphemistisch auszudrücken. Das Publikum würde mit Sicherheit massiv in andere Währungen flüchten.

www.snb.ch/de/mmr/sp... tjn.de.pdf

Heefcleeve
00
4.11.2011, 18:56
Zu den pragmatischen Schritten zur Lösung der Euro-Krise

1. würde dazu führen, dass sich sämtliche Länder nicht mehr refinanzieren können - denn wer würde ihnen dann noch Geld leihen?
2. Verrät uns der Autor auch, wie die EZB dieses Geld schöpft? Was wird aufgrund der Bilanzverlängerung auf der Aktivseite der EZB-Bilanz verbucht? Heiße Luft?

Sry, ich fürchte, das ist nicht praktikabel. Das Finanzsystem würde sofort crashen, die Kette von Schuldverhältnissen reissen. Weil niemand mehr bereit wäre, Ansprüche gegen sein Eigentum zu kreditieren (=Game over).

Was man aber machen kann, ist sinnvoll enteignen (durch ein progressives Abgabensystem zb). Ist ja nicht so, als wenn es an Ersparnissen mangeln würde, um die Euro-Krise zu lösen. Der Euro-Raum ist nicht auf Kapitalzufluss angewiesen.

Randalf X.
00
12.11.2011, 01:17
Keine Schulden mehr für Papa Staat

Halte ich für super. Dann hört sich endlich dieses sinnlose Auf-Kosten-der-Kinder-leben auf.

Staaten alle crashen lassen und anschließend nie wieder Schulden machen. Mit dem Geld das hier hereinkommt kann man für einige Jahre die Wirtschaft stabilisieren, anschließend Bildung und soziales aufbauen oder alles gleichzeitig und dafür langsamer.

edurkheim
60
4.11.2011, 09:43
Jetzt wissen wir wenigstens warum Techniker (Dipl-Ing)

am besten alleine in ihrem Kämmerchen an irgendwelchen Plänen und Maschienen herumtüffteln sollen, aber in gesellschaftslichen Prozessen höchstens als in beratende aber nie entscheidende oder gar führende Position heran gelassen werden sollten.

Sie haben nämlich keine Ahnung weder von Wirtschaft noch von Jus noch von Politik noch von Soziologie - glauben aber alles am besten zu wissen und das letzte ist ihr wirklicher Schwachpunkt.

Tycho Brahe
00
5.11.2011, 09:45
Techniker müssen täglich den Wahrheitsbeweis

für ihre Produkte erbringen. Wenn es nicht funktioniert ist ausschließlich der Konstrukteur schuld. Wirtschaftwissenschafer sitzen im Elfenbeinturm und ersinne neue Modelle! Wenn diese nicht funktionieren, dann war eben der Markt, die bösen Kommunisten oder die Maikäferplage vom vorigen Jahr schuld.
Warum Wirtschafswissenschaft, Theologie etc. als Wissenschaft gilt wird mir ewig unverständlich bleiben.
Diese Fritzen bauen sich ein geistiges Konstrukt und können demzufolge alles mögliche behaupten.
Würden Architekten so arbeiten wie die ach so genialen Wirtschaftsminister, dann könnte ein einzelner Specht an einem Vormittag eine ganze Stadt umlegen.
Genau DAS geschieht laufend, ein kleiner Finanzmaxi in einer Bank kann Milliarden verzocken!

Andreas Prucha
02
4.11.2011, 17:14

Ich fürchte es sind eher die "gelernten Wirtschaftler", die ziemlich im Dunklen tappen. Der erste Knackpunkt ist nämlich, dass die meisten betriebswirtschaftlich, nicht gesamtwirtschaftlich denken.

Reich sein muss sich lohnen!
00
4.11.2011, 16:46
Sehr fundierter Kommentar

Null Bezug auf den Inhalt, aber auf den Titel des Autors aufhängen.

Bravo! Wo haben's denn das gelernt?

bladerunner
04
4.11.2011, 14:37

Techniker müssen systemisch denken und begreifen können (zumindest gute). Richtig und Falsch sind in der Technik klar definiert, und wenn etwas nicht funktioniert, muss sich der Techniker seinen gesamten Lösungsweg ansehen, und erkennen, an welcher Stelle er den Fehler gemacht hat. Insofern muss ich annehmen, Sie hätten definitiv keine Ahnung von Technik (oder gar wissenschaftlichem Arbeiten)

Was jetzt gerade passiert, ist das herumdoktern von Dilletanten an strukturellen Fehlern einer Maschine (oder von Gebrauchtfahrzeughändlern, um eine Schrottkarre noch mal verkaufen zu können).

Andreas Prucha
02
4.11.2011, 17:17

Stimmt. Die Wirtschaftstheoretiker haben das System aufgebaut und wollen einfach nicht wahrhaben, dass sie extreme Bugs eingebaut haben. Die ärgsten davon sehen sogar das Heil in mehr vom Falschen.

Roter Baron
01
4.11.2011, 12:45

dann bitte sei du unser heiland
unser retter der welt
ein semester soziologie reicht da sicher.

roter baron

lessismore
14
4.11.2011, 09:03

(1) Die Staatsfinanzierung gehört den Finanzmärkten entzogen, jetzt und in Ewigkeit;

(2) Ende des Lohndumpings;

(3) Vermögenssteuer.

(4) Fernseh-Erklärung von Angela Merkel, AUF GRIECHISCH, frei vorgetragen, in der sie die alleinige Schuld Deutschlands an den Problemen in der Eurozone einbekennt und einen Forderungsverzicht aller deutschen Gläubiger Griechenlands, staatlich und privat, in einem festzulegenden Ausmaß verkündet.

vertrae glich
 
04
4.11.2011, 09:44

Sie hätten mit Punkt 3 aufhören sollen!

lessismore
00
4.11.2011, 18:23

Ich weiß!

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