CNN: Beduinen versklaven, foltern und vergewaltigen Flüchtlinge
Kairo/Wien - Menschenrechtsorganisationen haben auf dem Sinai in Ägypten
grausige Entdeckungen gemacht, die nahelegen, dass dort neben Menschenschmuggel
auch Organentnahmen stattfinden. Wie der Nachrichtensender CNN am Donnerstag
online berichtete, werden Flüchtlinge, die etwa aus Äthiopien, dem Sudan oder
Eritrea stammen, NGOs zufolge von Beduinen versklavt, gefoltert und
vergewaltigt, wenn sie das Geld für den Transport nach Israel nicht zahlen
können. Die Organisation New Generation Foundation verfüge zudem über Fotos, auf
denen Menschenleichen zu sehen sind, die auffällige Narben am Unterleib
aufwiesen. Von Beduinenführern sei CNN zufolge keiner bereit gewesen, dazu
Stellung zu beziehen.
Der TV-Sender zeigte die Aufnahmen der Leichen dem früheren Chef des
Instituts für Forensik in Kairo, Fakhry Saleh, der sich viel mit Organhandel in
Ägypten befasst haben soll. Ihm zufolge müssen die Eingriffe 48 Stunden vor dem
Tod der Betroffenen gemacht worden sein und fast alle Narben befänden sich im
Bereich der Niere oder der Leber. Es sei denkbar, dass die Flüchtlinge betäubt
und aufgeschnitten wurden, um sie dann sterben zu lassen.
Ein Beduine, der selbst in Menschenschmuggel involviert gewesen sein soll,
habe CNN anonym gesagt, dass der Organhandel vor allem über den Sawarka-Stamm
laufe. Ihre Abnehmer seien Ärzte aus Kairo, die Organe mit mobilen Kühlschränken
abholten "und nach Kairo oder sonst wohin bringen". Für ein Organ zahlen sie,
dem Informanten zufolge, mindestens 20.000 Dollar. (spri/DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2011)