Ich-Suche und Vergangenheitsausbrüche

3. November 2011, 18:32
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Literaturtage St. Veit bis Sonntag

In den 1950er- und 1960er-Jahren waren die St. Veiter Literaturtage nahe Klagenfurt eine Veranstaltung, deren Ausstrahlung weit über die Grenzen Kärntens hinausreichte. Heimito von Doderer und Christine Lavant haben hier gelesen sowie Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard oder Gert Jonke. Nach einem längeren Dornröschenschlaf wurde die Veranstaltung 2009 wieder ins Leben geküsst. Nachdem 2010 abermals pausiert wurde, finden die St. Veiter Literaturtage heuer wieder statt.

Das Programm ist der Geschichte dieser Veranstaltung würdig. Am Freitagum 20 Uhr liest im Rathaushof St. Veit mit Maja Haderlap die Gewinnerin des heurigen Bachmannpreises. "Noch ist die Kindheit wie selbstverständlich auf das Kommende gerichtet, aber auf dem Boden des Vergangenen erweist sich die Zukunft als Leichtgewicht", heißt es in ihrem Roman Engel des Vergessens, der sich mit der Geschichte Kärntens auseinandersetzt. Wie man das Grauen der Kinderzeit beschreiben und dem Schrecken der Geschichte (nicht) entkommen kann, sind Fragen, die auch der Kärntner Slowene Florjan Lipus in seinem Roman Der Zögling Tjaz stellte. Lipus, einer der herausragendsten slowenischen Gegenwartsschriftsteller, liest am Samstag (20 Uhr).

Die Sonntagsmatinee (11 Uhr, Rathaushof) bestreitet der in Paris lebende Schweizer Schriftsteller Paul Nizon, der in seinem Werk der Dame Literatur und dem eigenen Ich nachjagt. Ausgebrochen aus der Enge der Schweiz, schreibt dieser Autor Weltliteratur - und Bücher, in denen es ums Ganze geht. Oder wie Nizon in einem Essay notierte: "Ich schreibe in allen meinen Büchern am selben Buch. Es ist das Buch des Lebens. Viele vor mir haben damit begonnen, ich mache weiter, andere werden es fortführen." (steg/ DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2011)

4.-6. 11., Rathaushof St. Veit

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