RZB-Chef

"Wenn die Welt zusam­men­bricht, ist alles anders"

Interview | Andreas Schnauder, 3. November 2011, 18:34
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    foto: apa/pfarrhofer

    Rothensteiner: "Eine Verschiebung des geplanten Regelwerks Basel III wäre vernünftig."

Raiffeisen-Mann Walter Rothensteiner plädiert für mehr Gelassenheit bezüglich Griechenland

Standard: Wie sehr beunruhigen Sie als Obmann der Banken die Turbulenzen rund um Griechenland?

Rothensteiner: Bei Griechenland sollte man einmal tief durchatmen bevor man laut schreit. Ganz Europa schreit schon, bevor man weiß, ob und wann die Griechen worüber abstimmen sollen. Ein bisschen mehr Gelassenheit würde uns allen guttun.

Standard: Auch wenn das Referendum nun abgeblasen wurde: Hätte nicht sogar ein Nein positive Aspekte gehabt, weil dann alle Zweifel beseitigt wären?

Rothensteiner: Wenn Griechenland aus dem Euro austritt, werden die Schulden weiterhin in Euro zu zahlen sein, der dann teurer wird. Dann stellt sich außerdem die Frage: Wo fangen wir an, wo hören wir auf? Mit jedem schlechten Land, das gedanklich ausscheiden würde, würde der Euro teurer werden. Das würde die deutsche oder österreichische Wirtschaft massiv schwächen.

Standard: Aber eine Lösung muss doch jetzt rasch her, sonst steigen die italienischen Renditen so lange, bis auch Rom sich nicht mehr refinanzieren kann.

Rothensteiner: 15 Jahre lang hat die hohe Staatsverschuldung Italiens niemanden gestört. Sie ist auch im wesentlichen im Inland finanziert. Jetzt auf einmal wird das dramatisiert. Für unsere Banken ist aber selbst das Italien-Obligo nicht dramatisch. Die Raiffeisen Bank International hält per Juni 2011 Anleihen im Wert von 474 Millionen.

Standard: Der Weltbankverband warnt wegen der höheren Eigenkapitalvorschriften vor Kreditrückgängen. Wie sehen Sie das?

Rothensteiner: Nicht ganz so. Die Banken können ja nicht dem Kreditnehmer sagen, gib mir mein Geld zurück, weil dann benötigen wir nicht so viel Eigenkapital. Und die Kreditnachfrage hängt weniger von den Banken als von der Konjunktur ab. Ich habe überhaupt keine Sorgen in Richtung Kreditklemme.

Standard: Die Europäische Bankenaufsicht hat 1,9 Milliarden Kapitallücke bei der RZB eruiert. Haben Sie die EBA wegen der Nichtanerkennung privaten Partizipationskapitals schon kontaktiert?

Rothensteiner: Nein, noch nicht. Das ändert aber nichts daran, dass die drei Großbanken (RZB, Erste und ÖVAG) rund zwei Milliarden PS-Kapital gleicher Qualität wie jenes des Staates halten, das jetzt nicht anerkannt wurde. Ich gehe davon aus, dass wir notfalls Möglichkeiten finden werden, daraus anderes Kapital zu machen. Aber eigentlich ist es eine Ungleichbehandlung.

Standard: Wenn Sie PS-Kapital umwandeln, bleibt bei der RBI nicht viel Streubesitz übrig.

Rothensteiner: Es gibt andere Varianten auch. Man kann zum Beispiel PS-Kapital zurückkaufen und gibt dem gleichen Eigentümer Wandelanleihen im gleichen Ausmaß. Das haben wir aber alles noch nicht durchdiskutiert.

Standard: Es gibt Spekulationen, dass der Kapitalbedarf bei Raiffeisen wegen Wertberichtigungen in Ungarn noch höher ausfallen könnte als 1,9 Milliarden?

Rothensteiner: Sie wissen nie, was Wirtschaftsprüfer am Jahresende verlangen oder wie viel Personen die Konvertierung der Fremdwährungskredite von Schweizer Franken in Forint in Anspruch nehmen. Wenn morgen die Welt zusammenbricht, ist alles anders.

Standard: Plädieren Sie wegen des schwierigen Umfelds für eine Verschiebung von Basel III?

Rothensteiner: Die Verschiebung von Basel III wäre nicht unvernünftig, solange nicht klar ist, wie das Staatsschulden-Dilemma ausgeht. Die höhere Unterlegung von Krediten an Klein- und Mittelunternehmen mit Eigenmitteln wird gerade der österreichischen Wirtschaft wehtun. Ein Thema ist zudem die unterschiedliche Behandlung von Investment- und Geschäftsbanken. Eine US-Investmentbank hat keine Assets auf den Büchern. Darum braucht sie heute trotz hohen Risikos weniger Eigenmittel als wir für jeden Kredit an einen Greisler in Budapest.

Standard: Werden Sie versuchen, die Bankensteuer zu kippen?

Rothensteiner: Für 2012 wurde ein Review vereinbart. Wenn es keinen starken Bankenapparat mehr gibt oder Institute ans Ausland verkauft werden, kann das auch nicht die Idee sein. (Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 4.11.2011)

Walter Rothensteiner (58), Handelswissenschafter, ist Chef der Raiffeisen Zentralbank und Obmann der Kreditsparte in der Wirtschaftskammer.

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ganzsichernicht
 
00
4.11.2011, 12:14
...wo er recht hat, hat er recht: gelassenheit gegenüber griechenland.

..wenns dort kracht, gibts maximal bürgerkrieg. deshalb wird griechenland nicht krachen. geschichtlich betrachtet, schauts über den großen teich: südstaaten amerikas haben seinerzeit auch behauptet, sie hätten eine funktionierende wirtschaft und könnten aussteigen...das ergebnis kennt man. das wahre problem, welches die raiba hat: die fetten jahre sind vorbei, die haben den gewinn in den osten investiert, und eine menge eurokredite an polen und rumänen zb gegeben...das schaut nicht gut aus. und der schaas vonwegen "in österreich ist das geld und die banken sicher" ist meiner meinung nach eine glanzleistung der realitätsverweigerung...amen.

Mostbluzza
00
4.11.2011, 10:32
die raiffeisen ist nie irgendwo dabei

hat nirgends riskante anlagen, nie was riskiert.

ich frag mich immer, wie die "ihr" geld, ihr vermögen anlegen. gut in tausenden firmen in österreich, aber es muss doch auch internat. finanzanlagen geben.

auch etwa öst. staatsanleihen? zu wieviel prozenten, wäre interessant, ist öst. bei den unzähligen raika s verschuldet? bettelmann steckentauschen?

c70
00
4.11.2011, 12:03
Sie brauchen bloß die veröffentlichten Bilanzen lesen.

Steht alles drinnen.

Dagmar Rehak Wien
 
72
4.11.2011, 08:33
"Wenn Griechenland aus dem Euro austritt, werden die Schulden weiterhin in Euro zu zahlen sein, der dann teurer wird."

Das ist der aktuelle Gipshaxn, der in dieser Kriegspropaganda weh tut. Ist aber nur eine leere Drohung. Und der Rest ist heiße Luft.
Wenn die Griechen keine Euro mehr verwenden, sondern eine eigene Währung, kann man sie auch nicht erpressen, d.h. sie müssen nicht der Sklaverei zustimmen, um Geld für Pensionen usw. zu bekommen.
Eher wird Griechenland das zurückbekommen müssen, was es bis jetzt zu viel gezahlt hat, und zwar in diesen teureren Euros.

Sogenet
10
4.11.2011, 12:53
Si tacuisses, philosophus mansisses.

Oje!

huhhhh
10
4.11.2011, 12:25

Oje, da verstehen sie wohl einiges nicht wirklich. Wenn GR die Drachme einführt, bleiben die Schulden dennoch in Euro. Heißt sie müssen in einen Default gehen. Bei der Wirtschaft und dem aktuellen Umfeld bekommen sie in den nächsten Jahren keinen Cent mehr. Dann fängt es erst richtig an, Pensionen können überhaupt nicht mehr bezahlt werden, Staatsangestellte müssen noch stärker abgebaut werden und die Ersparnisse des kleinen Mannes sind wertlos.
Mit ihrem pathetischen Geschwafel von "Kreigspropaganda" und "Sklaverei" zeigen sie leider nur da sie von dem Ganzen nichts verstehen. Doch kein Grund zur Sorge, sie sind eine unter vielen hier im Forum.

Dagmar Rehak Wien
 
10
4.11.2011, 18:23

Selbst wenn es wahr wäre, dass Griechenland Schulden hat (was nicht der Fall ist), könnte das Land sämtliche Zahlungen im Land in seiner eigenen Währung erledigen und könnte sogar neue Staatsbedienstete aufnehmen.

chistyle .at
02
4.11.2011, 15:01

wieso können sie ihr renten nicht mehr zahlen wenn sie die Drachme wieder einführen?
müssen sie da etwa irgendjemand anderen fragen ob sie drachme drucken dürfen?
gibt es irgendein Land, das den Euro nicht hat und in Schwierigkeiten ist??
Früher hat man uns immer gewarnt, dass wir froh sein sollen den Euro zu haben sonst würden wir im Popsch sein?
die einzigen die im Popsch sind, sind die die den euro haben. die anderen werten halt ein wenig ab und das ganze funktioniert wieder....
aja apropo Inflation-hat die Fed nicht 1 Billion drucken lassen und die Inflation ist auch nicht gestiegen!?
Haben die Engländer nicht selbiges getan und eigene Staatsanleihen gekauft!?
also beide haben keine Inflation!?
wo liegt mein denkfehler??????

Senf dzgbr
00
25.11.2011, 13:16
Denkfehler? - Antwort :-)))))))

Die Inflation kommt, wenn das Geld verteilt wird. Würde die FED die Billion an die Bürger verschenken, hätten wir sie sofort. Derzeit fließen aber große Geldmengen ins Ausland (Flucht aus Europa) oder verbleiben im Bankenapparat; Würden die Griechen z.B. Drachmen 1:1 gg. Euro tauschen und die Beamten, Pensionen in Drachmen auszahlen, wäre direkt keine Inflation zu erwarten. Doch über den Importüberhang würden die eingeführten Güter wohl teurer (über Währungsabwertung). Beim jetzigen Umfeld müsste es Griechenland wohl schaffen ohne Außenhandel auszukommen. Zu berücksichtigen wäre, dass ein Default Griechenlands auch intern strukturelle Probleme nach sich ziehen sollte.

c70
11
4.11.2011, 10:22
Liebe Frau Rehak

Wenn Sie einen CHF-Kredit aufnehmen, müssen Sie CHF zurückzahlen und haben das Wechselkursrisiko und die Kosten zu tragen.
Genau dasselbe gilt für Griechenland, die ja jetzt bereits in Euro Schulden aufgenommen haben.

Ein Ausstieg aus dem Euro wäre für GR fatal. Währungsabwertung, Importe verteuern sich etc.

Dagmar Rehak Wien
 
22
4.11.2011, 10:36

Bin ich ein Staat?
Ich bin eine Einzelperson, die Geld einnimmt und Geld ausgibt. Durch mich fließt das Geld also durch.
Griechenland ist ein Staat, der Geld braucht, um es innerhalb seiner Wirtschaft fließen zu lassen. Das ist ein weitgehend geschlossenes System. Ein Staat sollte niemals Geld verwenden, das er wieder zurückgeben muss, und das auch noch verzinst. Wer einem Staat einen verzinsten Kredit anbietet, egal in welcher Währung, gehört mit einem nassen Fetzen verjagt.

hadschibradschi
00
4.11.2011, 16:37
... mit nassen Fetzen verjagen

Nichts für ungut! Versuchen Sie einmal Goldmann Sachs zu verjagen.

Dagmar Rehak Wien
 
10
4.11.2011, 18:27

Ok, muss nicht gleich verjagen sein. Es reicht wenn ein souveräner Staat mit Hinweis auf seine Souveränität vom netten Onkel kein Geld annimmt.

c70
00
4.11.2011, 12:02
Nur wer gibt GR das Kapital

GR begibt Staatsanleihen für div. Projekte. Staatsanleihen sind Schulden. Gekauft werden Staatsanleihen von anderen Staaten, Banken, Investmentfirmen, Versicherern und ein bisserl von Privaten...
Defakto hat jedes Land, welches sich Kapital über Anleihen holt, Schulden bei div. Gläubigern. Und diese Schulden sind rückzubezahlen, in jener Währung wie sie aufgenommen wurden.

Dagmar Rehak Wien
 
10
4.11.2011, 18:30

Das Kapital eines Staates sind die Menschen, die in ihm leben, und ihre Arbeitskraft und Intelligenz.

Dingsbums1
11
4.11.2011, 10:21
Die Griechen stehen zu recht da wo sie jetzt sind

Und uns wird es bald genauso gehen, wenn wir unsere Politiker für's Schuldenmachen durch gute Wahlergebnisse belohnen und für's Sparen abstrafen.

parapente
00
4.11.2011, 08:31
Was soll denn schon passieren?

Griechenland wurden 50% seiner Schulden erlassen, nebenbei kassiert es 1,2 Billionen €, die eigentlich nur auf dem Papier stehen - und gar nicht real vorhanden sind . . .
Also was solls!

brix
00
4.11.2011, 02:16
wie kann man auf eine so einfache nachfrage:

"Die Europäische Bankenaufsicht hat 1,9 Milliarden Kapitallücke bei der RZB eruiert."...
so gelassen bleiben? vielleicht weil in Ö.für unfähigkeit, fahrlässigkeit und pfusch noch kein verantwortlicher konsequenzen ziehen mußte?

Kleinhirn
00
4.11.2011, 17:09

1. die 1,9 Mrd sind bis 2018 schrittweise zu erbringen
2. Sie müssen nicht unbedingt in Bar erbracht werden. Jedes Jahr laufen Kredite ab. Wenn die Bank mit dem zurückgezahlten Geld keine neuen Kredite vergibt, sinkt der Wert von 1,9 Mrd.
3. die RBI wird heuer über 700Mio Gewinn ausweisen
4. kann neue Aktien Ausgeben
5. Kernkapital über Genußscheine erzeugen wie die Hypo damals, die Justiz stellt ja gerade fest das dieses vorgehen vollkommen legal ist...

Und solange die Rbi 700Mio Gewinn im Jahr schreibt werdens den Rottensteiner mit erhöhten Eigenkapitalvorschriften nicht ins Schwitzen bringen.

Dagmar Rehak Wien
 
40
4.11.2011, 08:35

Weil diese 1,9 Milliarden eh nicht real sind. Das weiß der Interviewte, aber nicht das Publikum.

huhhhh
00
4.11.2011, 12:26

Au weh. Dagmar, durch persistente Ahnungslosigkeit werden ihre Aussagen auch nicht besser.

Dieter Nuhr sagte es mal sehr passen: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal das Maul halten.

peak oil
00
4.11.2011, 06:50
die banker können gelassen bleiben,

denn der steuerzahler wird es schon bezahlen, hat er doch bis jetzt auch fleißig gezahlt.

Dagmar Rehak Wien
 
20
4.11.2011, 08:42

Steuern steuern nur den Fluss des Geldes innerhalb der Volkswirtschaft, Kreditraten inkl. Zinsen fließen aber hinaus. Da man kein Geld aus einer Volkswirtschaft abziehen kann, weil sonst die Wirtschaftsleistung sinkt (das BIP, an das sich alle klammern), muss die Kreditrate erneut als Kredit aufgenommen werden.
Es wird zwar in den staatlichen Ausgaben ausgewiesen, dass ein bestimmter Anteil der Staatseinnahmen für die Zinszahlungen verwendet wird, in Wirklichkeit kommt das Geld gleich wieder herein und wird auf der Bank verzinst.

Erwin Wolfram
01
3.11.2011, 21:38
Uebersetzung

Meine Kuh hat heute morgen noch Muh gemacht.

Alexander Patjomkin
013
3.11.2011, 21:18
Die Bonzen lachen leicht..

Die haben so dicke Fettschicht zusammengerafft, dass kein Weltuntergang ihnen Schaden kann.
Die Schaden werden, wie immer, die einfachen Leute, die aus ihren Arbeit leben, davontragen.
(Wenn sie nicht lernen, wie sie sich dagegen währen können..)

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