Gras ist Gras, und Sand ist Sand

3. November 2011, 17:46
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Die französische Stute Goldikova plant im Breeders' Cup einen historischen Coup

Louisville - Natürlich konzentrieren sich die Europäer auf die Grasbahnrennen. Gras sind sie gewohnt, auf Gras sind sie zu favorisieren. Nach dem traditionellen Kentucky Derby im Mai wird nun, am Freitag und Samstag, auch der stets reisende Breeders' Cup in Louisville abgehalten, 15 Rennen stehen auf dem Programm. Abgesehen davon, dass 15 sowieso nicht durch zwei zu teilen wäre, werden übrigens nur sechs Rennen auf Turf gelaufen und die restlichen neun auf Sand. Die Amerikaner sind so großzügig auch wieder nicht, und Sand ist schließlich ihre Domäne.

Und doch ist es eine französische Stute, die insgesamt im Zentrum des Interesses steht. Im mit zwei Millionen Dollar dotierten Meilen-Rennen nämlich könnte Goldikova ein historischer Coup gelingen, der vierte Cup-Erfolg en suite. Nun ist die Madame, die von Freddy Head in Chantilly bei Paris trainiert wird und zum renommierten Wertheimer-Stall gehört, zwar bereits sechs Jahre alt, und sie schien zuletzt auch nicht ganz in Topform, aber mit der idealen Startnummer 1 könnte es noch einmal klappen. "Vielleicht gewinnt sie diesmal nicht mit drei Längen Vorsprung", heißt es aus ihrem Stall, "aber eine Länge würde auch vollauf genügen." Als stärkster Gegner wird der aus England kommende, erst dreijährige Hengst Strong Suit angesehen, allerdings hat er die grottenschlechte Startnummer 11 erwischt. Vielleicht hilft ihm jetzt die Glückssträhne seines neuen Besitzers, Sheik Fahad, dessen Pferd Dunaden zuletzt den Melbourne Cup gewinnen konnte.

Auch im BC Turf (3 Mio $) am Samstag über 2400 Meter - für Amerikaner ohnedies eine eher ungewöhnliche Distanz - werden die Europäer klar favorisiert, voran die Aga-Khan-Stute Sarafina. Sie hatte im Arc de Triomphe in Paris enttäuscht, aber die Hengste zuvor mehrmals besiegt. Höhe- und Schlusspunkt der Rennen ist die BC Classic, mit fünf Millionen Dollar dotiert. Hier dürfte kaum an einem amerikanischen Sieg zu rütteln sein. Europas Hoffnungen ruhen auf einem einzigen Ross im Feld, auf dem irischen Hengst So You Think. Sie dürften, nun ja, auf Sand gebaut sein. (dol, DER STANDARD Printausgabe, 4.11.2011)

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