Kunstschaffende fordern offenes Haus ohne Hierarchien
Graz - Die Zukunft des Grazer Künstlerhauses ist ungewiss. Der Bau aus
den 1950er-Jahren, der bis Herbst 2012 einer dringend notwendigen
Sanierung unterzogen wird, wurde bisher von fünf steirischen
Künstlervereinen bespielt. Dies soll künftig anders werden.
Kulturlandesrat Christian Buchmann (VP) sammelt dazu Konzepte. Das
Grazer Stadtmuseum wäre interessiert an einer Übernahme, aber auch das
Universalmuseum Joanneum unter Peter Pakesch. Das Haus wäre der elfte
Standort des Joanneum.
Dagegen sind die IG Kultur Steiermark sowie anderer Vereine und einzelne
Künstler. Sie haben gemeinsam ein Manifest für die künftige Nutzung des
Hauses im Stadtpark verfasst, das am Donnerstag vor dem Künstlerhaus
verlesen wurde.
Das Manifest propagiert ein "Künstler*innenhaus", das sich den "in den
letzten Jahren eklatant veränderten Lebens- und Produktionsbedingungen
von Menschen" anpasst. Die Vision ist ein komplett offenes,
selbstverwaltetes Haus mit Arbeitsmöglichkeiten für alle - "unabhängig
von Alter, Geschlecht, Vereinszugehörigkeit oder Institutionen". Dabei
will man untersuchen, wie man gerade auch im Kunstbetrieb "unsichtbaren
Hierarchien, Seilschaften und Lobbyismus" entgegenwirken kann. "Wir
holen uns die Selbstverantwortung für unsere Arbeit zurück!", lautet der
erste Satz im Manifest. "Das Haus soll von wirklichen allen
Kulturschaffenden in der Steiermark genutzt werden können", betont
Caroline Oswald-Fleck von der IG Kultur im Standard-Gespräch.
Vieles im Manifest erinnert an den neuen Geist, der im - ein paar
Gehminuten vom Künstlerhaus entfernt liegenden - Forum Stadtpark weht:
etwa der "Mut zum Experiment" und die Forderung nach Innovation in
Inhalt und Form. Es gibt schon jetzt zwischen dem Forum und den
Verfassern des Manifests freundliche Kooperationen.
Teil der Präsentation am Donnerstag war auch eine Aktion der beiden
Künstler Josef Wurm und Erwin Posarnig, die den Namen
"Künstler*innenhaus" auf das Haus sprühten, um "den noch öffentlichen
Raum zu verwenden". Das Künstlerinnen-Duo IEFS "markierte" derweil den
Grund um das Haus mit einem blau-silbernen Band. (Colette M. Schmidt / DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2011)