Wie der Wiener Thomas Janeschitz Assistent des Schweizer ÖFB-Teamchefs Marcel Koller wurde
Wien - Es war Zuneigung auf den ersten Blick. Das Zusammentreffen
zwischen Marcel Koller und Thomas Janeschitz fand Anfang Oktober in den
Räumlichkeiten des ÖFB satt. Koller wurde ein paar Stunden davor in
Oberwart als neuer Teamchef präsentiert, er suchte dann seinen neue
Arbeitsplatz, das Büro im Happel-Stadion, auf. Der 45-jährige Janeschitz
hat dort ein eigenes Zimmer samt Schreibtisch, er ist seit 2009 für die
Trainerausbildung und -fortbildung im Verband zuständig.
Man stellte einander auf dem Gang vor, wechselte nicht Worte, sondern
ganze Sätze. Ein paar Tage später gastierte die U18 in der Schweiz,
Koller besuchte die Mannschaft samt Trainer. Und der war Janeschitz. Sie
speisten zu Mittag ausgiebig, im Sinne von lange. "Es dauerte zwei
Stunden", sagt Janeschitz. "Wir lagen auf einer Welle." Es folgte ein
gemeinsamer Besuch der Liga-Partie zwischen Admira und Wacker Innsbruck,
nach Abpfiff fragte Koller seinen Begleiter, ob er nicht Co-Trainer
werden wolle. Er wollte. Den anderen Assistenten, den Schweizer Fritz
Schmid, kennt der Wiener Janeschitz noch nicht wirklich. "Es gab einen
zweiminütigen Dialog. Aber der reichte, um zu spüren, dass es passt."
Der Hauptaufgabenbereich von Janeschitz umfasst die Analyse von
gegnerischen Mannschaften und den eigenen Spielern. Er wird schon einen
Trainingsanzug anziehen, "aber ich werde auf dem Platz keine großen
Anweisungen geben und Übungen leiten". Auf den 8. November - an diesem
Tag versammelt Koller den Kader für die Partie am 15. November in der
Ukraine - ist Janeschitz "sehr gespannt. Die Vorfreude ist riesig."
Trainerausbildner bleibt er, die U18 lässt er sein. "Ich hoffe, dass ich
einige Spieler in ein paar Jahren wiedersehe." Janeschitz sagt, in
Österreich gebe es sehr gute Trainer. "Auch wenn ein Schweizer Teamchef
ist. Aber Didi Kühbauer, Peter Stöger, Peter Schöttel und andere gehen
ihren Weg. Dass kaum einer im Ausland unterkommt, liegt am geringen
Stellenwert unseres Fußballs. Dieses Problem haben viele kleine Länder."
Janeschitz hat Sport und Mathematik studiert. "Fußball allein schien mir
zu wenig. Nun habe ich genug davon." Der ehemalige Stürmer (Sportklub,
Austria) zählt sich zur neuen Trainergeneration, "was immer das auch
heißen mag. Die Anforderungen haben sich geändert. Das Startum hat
Einzug gehalten, es wird alles öffentlicher, manche leiden an
Realitätsverlust, stellen eigene Interessen über jene der Gemeinschaft.
Die Gefahr des Durchdrehens steigt. Ein Trainer muss
Managementfähigkeiten besitzen, alles unter einen Hut bringen."
Zeit und Qualität
Gerade in einer Ellbogengesellschaft sei "Teamarbeit wichtig. Die Zeit
der Schleifer ist vorbei, es geht um gegenseitigen Respekt und darum,
einer Sache zu dienen. In unserem Fall ist es der österreichische
Fußball." Die Nationalmannschaft müsse eine Identität, einen
Wiedererkennungswert bekommen. "Man muss realistisch bleiben. Aber es
ist möglich, guten und konkurrenzfähigen Fußball zu praktizieren. Gibt
man Koller Zeit, wird sich die Qualität durchsetzen."
Über die Spielphilosophie solle man eher mit Koller diskutieren, aber da
man quasi auf einer Welle schwimmt, sagt Janeschitz: "Eine seriöse
Vorbereitung ist die Voraussetzung. Die Defensive muss kompakt stehen.
Die Offensive, die in der Abwehrphase beginnt, soll Akzente setzen. Mit
einem schellen Spiel in die Tiefe." (Christian Hackl, DER STANDARD Printausgabe, 4.11.2011)